Aus meiner Musiksammlung: Bruce Springsteen „Hungry Heart“

Normalerweise hätte ich anlässlich Bruce Springsteens Geburtstag wieder eine Buchrezension aus der Reihe „You Can’t Judge A Book By The Cover“ präsentiert. Aber in diesem Jahr habe ich so gut wie kein Buch über Bruce Springsteen gelesen und mir fehlt auch die Motivation dazu. (Zwar kugeln auf meinem Laptop zwei verschiedene Rohfassungen herum, aber später. Jetzt nicht.)

Und es geht auch nicht um den 23. September, an dem Bruce Springsteen dieses Jahr seinen 72. Geburtstag feiert, sondern um den 9. Juli. 1995.

Ungefähr eine Woche vorher war ich mit meinen Eltern in Berlin, um den alljährlichen Pflichtbesuch bei den Großeltern zu absolvieren. Nebenbei nutzten wir die Gelegenheit, den verhüllten Reichstag zu bewundern.

Hätte ich gewusst, dass der Boss gar nicht so viel später in Berlin vorbeischauen würde… aber wer weiß, ob ich ihm so nahe gekommen wäre? Und ins Café Eckstein hätten mich meine Eltern auch nicht gelassen.

Vom Ganzen erfuhr ich aber auch erst im Nachhinein im „TREND-Magazin“, ein periodisches Druckwerk aus dem HERTIE-Kaufhaus, das gratis zu haben war und meine Eltern bei ihrem letzten Besuch mitgenommen hatten.

Am Erfurter Anger 1 stand nach der Wende das HERTIE-Kaufhaus, bis es noch vor der Jahrtausendwende schließen musste und die Bauarbeiten verwandelten das Haus in einen Einkaufstempel. (Aber bitte vergleichen Sie ihn nicht mit dem Berliner KaDeWe!)

Und ich blätterte beiläufig in dieses Magazin und kam aus dem Staunen nicht heraus, dass Bruce mit Porsche vor dem Brandenburger Tor ganzseitig abgebildet wurde. Zwei Seiten später entdeckte ich einen halbseitigen Artikel, der den 9. Juli 1995 protokollarisch darstellte. Ich habe diese Blätter immer noch und teile es gern mit Ihnen:

Neben MTV entdeckte ich den deutschen Musiksender VIVA. Bis auf die Schwätzereien von Bechtel, Opdenhövel, Raab & Co. sah ich den Sender auch gern. Besonders an frühen Sonntagabenden.

Da wurde die Reihe „JAM“ gezeigt. Einstündige Musikdokumentationen aus dem Hause DoRo. Ich kam schon in den Genuss von Roger Taylor (Queen), Rolling Stones, weißichnichtmehr.

Und „JAM“ widmete auch Bruce eine Folge.

Wissen Sie, mein Fandasein entwickelte sich Anfang 1995, als „Greatest Hits“ herauskam, auf MTV ein „Bruce-Springsteen-Weekend“ gezeigt wurde, im Sommer dann „Hungry Heart“ und diese Dokumentation auf „JAM“.

Der Sonntag, 27. August 1995 muss ein schöner Tag gewesen sein.

Und bevor ich diese Doku sah (und natürlich auf VHS aufzeichnete), kam vorher noch eine „Europa-Premiere“:

Ich hockte im Kinderzimmer vor meinem kleinen GRUNDIG und meine Augen mussten geleuchtet haben.

Da ist mein Lieblingssänger in meiner Lieblingsstadt. Und, meine Güte, ich fand ihn soooo sexy! Andere 12-, 13jährige heulten sich die Augen aus, weil ein gewisser Robbie W. Take That verlassen hat, das ich überhaupt nicht verstehen konnte. Aber Bruce… *schmacht* und ich beneidete die Mädls in der ersten Reihe, die Bruce zujubeln konnten und ganz besonders die eine im weißen Leiberl, die anschließend ein Bussi vom Boss bekam.

Und seitdem höre ich lieber die „Berlin ´95“-Version als das Original zu „Hungry Heart“. Und weil ich das Video schon unzählige Male gesehen habe, kann ich beim bloßen Anhören meiner bevorzugten Version die Bilder aus dem Video vor mir sehen.

Und wiederum ein paar Monate später kaufte mir meine Mama im HERTIE-Warenhaus (!) die Maxi-CD.

Die CD-Single enthält fünf Lieder. Die Originalversion und die Berliner Version von „Hungry Heart“, zusätzlich die Mitschnitte von „Streets Of Philadelphia“, „Thunder Road“ und „Murder Inc.“ aus den Sony Studios, als Bruce Springsteen am 4. April 1995 mit der E Street Band auftrat.

Neben der Berliner Version gefiel mir die Liveversion von „Streets Of Philadelphia“ ausnehmend gut. Ich hatte bis dato eine eher ambivalente Beziehung zu diesem Lied, weil es einfach ein Lied war, das alle mochten, aber ansonsten „Bruce Springsteen, hä?“. Mich hat der damalige Hype um dieses Lied irritiert, aber die Aufnahme mit der E Street Band versöhnte mich ein wenig mit diesem Lied.

„Thunder Road“: Aus unerklärlichen Gründen hatte ich erst am 25. Juni 2003 mein Erweckungserlebnis mit diesem Lied. Mittlerweile mag ich es. Ist zwar nicht die beste Liveversion, aber sie ist gut.

„Murder Incorporated“: Falls Sie im Absatz oben den Link angeklickt haben, werden Sie auch sicher wissen, dass ich für jede Liveversion von diesem Lied dankbar bin. (Umso schöner war es, als ich das Lied zum ersten Mal live am 7. Juli 2013 hörte.)

Aber konzentrieren wir uns auf das Wesentliche. Ich schrieb schon viele Zeilen weiter oben, dass meine Augen bei der Europapremiere geleuchtet haben mussten.

Bruce hockt vor einem Baum im Tiergarten. Bruce spaziert durch Berlin. Bruce fährt mit einem offenen Porsche durch den Brandenburger Tor. Und rockt mit „Wulfgäng“ in einem Ostberliner Lokal. (Das Café Eckstein gibt es nicht mehr. Es heißt nun Café Butter und macht als Pilgerstätte für Springsteen-Fans nicht viel her. Ein ähnliches Schicksal hat auch die Radrennbahn Weißensee.)

Der Mann war menschlich. Natürlich. Gefilmt wurde in einer realistischen Umgebung. Keine filmischen Spezialeffekte. Es war einfach Bruce pur!

Und es gehört heute noch zu meinen liebsten Musikvideos von Bruce Springsteen.

Für die Maxi-CD gab es auch eine limitierte Auflage mit der VHS zu den Dreharbeiten und kompletten Konzert. Jahre später lud ich mir aus einer vertrauten Quelle diese VHS-Aufnahme herunter und brannte sie auf DVD.

Es macht mir noch heute Spaß zu sehen, wie Bruce mit der Leopardefellband jammt. Ich hatte einmal den Traum, Bruce Springsteen in einem kleinen Lokal rocken zu sehen. Er wird nie in Erfüllung gehen, aber ich erinnere mich noch gern an meine kindliche Begeisterung für das Lied. Wobei natürlich „Kenner“ diese Version und vor allem dessen Produktion bemängeln, das im folgenden Link gut nachzulesen ist: https://www.greasylake.org/the-circuit/index.php?/topic/74547-question-about-the-hungry-heart-single-from-1995/

Aber mir ist das herzlich egal. Ich schaue mir das Video an und schon geht’s mir gut:

[Rohfassung geschrieben am 9. Juli 2021.]

5 Kommentare

  1. Schöne Erinnerung. Ich weiß noch, dass die Videoaufnahmen damals bei einem Berliner Radiosender angekündigt wurden. Ich wäre so gern einfach nach Berlin gefahren, aber es ließ sich einfach nicht einrichten. So blieben mir damals dann auch nur die TV-Bilder.
    Von „Murder Inc.“ habe ich noch eine Single CD. Die enthält aber nur die Studio-Aufnahme als einzigen Track. Könnte ein Promo-Exemplar zu den „Greatest Hits“ gewesen sein, da bin ich aber nicht sicher.

    Liebe Grüße nach Wien.

    1. Ich habe dann viele Jahre später dank Forum und auch eines Fan-Magazins erfahren, wie die Geschichte am 9. Juli 1995 zustande kam. Es muss für die dabei gewesenen Fans eine schräge Aktion, aber auch ein besonderes Erlebnis gewesen sein.

      „Murder Inc.“ ist einfach eines der Lieder, die ich in jeder der mir bekannten Version hören kann. Ich drücke die Nummer nie weg, wenn sie dran ist ;-)

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