You Can’t Judge A Book By The Cover # 3: John Duffy (Hrsg.) „Bruce Springsteen: In eigenen Worten“

bruce_books00Dem Rat eines Springsteen-Fans folgend, kaufte ich mir das Buch im Sommer des 2000er Jahres. Erst Jahre später registrierte ich, dass es sogar eine englischsprachige Ausgabe gibt. „Bruce Springsteen – In His Own Words“ erschien schon 1993. Aber bisher hat mir der beschriebene Zustand oder das Preis-Leistungsverhältnis nicht gepasst. Es kann sein, dass ich einmal bei einer eBay-Auktion überboten wurde. So habe ich nach wie vor nur die deutschsprachige Ausgabe in meinem Regal stehen.

Was die deutschsprachige Ausgabe von der englischsprachigen unterscheidet, ist nicht nur die Übersetzung der Springsteenschen Zitatensammlung ins Deutsche, sondern auch ein Vorwort von Bruces Freund „Wulfgäng“.

In seiner Einleitung erwähnt Wolfgang Niedecken auch die Kollaboration mit Bruce Springsteen beim Videodreh zu „Hungry Heart“ in Berlin inklusive Spontangig im Café Eckstein. Zu meinem Leidwesen bin ich mit meinen Eltern ein paar Tage zu früh von Berlin weggefahren, nachdem wir den verhüllten Reichstag bewundert haben. Aber in meinem Springsteen-Ordner habe ich den kleinen Artikel mit Bildern, der über den Tagesablauf zum Videodreh berichtet, aufbewahrt. Ich erinnere mich an den Sonntag im Spätsommer 1995, als ich vor dem Fernseher hockte und der Musiksender VIVA eine „Europapremiere“ ankündigte. Somit war ich eine der ersten in Europa, die das Video von „Hungry Heart“ sah und im Anschluss zeichnete ich auch die Dokumentation aus der Reihe „JAM“ auf. Das Ganze wurde mittlerweile von VHS auf DVD überspielt. Ich hab das alles immer noch. Samt „Europapremiere“-Ankündigung.

Der weitere Unterschied zur englischsprachigen Ausgabe ist die spätere Veröffentlichung im Jahre 1999. Somit wurde die deutschsprachige Ausgabe um ein paar ergänzende Zitate erweitert.

bruce_books03Ursprünglich herausgegeben von einem Musikjournalisten, John W. Duffy, handelt es sich um eine Zitatensammlung, die chronologisch nach Themenbereichen gegliedert ist. Von „New Jersey“ über „Live“, „Songs“, „Alben“ zu „Frauen & Beziehungen“ via „Politik“ dürften alle Themen abgedeckt sein. Die Aussagen von Bruce Springsteen stammen aus Interviews, angeblich persönlichen Gesprächen und Anmoderationen bei den Konzerten.

Es ist eines der ersten Bücher, die ich über ihn gelesen habe. Damals war das Buch natürlich bereichernd, aber nachdem ich weitere Bücher und Artikel über Bruce Springsteen in mich aufgesogen habe, musste ich beim neuerlichen Lesen dieses Buches mit dem Anfang kämpfen. Da werden Aussagen und Zitate aus dem Zusammenhang gerissen und willkürlich (de)platziert.

Je weiter der Leser in das Buch hineintaucht, umso tiefer verstrickt er sich in die teilweise widersprüchlichen Aussagen von Bruce Springsteen. Schnell erkennt der Leser, dass Bruce Springsteen sich im Laufe der Jahre selbst korrigiert, sich auch nicht an allem festhält. Das beste Beispiel ist natürlich, dass er in den 1970er Jahren noch die Meinung vertrat, nie in einer Halle mit einem Fassungsvermögen von mehr als 3000 Leuten spielen zu wollen. Landet der Leser in 1987, entdeckt er, dass die gleiche Person nun gern in Stadien spielt. Auch das Thema „Frauen & Beziehung“ unterwarf sich einer Metamorphose, die sich in der kleinen Zitatesammlung recht gut nachverfolgen lässt.

Nachfolgend ein paar Lieblingszitate aus dem Buch:

„Nicht daß man den Leuten nicht beibringen würde zu denken, aber es wird ihnen nicht beigebracht, intensiv genug über etwas nachzudenken. Born in the USA ist nicht zweideutig. Man muß nur richtig zuhören. Wenn man den einzelnen Strophen nicht richtig zuhört, begreift man den ganzen Song nicht, dann versteht man nur den Refrain. Wenn jemand einen Song nicht versteht, bleibt einem nichts übrig, als ihn immer wieder zu singen. 1987“ S. 60/61

„[…] Vielleicht kann man mit 34 nicht mehr die gleichen Träume haben wie mit 24, schon möglich, aber man kann immer noch von etwas träumen. […] 1987“ S. 74/75

„Ich weiß wirklich nicht, woher es kommt, daß ich von Themen wie Sünde oder Schuld so besessen bin. Ich fürchte, ich bin einfach nur ein guter, alter katholischer Junge. Nein, falsch, ein schlechter, haha. (Süddeutsche Zeitung, 13. April 1999)“ S. 124

Fazit: Das Buch lässt sich aufgrund seiner geringen Seitenzahl (138 Seiten) relativ schnell lesen. Da werden gesammelte Zitate aneinandergereiht und am Ende verfliegt die Wirkung wieder. Man sollte generell Aussagen nicht aus dem Zusammenhang reißen. Aber wie schon eingangs erwähnt, gehört „In eigenen Worten“ zu meinen ersten Büchern über Bruce Springsteen. Hier überwiegt auch wie bei Julia Edenhofers Buch der Nostalgiefaktor, aber der mündige Leser und Springsteen-Fan wird sicher eine geordnete Übersicht seiner wichtigsten Aussagen schätzen. Das Buch ist kein sogenanntes „Must-Have“, aber es im Regal zu haben, ist auch nicht verkehrt.

Und weil Wolfgang Niedecken (und auch ich) das Video zu „Hungry Heart“ erwähnt hat, hier nun eines meiner liebsten Musikvideos von Bruce Springsteen:

An Bruce in den Straßen von Berlin kann ich mich nicht sattsehen und die Stimmung im Café Eckstein ist spürbar zum Greifen nah. Wie gern möchte ich Bruce Springsteen live in einer kleinen Spielstätte erleben.

Und außerdem… wenden wir das oben angeführte Zitat von Bruce Springsteen auf dieses Lied an: „Hungry Heart“ ist in seinem scheinbar seichten Pop-Gewand ein ernsthaftes, teilweise trauriges Lied. Lassen wir den Refrain, der eh nur zum Mitsingen da ist, weg und konzentrieren wir uns auf den Text. Dann kommt etwas  ganz anderes heraus.

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