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Wie auf der Karte abgedruckt, hätte das Konzert ursprünglich im WUK stattfinden sollen. Ich weise mit dem Stempel auf meinem Handrücken hin, dass ich den Abend in der Arena verbracht habe.

Eben nutzte ich zum ersten Mal (!) die Suchfunktion von WhatsApp und konnte die Konversation ausfindig machen, als Frau Kraulquappe mir am 22. Dezember 2018 mitteilte, dass Kiefer Sutherland am 5. Oktober 2019 Wien beehren würde. Im selben Atemzug bot sie mir an, zum Konzert am 8. Oktober 2019 nach München zu kommen.

Ich antwortete ihr noch am selben Tag und meine Reaktion fiel in zweierlei Hinsicht verhalten aus. Erstens Wien: Warum schon wieder WUK? Zweitens München: Warum zur End-Oktoberfestzeit?

Das WUK ist sehr nett, vor allem die Platzkonzerte sind sehr sympathisch, aber der Saal hat mich überhaupt nicht begeistert. Und ich erlebte dort mein erstes Konzert von Kiefer Sutherland. Und München während der Oktoberfest-Endstimmung möchte ich mir nicht noch einmal so schnell antun, das Erlebte vom vergangenen Jahr wirkt immer noch in mir nach.

Aber ich machte das Beste daraus und kaufte mir noch im alten Jahr eine Karte für das Konzert am 5. Oktober 2019 im WUK. Die Vorfreude hielt sich in Grenzen, weil ich noch vom Erlebnis in Leipzig zehrte. Finden Sie doch in diesem Bericht heraus, was sich hinter der schönen Parkbühne und der tollen Frau Kraulquappe als Konzertbegleiterin verbirgt… (Wer es immer noch nicht wissen will: Blaue Wörter führen zu Verlinkungen.)

Mitte Mai 2019 erweiterte ich meine Musiksammlung um „Reckless & Me“. Genau wie alle anderen Neuerscheinungen im ersten Halbjahr (außer „Summer Of Sorcery“) legte ich dieses Album schnell weg. Es drang nicht zu mir durch. Nur „Saskatchewan“ blieb hängen, aber mit dem Rest tat ich mich schwer. Klar, „Down In A Hole“ kann es auch nur einmal geben. Mit einem „Es ist eh noch Zeit bis Oktober!“ verschwand das Album in meiner nicht kleiner werdenden CD-Sammlung und erst wenige Tage vor dem Konzert „zwang“ ich mich dazu, wieder die „Reckless & Me“ zu hören.

Es machte Spaß, ich begann, das Album zu mögen und entdeckte weitere Perlen wie „Faded Pair Of Blue Jeans“ oder „Run To Him“ und erinnerte mich auch wieder, als ich gemeinsam mit Frau Kraulquappe in Leipzig zum Titellied oh-oh-te.

Nicht ganz unschuldig an diesem Stimmungswandel war auch die Meldung, die ich wenige Wochen vor dem Termin vernahm, dass das Konzert wegen großer Nachfrage in die ehrwürdige Arena verlegt wurde.

Nun war es soweit, der Tag durfte kommen. (Ohne dass ich nicht der Frau Kraulquappe eine WhatsApp-Nachricht schrieb, dass sie mir fehlen würde.)

Eine Viertelstunde vor 19 Uhr reihte ich mich in die Warteschlange ein und aus den wenigen Tropfen, die mich von der U3-Station Erdberg zum ehemaligen Schlachthof begleiteten, wurde ein regelrechter Wolkenbruch. Hinter mir hörte ich zwei Besucherinnen raunzen, dass die Türen ruhig zehn Minuten früher geöffnet werden können. Hätte ich den Mädels erzählen sollen, wie es damals war in Leipzig?

Kaum war ich drinnen, holte ich mir ein Bier und entschied mich für Distanz und störungsfreie Sicht. Also begab ich mich die Stiege hinauf und hatte einen wunderbaren Platz, der mir eine gute Sicht auf das Geschehen ermöglichte. Die Arena füllte sich recht gut und Punkt 20 Uhr begann die Vorgruppe namens Twinnie. Kiefer Sutherland scheint ein G’spür für gute Vorgruppen zu haben, obwohl ich lieber Rick Brantley wiedergesehen hätte.

Begleitet von ihrem Gitarristen, gab Twinnie ein solides Set von einer halben Stunde und nun brannte das Publikum darauf, Kiefer Sutherland (wieder) zu sehen.

Um 21 Uhr ging es dann los. Ohne ein Whiskeyglas in der Hand, aber dafür (schon wieder) mit dem eigenwillig kreierten Cowboyhut stürmte Kiefer die Bühne, die seine Bandkollegen schon vorher enterten. Beim ersten Lied dürfte es sich um „Rebel Wind“ handeln, welches aber bei mir im verzerrten Soundbrei unterging. Dafür nahm ich die Bühne genauer in Augenschein: Verglichen mit den vergangenen Tourneen wurde an der Optik gearbeitet. Eine Leinwand mit dem „KIEFER“- und „Reckless & Me“-Schriftzug. Altmodische Wohnzimmerlampen und ein kleiner Tisch mit einer Flasche Whiskey (?) runden die rustikale Country-Atmosphäre ab und in der Mitte wurde ein kleiner Podest eingebaut, damit Kiefer öfters darauf thronen kann. Leider dürfte der Rockin‘ Rabbit von Schlagzeugerin Jess Calcaterras Vibrationen genug haben und glänzte durch Abwesenheit, indem er das „Not Enough Whiskey In The World“ wortwörtlich nimmt und sich wahrscheinlich auf einer Whiskey-World-Tour befindet.

Vielleicht lag es daran, dass Kiefer schon nach der ersten Nummer diesen Hut absetzte oder der Klangtechniker wurde seinem Ruf gerecht? Mit dem zweiten Lied wurde es besser und ich genoss das Konzert bis zum Schluss. Mit den vertrauten „Can’t Stay Away“ und „Something You Love“ konnte Kiefer das Wiener Publikum begeistern. Das „Oh-oh-ho“ in „Reckless & Me“ ließ meine Augen etwas feucht werden, als ich an Leipzig denken musste und ich rief die Vokale umso lauter aus.

Kaum fing ich mich wieder, erwähnte Kiefer „Johnny Cash“ und das war das Stichwort, welches Lied als nächstes kommen würde. (Ich schlug der Frau Kraulquappe ihre Bitte ab, während DIESES Liedes zu filmen oder ein Foto zu machen. Stattdessen versprach ich ihr, ganz fest an sie zu denken. Wissen Sie, ich mache auch während „Badlands“ keine Foto- oder Videoaufnahmen. Das geht gar nicht!)

Ich schloss öfters meine Augen, summte das Lied mit und dachte ganz, ganz fest an Frau Kraulquappe. Was meinst Du, kann es von Kiefer Sutherland ein Lied geben, das „Shirley Jean“ toppen wird? Wohl kaum…

Rockig ging es mit „Open Road“ weiter und während „Faded Pair Of Blue Jeans“ wurde die Bühne in ein blaues Licht getaucht, was nur zum Zwecke dieses Lied gedacht war. Ansonsten beherrschten überwiegend warme, gelbe Lichter das Bühnenbild, die das Konzert auch stimmig abrundeten.

Nach „Going Home“, „Blame It on Your Heart“ und „Ways To Be Wicked“ lieferte Kiefer mit „I’ll Do Anything“ einen weiteren Höhepunkt. War das schön, als Kiefer beim letzten „I love you just the way you are“ seine Arme Richtung Publikum ausbreitete und ein „No I wouldn’t change a thing“ schwur.

„Saskatchewan“ berührte wieder, das Akkordeon-Solo ließ den mir bisher unbekannten Keyboardspieler in den Vordergrund rücken und seit ich das Video von „This Is How It’s Done“ kenne, mag ich das Lied. Weil, sehen Sie sich das an:

In 00:10 begrüßt Kiefer das Publikum in Leipzig!

Aber wir sind immer noch in Wien! Und in eine der besten Spielstätten! Mit dem ohrwurmlastigen „Run To Him“ wurde noch ein weiteres Lied aus dem aktuellen Album gespielt, bevor der Hauptteil mit Tom Pettys „Honey Bee“ und den Schlussliedern aus dem ersten Album „All She Wrote“ und „Down In A Hole“ zu Ende ging. „Down In A Hole“ gehört zu meinen weniger Lieblingsliedern auf dem Album, aber live rockt es immer wieder!

Kiefer Sutherland und seine Bandmitglieder verabschiedeten sich. Leider ist Gitarrist Michael Gurley nicht mehr dabei, ich habe vergeblich im WWW gesucht, wie die beiden Neuzugänge (sowohl Gitarre/Pedal-Steel als auch den Tasten) heißen. Jess Calcaterra hat ihren Job als Schlagzeugerin mit bewährter Stärke gemeistert, Joseph DeLeo wurde auch dem Klischee eines Bassspielers gerecht und hielt sich stets im Hintergrund und mir scheint, dass durch den Weggang von Michael Gurley der andere Gitarrist, Austin Vallejo, sich nun profilieren konnte.

Netterweise kehrten Kiefer und seine Mitmusikanten für zwei weitere Zugaben wieder zurück auf die Bühne. Der sehr erzählfreudige Kiefer, der fast jedes Lied anmoderierte, erwähnte den Namen Bob Dylan und so begeisterte er das Publikum mit seiner Interpretation von „Knockin’ On Heaven’s Door“.

Für „Agave“ legte Kiefer die Gitarre ab, setzte sich für kurze Zeit wieder den Hut auf und tobte wie ein Derwisch auf der Bühne.

Er hätte es ruhig noch eine halbe Stunde länger machen können… so vergingen 90 Minuten wie im Flug und ich teilte meiner Sitznachbarin ein „Er wird immer besser!“ mit. Ich fügte noch hinzu, dass ich ihn nun das dritte Mal gesehen habe. Sie sah mich bewundernd an und gestand mir, dass es ihr erstes Erlebnis war, aber sie und ihr Partner waren genauso begeistert wie ich.

Ja, er wird tatsächlich immer besser. Die Musik dürfte Kiefer sehr viel Spaß machen und es ist auch an seiner Ausstrahlung zu sehen, dass ihm die Konzerte Freude bereiten. Bei der nächsten Tournee bin ich gern wieder dabei – und hoffe auf die Begleitung von Frau Kraulquappe!

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