2019-12-28_tixVorgeschichte:

Ich kann mich nicht erinnern, wann und wie ich auf „Clueso“ gestoßen bin. Aber ich bin mir sicher, dass ich schon in Österreich war, als ich herausfand, dass sich hinter „Clueso“ ein Erfurter Musiker verbirgt.

Doch dauerte es eine Weile, bis ich mich entschloss, seine Musik kennenzulernen. Im Oktober 2010 erstand ich beim großen A das Album „Gute Musik“ als mp3-Download. Dazu suchte ich mir die Texte aus dem Internet zusammen und beim Anhören machte sich schon nach dem zweiten Lied Ernüchterung in mir breit. Bis auf wenige Nummern fand ich „Gute Musik“ mit dem überwiegenden Sprechgesang und dem sehr, äh, modern-jugendlichen Sprachstil, die scheinbar auf die U-21-HörerInnen abzielte, alles andere als gut.

Ist das peinlich! Und als Puffbohne fremdschämte ich mich für ihn. Und somit war Clueso abgehakt.

Am 3. Oktober 2014 gab es am frühen Abend im ZDF eine kurze Reportage über Erfurt, wobei die gegenwärtig berühmtesten Erfurter, Yvonne Catterfeld und Clueso, die Hauptrollen in der Dokumentation „Erfurt – Cooler Sound und neue Blüte“ darstellten.

Trotz meiner Vorbehalte gegenüber Catterfeld und Clueso sah ich mir die Sendung schließlich im ZDF-Mediathek mit Untertitel (!) an und ja… Thomas Hübner, wie Clueso nun einmal bürgerlich heißt, kam so sympathisch herüber, so dass ich gleich danach einen Blick auf seine Webseite werfen musste.

Zu diesem Zeitpunkt war sein Album „Stadtrandlichter“ draußen und ich bekam so etwas wie heimatliche Gefühle, als ich auf der Webseite die wunderschönen Fotos von Erfurt bei Nacht betrachtete. Ich hörte mich in das eine und andere Lied hinein und es dauerte nicht lange, bis ich mir die „Stadtrandlichter“ kaufte. Das Konzert Ende Oktober 2014 in der Wiener Arena ließ ich aus, weil ich Besuch von meinen Eltern bekam.

Dennoch war ich zuversichtlich, Clueso bald live erleben zu können und ich freute mich über die Ankündigung eines neuen Albums mit dem vielversprechenden Titel „Neuanfang“. Ich kaufte mir vorher eine Karte für das Konzert am 1. Februar 2017 im Wiener WUK, das auch rasch ausverkauft war.

Kaum fand „Neuanfang“ Zugang in meiner Musiksammlung, stand sie schon auf der Abschussliste. Die Begeisterung, die ich für den Vorgänger hege, war in „Neuanfang“ nicht zu spüren. Ich quälte mich durch ein zweites Mal Hören & Lesen und blieb bei meinem ersten Eindruck. Demzufolge hatte ich keine Lust auf das Konzert, das ja unter dem Motto „Neuanfang Club Tour“ lief. Sowohl Konzertkarte als auch CD wurde ich bei eBay los.

Doch war Clueso für mich noch nicht abgeschrieben und weil ich 2018 zwei Mal in Erfurt war, entging mir auch nicht, dass „Handgepäck I“ in den Startlöchern stand. Ich vertraute darauf, dass es besser als sein Vorgänger sein würde, doch ließ ich mir dieses Mal viel Zeit mit dem Kauf des Albums und „verschlief“ sogar den Termin im November 2018 in der Wiener Arena.

Wie auch immer… irgendwann schnappte Spike auf, dass mir immer noch ein Konzert von Clueso fehlt und er war der Meinung, dass, wenn ich schon ein Konzert von Clueso besuchen soll, dann in Erfurt. Ende Juni 2019 startete der Kartenvorverkauf für Cluesos mittlerweile traditionellen „Weihnachtskonzerte“ in der Erfurter Messehalle. Da ich mir so gut wie sicher war, meinen Weihnachtsurlaub 2019 endlich in Erfurt zu verbringen, kaufte Spike für uns beide Karten für das Konzert am 28.12.2019.

In den nächsten Monaten der zweiten Jahreshälfte hatte ich Schwierigkeiten, meine neu erworbene Musik zu koordinieren. Da war das Konzert von Little Steven, also schön fleißig die „Summer Of Sorcery“ hören! Dann das von Kiefer Sutherland, da gibt’s doch die „Reckless & Me“. „Western Stars“ läuft im Kino, hol doch mal das auch vernachlässigte Album heraus und so weiter, und so fort… außerdem besteht meine Freizeit nicht nur aus Musikhören. Und bei Clueso begann ich zu spät, mich in sein Werk hineinzuhorchen. „Handgepäck I“ erstand ich erst Anfang Dezember, dann fiel mir ein, dass ich die „Gute Musik“ auf irgendeiner externen Festplatte deponiert hatte. Bis ich (auch mit ausgedruckten Texten) einigermaßen ausgestattet war, stand schon das Konzert vor der Tür.

Konzert:

Bevor Spike und ich zur Messehalle fuhren, feierten wir unser Wiedersehen mit ein, zwei Glühwein in der Erfurter Altstadt. Die Tram Linie 2 brachte uns zuverlässig zur Spielstätte und schon allein die Fahrt versetzte mich in Nostalgie, weil ich die Gegend entlang dieser Linie recht selten aufsuche. Sowohl Spike als auch ich fragten uns, wie unsere personalisierten Tickets geprüft werden, aber beim Einlass bekamen wir schnell die Antwort. Die Ordner betrachteten recht oberflächlich die Tickets, ich glaube, ich käme auch mit einem „Hob mi gern!“ statt mit meinem Namen hinein, das wäre denen sicher nicht aufgefallen. Konzerte dieser Größenordnung erprobt, nahm ich kein Gepäck mit, ich hatte meine Wertsachen in den Jackentaschen verstaut, auch da nur eine oberflächliche Kontrolle und schon befanden wir uns im Foyer der Messehalle. (Ich glaube, die Halle wurde vor 20 Jahren erbaut. Und ich war bisher noch nie drinnen.)

Jacke bei der Garderobe abgegeben, schnell für kleine Soris, ein Köstritzer Schwarzbier geholt und mich beim Verkaufsstand wieder darüber aufgeregt, dass es keine Damenshirts gab.

Nachdem Spike und ich die Konzerthalle betraten, entschied ich mich für einen Platz beim Mischpult. Die vorderen Reihen sahen gut bestückt aus und ich sah mich nicht Fan genug, um vorne stehen zu wollen.

Fünf Minuten nach 19:30 Uhr startete Elen ihr undankbares Vorprogramm. Undankbar deshalb, weil der Klang bei uns ziemlich bescheiden war und die Leute um uns sehr unaufmerksam waren und lieber lautstark ihre weihnachtlichen Anekdoten zum Besten gaben.

Kurz vor 20:30 Uhr war es dann endlich soweit:

Die Videoleinwand hinter der Bühne zeigte ein Wolkenmeer. Aus diesem ragten die mir so vertrauten Plattenbauten (weil auch darin gewohnt) hervor und nun erhob sich der Erfurter Dom. Diese Bilder überwältigten mich so sehr und ich konnte nicht anders, als ein, zwei Tränen zu verdrücken.

Die Bandmitglieder tauchten auf, ich musste grinsen, dass tatsächlich die von mir geschätzte Bassspielerin Marlene Lacherstorfer aus Oberösterreich zur fixen Besetzung gehört. (Die Bassistin „kenne“ ich von Ernst Molden und Meena Cryle.) Und nun war er da!

Thomas Hübner. Oder auch: Clueso.

Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass Clueso den Abend mit „Gute Musik“ eröffnete. Aber ich ließ mich sehr bald von der guten Stimmung und verbesserten Klang mitreißen. Auch aus dem gleichen Album (Nennt man so etwas Schicksal?) erklang im Anschluss „Love The People“, bevor Clueso den restlichen Abend mit einer ausgewogenen Mischung aus seiner doch recht umfangreichen Diskographie das Erfurter Publikum begeisterte.

Auch sorgen immer wieder die farbenfrohen Bilder auf der hinteren Videoleinwand und die schwarz-weißen Szenen von den Videoleinwänden rechts und links der Bühne für Laune. Bei Letzteren haben mir die Filmeinstellungen auf die einzelnen Bandmitglieder gut gefallen, da sie auch teilweise aus der Vogelperspektive gefilmt wurden.

Elen kam noch einmal auf die Bühne zurück, um mit Clueso das berührende „Wenn du liebst“ zu singen. Dieses Mal kam die Sängerin sogar bis zur hintersten Reihe an, aber das ist nun einmal das Schicksal der Vorgruppen.

Das darauffolgende Lied konnte ich leider nicht erkennen, aber auf der Leinwand war nicht zu übersehen, dass Clueso Instagram sehr gern nutzt. Ich verstand den Wink mit dem Zaunpfahl und konnte auf seinem Instagram-Konto die Namen der restlichen Bandmitglieder herausfinden: Die Bläsersektion bestand aus Antonio Lucaciu (Saxophon), Konstantin Döben (Trompete) und Antonia Hausmann (Posaune). Johannes Arzberger an den Tasten, Marlene Lacherstorfer am Bass, Deniz Erarslan und René Mühlberger an den Gitarren und schließlich Tim Neuhaus am Schlagwerk.

Dass die bestens aufeinander eingespielte Band nicht nur Lieder aus Cluesos Katalog spielen können, zeigten sie mit der nächsten Nummer, dessen ersten Takte ich sofort Bruce Springsteens „I’m On Fire“ zuordnen konnte. Aber daraus wurde Cluesos deutschsprachige Interpretation mit dem vielsagenden Titel „Es brennt wie Feuer“. (Hier ist eine schöne Aufnahme vom 1. September 2017 am Erfurter Domplatz.)

Aber dennoch war ein breites Grinsen meinerseits drinnen und Thomas hat somit einen weiteren Sympathiepunkt bei mir abgeholt.

Nach „Du und ich“, dem einzigen Lied aus dem aktuellen Album, das an diesem Abend gespielt wurde, animierte uns Clueso zu Armbewegungen beim so etwas wie Klassiker „Die Sonne geht auf“.

Zu den Klängen von „A-N-N-A“ erschien der Überraschungsgast Max Herre. Das Publikum goutierte sein Ankommen und die BesucherInnen, die sicher nicht älter als Thomas (Jahrgang 1980) oder ich sind, werden sich noch gut an das Lied von Freundeskreis erinnern, das 1997 zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Liedern gehört. Dagegen fand ich den Auftritt von Max Herre solo, mit Band, ohne Clueso, um für das Lied „Athen“ zu werben, weniger gut. Aber wie an der Reaktion des Publikums zu hören war, waren die restlichen 9.999 BesucherInnen anderer Meinung.

Abgang Max Herre und der meisten Begleitmusikanten. Das Interieur des Erfurter Kaisersaales erschien auf der Leinwand. Tim Neuhaus und Clueso griffen zu den akustischen Gitarren, der Saxophonist Antonio Lucaciu blieb bei seiner Bestimmung. Nach der kleinen „unplugged“-Session kam wieder die ganze Band zusammen und es erklang das Lied von Udo Lindenberg, das mittlerweile auf keinem Clueso-Konzert fehlen darf: „Cello“.

Nun wurde es wieder elektrisch mit „Beinah“, „Chicago“ und über „Freidrehen“ habe ich mich sehr gefreut, weil es mehr oder weniger das Lied war, das das Eis zum Schmelzen gebracht hat.

Mit „Out Of Space“ und somit knapp 2 ½ Stunden ging ein fantastisches Konzert zu Ende und ich freue mich, dass ich nun Clueso endlich live erlebt habe.

Es war sicher nicht das letzte Mal, aber ob ich ihn wieder in der Erfurter Messehalle, die für mich kaum Atmosphäre versprüht, noch einmal erleben möchte, bleibt offen…

Dennoch und sehr gern ein großes DANKESCHÖN an Spike, dass er mir mein erstes Clueso-Konzert ermöglichte.

Weiterführende Links:

https://www.jumpradio.de/clueso-weihnachts-konzert-erfurt-100_showImage-bild-clueso-erfurt-100_zc-1c88d329_zs-a6d404a5.html

https://www.thueringer-allgemeine.de/leben/land-und-leute/clueso-das-aelterwerden-ist-kein-grosses-ding-id227970233.html

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/erfurt/clueso-konzert-erfurt-122.html

https://www.messe-erfurt.de/presse/pressemitteilungen/details/double_sold_out_award_fuer_cluesos_weihnachtskonzerte_2019.html

http://www.alive-erfurt.de/clueso-weihnachtskonzert-2019-review