You Can’t Judge A Book By The Cover # 1: Julia Edenhofer „Bruce Springsteen – The Boss“

bruce_books00Nein, sori1982.wordpress.com wird kein weiterer Bücherblog. Davon gibt es unzählige im weltweiten Netz. Auch wenn ich eine leidenschaftliche Bücherleserin bin, sehe ich oft die Bibliothek vor lauter Büchern nicht. Deshalb folge ich auch nur zwei Bücherblogs und ich werde schon von ihren wunderbaren Rezensionen überwältigt, so dass ich erst recht nicht weiß, welches Buch ich mir als nächstes zu Gemüte führen soll.

Für eine Generell-Ein-Buch-Einmal-Leserin wie mich stellt sich auch die Frage: Lohnt sich die Anschaffung eines weiteren Buches? Und dann, wohin damit? Nachdem mein Jugendzimmer in Erfurt nach und nach aufgelöst wird (und die Bücher natürlich in meiner Wiener Wohnung landen), wird mir nun das Ausmaß bewusst, wie viele Bücher ich mir mittlerweile angesammelt habe. So startete ich vor wenigen Jahren das Projekt „Gelesene-Bücher-Noch-Einmal-Lesen“ und konnte schon einige Bücher aussortieren. Empfehlenswert sind die offenen Bücherschränke in Wien und die „Open-Book“-Zelle in Erfurt, dessen Angebote ich sehr gerne nutze. Neben dem Abarbeiten meiner imaginären „To-Read“-Liste konnte ich ein paar literarische Schätze entdecken.

Bevor mir jemand den Vorschlag macht, mir einen elektronischen „Reader“ zuzulegen: Ich gebe zu, mit dem Gedanken habe ich schon gespielt, aber ich habe wieder die Lust am Spiel verloren.

Zum Thema: Ich habe mein Vorhaben erst einmal für ein Jahr ausgelegt. Einmal im Monat kommt meine Rezension zu einem Buch über Bruce Springsteen.

Warum Bruce Springsteen?

Seit über 20 Jahren ist er nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Ich frag(t)e mich oft, warum ich ihm die Treue halte, warum ausgerechnet sein musikalisches Werk mir viel bedeutet und ob diese langjährige Beziehung irgendwann einmal enden würde. Jedenfalls genügt es mir nicht, nur die CDs zu hören und die dazugehörigen Texte zu lesen. Hier und da Ausschnitte aus MTV und VIVA zu sehen, war auch nicht hilfreich. Auf das erste Konzert musste ich noch ein paar Jahre warten, 13 weitere folgten in den nächsten 13 Jahren. So begann ich, mir nach und nach die Bücher über Bruce Springsteen zuzulegen. Einige von denen habe ich mehrmals gelesen und es wird mir dennoch nicht langweilig. Ich entdecke immer wieder etwas Neues und finde Antworten auf Fragen, die ich mir im Laufe der Zeit stelle.

Die Bücher sind für mich geeignete Mittel, die Person hinter dem Musiker näher kennenzulernen und die Sichtweise auf sein Liedgut zu erweitern. Die Druckwerke, die ich vorstellen werde, müssen nicht unbedingt meine liebsten Bücher über ihn sein. Einige sind englischsprachig verfasst, andere vielleicht mit Glück auf einem Flohmarkt zu finden.

Den Anfang macht das Buch, was ich als erstes über ihn las.

bruce_books01Mitte der 1990er Jahre war ich wieder in der Musikbibliothek in Gotha und in einem unscheinbaren Regal, etwas versteckt hinter den CDs und Kassetten, entdeckte ich das Buch von Julia Edenhofer. Ich befand mich noch in den Anfängen meines Fan-Daseins und freute mich, dass es überhaupt ein Buch über Bruce Springsteen gab. (Man bedenke, es gab kein Internet und ich hatte keinen Menschen um mich, mit dem ich über Bruce S. reden konnte.)

Ich lieh mir das Buch aus und es war rasch ausgelesen. Ich glaube mich zu erinnern, dass ich das Buch circa zwei Jahre später wieder aus derselben Musikbibliothek lieh. Im Jahr 2003, mittlerweile mit wenigen Springsteen-Büchern eingedeckt, kaufte ich aus Nostalgiegründen dieses Buch im „Marketplace“ des großen A.

Es ist die Nostalgie, der Erinnerungswert, welches das Buch versprüht, so dass es sich immer noch in meinem Regal befindet.

Schon zu Beginn des Buches erwähnt Julia Edenhofer, dass sie sich vergeblich um ein Interview mit dem Protagonisten bemüht hat und daher ihre Quellen aus anderen Druckwerken und Interviews bezieht. Am Schluss des Buches ist auch ein Quellennachweis angeführt. Dave Marshs „Born To Run“ dürfte der größte Lieferant sein.

Mit ihrem Buch versucht Edenhofer, die sich als leidenschaftlicher Fan von Bruce Springsteen deklariert, ein eher jüngeres Lesepublikum auf Bruce Springsteen schmackhaft zu machen und die Sprache driftet öfters in das Saloppe hinab. Teilweise werden „Fakten“ genannt, die sich inzwischen als nicht mehr belegbar herausstellen. Stammt der Name der „Castiles“ von einer Seifenmarke oder doch von einem Haarshampoo? Wieso wird unterlassen, dass David Sancious beim Ausscheiden aus der E Street Band Ernest „Boom“ Carter mitgenommen hat? Auch wird der Konflikt zwischen Bruce Springsteen und seinem Vater, Douglas Springsteen, öfters in einem übertriebenen Ausmaß beschrieben. Der Leser bekommt den Eindruck, dass die beiden sich regelrecht gehasst haben mussten. Aber mittlerweile sollte ein halbwegs gut belesener Springsteen-Fan wissen, dass die Erwähnungen der Autorin nicht in Stein gemeißelt sind. In meinen Augen unverzeihlich sind die falschen Namensbezeichnungen der Mitglieder der E Street Band und weiteren namhaften Künstlern, die die Musik von Bruce Springsteen beeinflusst haben.

Die Autorin war um die 40 Jahre alt, als sie dieses Buch schrieb, aber an manchen Stellen gewann ich den Eindruck, dass eine knapp 20jährige ihre Schwärmereien über Bruce Springsteen ausbreitet. Nein, ich will mir nicht vorschreiben, dass ich mit 40 meine Leidenschaft für Bruce Springsteens Musik auf ein entsprechendes Maß reduzieren soll, aber von einer Beinahe-Journalistin hätte ich mir etwas mehr Professionalität erwartet.

Absolut unerträglich ist die durchgehend fehlerhafte Bezeichnung von „Thunder Roads“ (sic!). Das geht gar nicht! Ganz und gar nicht!

Was mir nach wie vor an diesem Buch gut gefällt, sind die Besprechungen der einzelnen Studioalben und die groben Umrisse zu den einzelnen Liedern. Die Übersetzungen einzelner Textpassagen haben mich damals zum nochmaligen Lesen und Hinhorchen der Lieder animiert, insbesondere beim Album „Darkness On The Edge Of Town“.  Dagegen ist die lieblose Auflistung der Daten und Spielorte zu „Live/1975-85“ unnötig, weil diese Angaben auch im Beiheft dieser Box stehen. Aber das nächste Kapitel mit den doch recht plastischen Beschreibungen zu den offiziellen Musikvideos hat mich für das vorherige entschädigt.

Die Originalausgabe des Buches erschien 1987. So wurden auch alle Studioalben einschließlich „Tunnel Of Love“ besprochen und die damals bekannten, wichtigsten Ereignisse dargestellt. Auch erkannte Edenhofer richtig, dass „Tunnel Of Love“ ein gutes Stimmungsbild für Bruce Springsteens damalige Situation lieferte. An dieser Stelle endet auch der Hauptteil des Buches.

Fazit: 30 Jahre später braucht wirklich niemand dieses Buch. Aber wie eingangs erwähnt, steht dieses Buch aus Nostalgiegründen zwischen den anderen Büchern über Bruce Springsteen in meinem Regal.

Der Titel „You Can’t Judge A Book By The Cover“ ist wortwörtlich mit „Du kannst nicht ein Buch nach dem Umschlag beurteilen“ zu übersetzen. Der engere Sinn dieser Redewendung ist, dass man jemanden oder etwas nicht nach dem Äußeren beurteilen soll. (Quelle: https://englishlive.ef.com/de-de/blog/grammatik-und-vokabeln/15-gelaufige-englische-redewendungen-und-ausdrucke/ , Punkt 13)

7 Kommentare

  1. Liebe Sori,

    wie gesagt, ich war bereits sehr gespannt, wie die Andeutung gemeint war und nun freue ich mich ganz konkret über den Auftakt zu deiner neuen Serie. Bücher über Springsteen sind also das Thema. Prima! Und schön, jetzt zu wissen, dass das eine der Begleitmelodien zum gerade begonnenen Jahr sein wird!

    Du würdest schmunzeln, wenn du das Regalfach hier bei mir daheim sehen könntest, in dem meine Bruce-Bücher stehen. Nahezu identisch schaut das aus! :-) :-) :-)
    Das Buch, das du als Einstieg vorstellst, kenn‘ ich nicht, bzw. besitze ich nicht, nachdem ich es einmal in einem Antiquariat kurz in der Hand hatte und reingelesen habe. Das war ne Sprache, die mir zu platt war, nur gut, dass ich gar nicht so weit kam, das mit „Thunder Roads“ zu entdecken (man fragt sich ja auch: gab es da je ein Lektorat? Und wenn ja, hat man da einen Madonna-Fan rangelassen, der vom Boss keine Ahnung hat?).

    Aus Nostalgiegründen hätte ich es allerdings auch gern, so wie in der Bruce-Bibliothek auch noch anderes rumsteht, was in diese Rubrik fällt. Kurz: letztlich war’s dann doch verkehrt, es nicht zu kaufen.

    Übrigens: das peinlichste Fan-Utensil, das ich habe, soll ich dir das verraten??? Du sagst eh „ja“, und daher sag ich’s auch gleich: ein Nachtwäsche-Shirt mit einer Songzeile drauf. So passend zur Nacht und so. Wenn du errätst, welche Zeile, dann schick ich dir ein Foto von dem uralten Fetzchen, das ich zum Amüsement des Gatten immer noch trage!

    Liebe Grüße aus München
    Natascha

    PS: Du wirst dich während deiner neuen Serie auf diese langen Kommentare von mir einstellen müssen, das war dir hoffentlich klar. :-)

    1. „At night I go to bed but I just can’t sleep“?

      Ich freue mich,
      a) auf das E-Mail mit besagtem Foto und
      b) auf die nächsten Kommentare hier zu meiner Serie.

      Greetinx,

      S.

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