29.08.2020 – DENK auf der Donaubühne Tulln oder Mit einem Fuß in den Herbst

Nach langer Funkstille meldete sich M. wieder bei mir und bot mir an, mit ihm nach Tulln zu DENK zu fahren.

Für diese gratis Konzertreihe mit freier Platzwahl mussten seit heuer Zählkarten vergeben werden und theoretisch hätten wir dann die uns zugewiesenen Plätze einnehmen sollen.

Vor dem Konzert gab es noch ein nettes Wiedersehen mit anderen DENK-Fans und kurz nach 20 Uhr legte DENK mit „Mei Partie“ los. Da das Lied zu meinen Lieblingen gehört, schmetterte ich aus vollem Halse mit, doch musste ich aufgrund der beträchtlichen Entfernung zwischen Bühne und Ufer (auch hier schon erwähnt) und der weiteren Entfernung zwischen Sitzreihen und mir (wir saßen in der letzten Reihe) feststellen, dass der Klang etwas leiser herüberkam und ich meine absolut fürchterliche Singstimme im Zaum halten musste.

Da die Sitzreihen nicht bis auf den letzten Platz besetzt waren, rückten Konzertfreunde B & G ein paar Plätze weiter zu uns. Und weil ich nicht vorgehabt hatte, über dieses Konzert zu schreiben, verzeihen Sie mir, dass ich mich zwar daran erinnern kann, welche Lieder gespielt wurden, aber nicht an die Reihenfolge.

Seit 2000 im Dienste der Musik unterwegs, feiern DENK heuer ihr 20jähriges Jubiläum, dessen Reigen sie natürlich nicht im März, wie eigentlich geplant, eröffnen konnten. Nachdem wir in der neuen Normalität schrittweise Fuß fassten, können nun DENK ihren Geburtstag mit einem neuen Programm zelebrieren.

So war ich trotzdem etwas überrascht, als ich „Aundas“ vernahm. Aber von DENK gibt es mittlerweile eine EP, fünf Studioalben, eine „Best of“ und zwei Livealben. Warum soll dann nicht ein Lied wie „Aundas“ gespielt werden?

Eine riesengroße Bühne für DENK, da können sich doch die Buben um Alexander Horstmann (Bassgitarre), Ludwig Ebner (elektrische Gitarre), Harald Wiesinger (Tasteninstrument) und Philipp „Disco“ Mayer (Schlagwerk) austoben und wir bekamen auf unseren Sitzplätzen zum Mitschwingen „Ned alla“ und „Star“. (Überhaupt, das Sitztanzen verlangt vieles ab. Vor allem, wenn mensch dazu gezwungen wird, nicht aufstehen zu dürfen. Und in Zeiten wie diese gibt es nun spezielle Regelungen für Veranstaltungen und da wird wirklich ein Unterschied daraus gemacht, ob es sich um eine Stehplatz- oder Sitzplatzveranstaltung handelt.)

Nach dem Klassiker „Denk amoi“ und der vergleichsweise jüngeren „Durch die Wüste“, ohne dass ich nicht im Stillen feststellen musste, dass die bisherige Setliste doch sehr „wüstenlastig“ ist, krachte „HOITS EICH AU!“ von der Donaubühne zum Publikum, zu mir.

Ich erwähnte oben die Kunst des Sitztanzens. Und bei diesem Lied, das ich auch schon SEIT JAHREN live nicht mehr gehört hatte, sitzen. Bleiben. Zu. Müssen. War wirklich brutal.

Also zuckte und wand ich mich auf dem Sitz, wie es nur ging und während ich beim Refrain eher mitschrie als mitsang – zum Glück war die Nummer LAUT genug – schoss mir ein unangenehmer Gedanke in den Kopf: „Wie oft wirst du es heuer noch erleben, bei Livemusik mitgehen zu können?“

Bis auf zwei Wirtshauskonzerte habe ich den Konzertsommer im Freien genossen. Mir war das Risiko nicht wert und ich denke auch nicht nur an mich, sondern auch an meine Eltern, Mitmenschen und ArbeitskollegInnen. Und der heurige Sommer in Wien ging nicht sehr sparsam mit Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel um, wofür ich die Stadt sehr liebe.

Doch wurde mir beim besten Teil des Konzerts bewusst, dass der Herbst naht und ich irgendwie nicht vorhabe, in dem bisher gewohnten Rhythmus auf Konzerte gehen zu wollen. Es ist nicht so, dass ich mich bis zum nächsten Frühjahr den Konzerten entsagen werde. Ich glaube, das kann ich einfach nicht. Außerdem habe ich noch ein paar Karten für die in den Herbst verschobenen Konzerte.

Zwar ließ ich schon das erste verschobene Konzert bewusst aus (DENK im Stadtsaal. Statt 30.03. am 09.08.), aber ich glaube nicht, ich bin mir nicht sicher, ob ich es mit den nächsten Konzerten genauso verfahren werde. Vermuten. Kurzfristig entscheiden. Ich kenne die Spielstätten. Bloß möchte ich mich nicht auf die weiteren, neuen Konzerttermine im Herbst festlegen. Ist mir auch wieder zu viel Eigenverantwortung.

Aber warum hatte ich plötzlich diesen bitteren Geschmack im Mund? Vom Bier, das ich mir kurz vor Konzertbeginn kaufte, kann das nicht kommen.

Mit „Cremeschnitten“ erinnert uns DENK an das kurze Wiederaufleben der Autokinos und nun war es an der Zeit, das leider – weil Doppelkonzert – verkürzte Programm zu beenden.

Heute nach einer Woche erinnere ich mich nicht mehr, was Birgit noch ansagte. Aber es fühlte sich nach der Hymne an. Ja, ich höre und sehe szenenhafte Bruchstücke vor mir. Birgit erwähnte das Wort „Hymne“. M, B & G und ich erhoben uns von unseren Plätzen. Forderten damit die OrdnerInnen heraus, die kurz zuvor sehr streng mit den Fans umgingen, die ihre Sitzplätze verließen und das Konzert lieber stehend genießen wollten. Doch dieses Mal ließen die OrdnerInnen uns in Ruhe.

Hand aufs Herz.

„Komplett out“.

Endlich durfte ich hüpfen und tanzen. Das herauslassen, was ich bei „Hoits eich au“ zurückhalten musste.

Und immer wieder ging ein Blitzen über den mittlerweile dunklen Himmel.

Birgit Denk und ihre Buben verabschiedeten sich von uns und kehrten doch zum Glück wieder auf die Bühne zurück.

Genau in diesem Moment fielen die ersten Regentropfen und ein Wolkenbruch ging über uns hernieder.

Ich werde den Anblick des hektischen Aufbruches unter den Leuten nie vergessen. Die wenigsten gingen nach vorne und tanzten zu „Wieda zwieda“ ausgelassen im Regen.

Doch selbst der heftige Regen hielt weder uns Fans noch DENK davon ab, zum Abschluss das berührende „Stö da vua“ erklingen zu lassen.

Ich musste einen dicken Kloß im Hals schlucken.

Fotos von Martin auf fotothutt.at

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