You Can’t Judge A Book By The Cover # 14: Bobby Jean (Pseudonym) „Talk About A Dream, Try To Make It Real – Mit Springsteen-Songs durch New York“

bruce_books00Als ich im Frühjahr 1995 in Bruce Springsteens Musik hinabtauchte, war ich die ersten Jahre allein mit ihm. Die erste Person, mit der ich mich auf einer höheren Ebene über Bruce Springsteen austauschen konnte, nannte sich „Bobby Jean“. (Ihren Vor- und Nachnamen weiß ich, möchte sie aber – um ihre Privatsphäre zu respektieren – nicht ungefragt veröffentlichen.) Sie entdeckte mich Ende 1999/Anfang 2000 in einer Chatplattform namens „EdenCity“. Ich nannte mich „Badlands w17“ und sie schrieb mich mit „[…] I wanna find one face that ain’t looking through me/ I wanna find one place, I wanna spit in the face of these…“ an. Endlich eine, die die Zeichen richtig erkannte, nachdem ich von sehr vielen Trekkies angetextet wurde. (Ich wusste bis dato nicht, dass „Badlands“ auch etwas mit „Star Trek“ zu tun hat. Örgks!) Daraus entstand ein netter E-Mail-Kontakt und ihr habe ich es auch zu verdanken, dass ich auf stonepony.de gestoßen bin, dessen Forum ich mehr als 15 Jahren treu bin und nach wie vor auch meinen Senf dazugebe.

„Bobby Jean“ konnte sich ihren Traum erfüllen, Bruce Springsteen and the E Street Band im New Yorker Madison Square Garden zu erleben. Bei ihrem Konzert am 15. Juni 2000 wurde sogar ihr Lied gespielt, das keinen Fixplatz in der Setliste hatte.

Schwer beeindruckt von ihrem Erlebnis, beschloss „Bobby Jean“, ihre Erinnerungen in einem Buch zu veröffentlichen und natürlich hatte ich auch sehr großes Interesse daran. Das Internet war noch spärlich ausgestattet und Klein-Sori (Naja, sie hat zwar schon das 18. Lebensjahr vollendet, wartete aber immer noch auf ihr erstes Springsteen-Konzert.) lechzte nach alles Lesbare, was mit Bruce Springsteen zu tun hat. Und eine Reise in die USA, um Bruce Springsteen live zu erleben, verglich sie wie einen Flug zum Mond.

Mit dem Erwerb des Buches bekam ich netterweise mein allererstes Bootleg geschenkt.

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Zum Buch:

Wie schon oben erwähnt, handelt es sich um den persönlichen Reisebericht von „Bobby Jean“, die mit ihrem Gatten, der auch ein leidenschaftlicher Springsteen-Fan ist, für ein paar Tage in New York war.

Der Bericht ist in Tagebuchform abgefasst und erhebt keine Ansprüche auf höchstes literarisches Niveau, doch gelingt es „Bobby Jean“, uns Springsteen-Fans mit ihren Worten und Gedanken zu fühlen. Mich berührt die Stelle am meisten, als „Bobby Jean“ von ihrem Ausflug nach Coney Island berichtete. Dagegen schmunzeln musste ich, dass sie auch einen Blick im „Trump Tower“ werfen musste, um sich überzeugen zu müssen, dass dort tatsächlich ein parfümierter Wasserfall rauscht. Was ginge ihr durch den Kopf, hätte mensch ihr gesagt, dass dieser Typ sechzehn Jahre später der Präsident der USA sein wird?

Einen hohen Wiedererkennungswert hat der Reisebericht, als „Bobby Jean“ von Begegnungen mit anderen Springsteen-Fans erzählt. Wenn ich mich an meine Städtereisen erinnere, um den Boss live sehen zu wollen, gehörten solche Begegnungen zur Tagesordnung.

Um dem Untertitel „Mit Springsteen-Songs durch New York“ gerecht zu werden, hat „Bobby Jean“ ihre Worte mit passenden Zitaten aus dem Springsteenschen Liederfundus garniert.

Zum Konzert am 15. Juni 2000 selbst schrieb sie nicht viel, doch genug, um in die Atmosphäre eintauchen zu können. Mir gefiel vor allem der Anfang sehr gut, als sie das Erscheinen der einzelnen Mitglieder der E Street Band und schließlich Bruce selbst beschrieb. Ich fühlte jedes Wort mit jeder Faser… dieses Gefühl kennt jede/r, die/der mindestens einmal ein Konzert von Bruce Springsteen und der E Street Band besucht hat und von diesem Erlebnis zehrt.

Dem Reisebericht hat „Bobby Jean“ auch mit schönen Fotos und vielen lokalen Zeitungsausschnitten beigefügt, die die heftige Diskussion zum Lied „American Skin (41 Shots)“ sehr gut veranschaulichen.

Und, wer hätte das gedacht, dass dieses Hintergrundthema auch nach 20 Jahren immer noch aktuell ist?

Aber der Name „Bobby Jean“ ist auch Schicksal und unser Kontakt schlief ein. Doch denke ich gelegentlich an B. und ich möchte ihr ganz herzlich danken für die Weiterleitung und Erweiterung in meinem Springsteen-Universum. Von ihr erhielt ich auch den Tipp, mir das Buch „Bruce Springsteen – In eigenen Worten“ zu Gemüte zu führen und um Christopher Sandfords „Point Blank“ eher einen großen Bogen zu machen, was ich immer noch beherzige.

Zum Bootleg:

Ein paar Worte müssen sein. Schließlich handelt es sich um meine allererste inoffizielle Liveaufnahme, in Kennerkreisen auch „Bootleg“ genannt.

Die Kassette enthält ein Teil des Mitschnittes vom Konzert am 1. Juli 2000 im New Yorker Madison Square Garden. Nach fast 20 Jahren läuft das Ding immer noch problemlos und es ist immer wieder ein Genuss, das ungefilterte „Code Of Silence“ rocken und rotzen zu hören.

Mittlerweile gibt es zwar eine pipifeine Aufnahme des gesamten Konzerts auf live.brucespringsteen.net, doch meine verkrüppelten Gehörschnecken pfeifen darauf.

Wissen Sie, ich war unter anderem auch am 31. Juli 2016 in Zürich. Bevor ich die offizielle Aufnahme auf oben genannter Seite erstehen konnte, lud ich mir aus dem Dschungel einen sehr guten Mitschnitt herunter. Es war so schön, das Publikum bei „None But The Brave“ singen zu hören. Und genau dieser Chor fehlte völlig bei der ach so sauberen Aufnahme.

Nicht, dass ich die offiziellen Liveaufnahmen madig machen möchte, aber manche (leider inoffiziellen) Aufnahmen aus dem Publikum finde ich einfach natürlicher und weniger steril. Sie geben das Gefühl, mittendrin im Konzert, dem Geschehen näher dran zu sein als dies bei einer glattpolierten, offiziellen Produktion gelingt.

(Bitte achten Sie auf Bruce Springsteens Gesichtsausdruck, während er die Bühne betritt!)

There’s a code of silence that we don’t dare speak
There’s a wall between us and a river so deep
We keep pretending that there’s nothing wrong
But there’s a code of silence and it can’t go on […]

Bruce Springsteen/Joe Grushecky „Code Of Silence“

3 Kommentare

  1. Über Bruce Springsteen gibt es halt viel Übertreibung. Aber eines kann man lassen, dass einer, der mit Mitte zwanzig das Gefühl besang, nicht mehr richtig jung zu sein, in Würde gealtert ist.

    1. Danke für die schönen Worte! Und ja, Bruce Springsteen ist es gelungen, mit mittlerweile 71 Lenzen nicht wie ein abgetakelter Rockstar auszusehen, sondern nach wie vor den bodenständigen Musiker, der sich nun schrittweise auf sein Altenteil zurückzieht, zu geben.
      (Es fällt mir in Zeiten wie diese schwer, daran zu glauben, ihn noch einmal live in Europa live zu erleben, aber die Hoffnung stirbt zuletzt…)

      Liebe Grüße aus dem Risikogebiet Wien,

      S.

      1. Ich bin nichts so ein grosser Springsteen-Fan wie Du. Aber es würde mich freuen, wenn Du nochmals erlebst, wie er alle grossen Nummern aus seiner eigenen Rockgeschichte präsentiert.

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