Eine (wieder) etwas andere Buchempfehlung: Ilka Dick „Tod zwischen den Meeren“

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Was das Telefonclip (links) und das Minimikrofon (rechts) mit dem Buch zu tun haben, werden Sie im folgenden Beitrag herausfinden:

Schon in diesem Beitrag erwähnte ich, dass ich mich auf die Fortsetzung freue. Nun ist sie da und normalerweise gebe ich meinen kürzlich erworbenen Büchern immer etwas Zeit zum Eingewöhnen in meinem Bücherregal, aber dieses Buch musste so bald wie möglich in die Hand genommen und gelesen werden.

Generell haben Nachfolger einen schweren Stand, weil sie die Erwartungen an den Vorgänger erfüllen, manchmal sogar übertrumpfen müssen und ich hatte ziemlich hohe Erwartungen an „Tod zwischen den Meeren“.

Nachdem die Protagonistin Marlene Louven in „Der stille Koog“ mehr oder weniger durch Zufall in einen Mordfall geraten ist, kehrt sie im aktuellen Krimi in den Dienst bei der Kripo Schleswig zurück. Auch aus diesem Anlass errichtet ihr Arbeitgeber eine Abteilung für ungeklärte Mord- und Vermisstenfälle, die von der Landeshauptstadt teilweise ausgelagert wurde. Marlenes neues Aufgabengebiet sieht ein Gleichgewicht von Schreibtischarbeit und Außendienst vor, ideal für eine Kriminalhauptkommissarin, die sich noch an das neue Hören mit den Cochlea-Implantaten gewöhnen muss.

Als Kollege wird ihr Simon Fährmann zugeteilt, der mir im Laufe der nächsten Seiten sehr sympathisch wurde. An ihm schätze ich seine unaufgeregte Art, mit Marlenes anderem Hören umzugehen. Natürlich ist er hin und wieder unaufmerksam, aber ich mag seine typisch gewordene Geste, Marlene vorher am Arm zu berühren, wenn er etwas sagen möchte, während Marlene und er sich im Gespräch mit anderen Menschen befinden.

Wie schon oben erwähnt, stoßen Marlene und Simon auf ein sogenanntes „cold case“. Wenige Jahre zuvor verschwand eine Frau auf der Insel Amrum spurlos und die damaligen Ermittlungsarbeiten der Polizei verliefen im Sand.

Doch Marlene und Simon entdecken bisher übersehene Details und rollen den Fall neu auf. Somit ist es nicht mehr bei einer ruhigen Schreibtischarbeit getan, Marlene kommt wieder unter Menschen, telefoniert mithilfe des von mir vertrauten Telefonclips und muss nach wie vor sehr viel Aufklärungsarbeit zu den CI und den Zusatzgeräten betreiben. Bei letzterem finde ich mich in ähnlich erlebten Situationen wieder, als ich bei meinem Mini-Mikrofon auch viel Rechtfertigungsarbeit leisten musste. („Es handelt sich um kein Aufnahmegerät!“ wurde zu einem Standardsatz von mir, wenn ich jemand mit dem Mikrofon attackieren wollte.)

Im Vergleich zum vorherigen Krimi stelle ich fest, dass Marlene mit ihrem neuen Hören besser zurechtkommt und sowohl die Missverständnisse als auch die Ermüdungserscheinungen immer weniger werden. Doch auch hier gelingt es Ilka Dick sehr gut, Passagen einzubauen, wie Marlene nun das neue Hören wahrnimmt und vormals banale Dinge in der Welt der Hörenden werden aus einer neuen Perspektive betrachtet.

Ich erlaube mir, eine meiner liebsten Absätze hier zu zitieren, denn auf Seite 110 entdeckte ich den Klassiker:

„[…] Die Tür zum Nebenraum öffnete sich und Simon kam herein, in der Hand ein Blatt Papier und eine Packung veganes Gebäck. Mit vollem Mund begann er zu reden: „… ist der Dur… uss, Bischoff hat…“ „Simon!“, fuhr Marlene dazwischen. „So verstehe ich kein Wort. Kannst du bitte erst aufessen?“ […]“

Aber, hihi, wir sind auch nur Menschen, als ich auf Seite 200 kam und Ilka Dick beschreibt eine Szene, in der Marlene in ein Croissant biss und mit vollem Mund eine Frage an Simon stellte.

Wurde „Tod zwischen den Meeren“ meinen Erwartungen gerecht? Ich vertraute sowieso darauf, dass die Erlebnisse einer Andershörenden wieder sehr gut und nachvollziehbar beschrieben wurden, aber es ging mir auch nicht nur um Marlene Louven, sondern um den Krimi selbst. Ich erwähnte schon, dass mir „Der stille Koog“ von der Handlung her sehr gut gefallen hat und ich den Schluss für gelungen halte.

Ilka Dick ist mit ihrem aktuellen Krimi wieder eine sehr fesselnde Lektüre gelungen, mit den zeitlichen Verschiebungen und den Gedanken einer anfangs noch unbekannten Person zwischen den Kapiteln kam ich gut zurecht und sie verloren auch nicht an Spannung. Im Gegenteil, sie verstärkten diese sogar und die Leserin kommt nicht drumherum, als miträtseln, mithoffen zu wollen, wie die Geschichte nun ausgeht.

Gegenüber dem Vorgänger ist „Tod zwischen den Meeren“ eine Spur härter geworden, ab der zweiten Hälfte litt ich regelrecht mit, im letzten Drittel ahnte ich nun, wer dahinterstecken könnte und der Schluss stimmte mich zufrieden.

Wer gern gute Krimis liest, sich gedanklich an der rauen Nordsee aufhalten und in Situationen einer Hörbeeinträchtigten einfinden möchte, hat mit „Tod zwischen den Meeren“ die ideale Lektüre.

Selbst wenn Marlene Louven mit den CI versorgt wird und ich „nur“ Hörgeräte trage, entdecke ich in den beiden Krimis viele Parallelen zu mir. Ich verdiene kein Geld mit meinen Blogeinträgen, aber ich mache gern Werbung für Ilka Dick. Von den wenigen Romanen über schwerhörige Personen, die ich bisher gelesen habe, gebe ich die beiden Krimis von Ilka Dick gern als Referenzliteratur an, wenn sich jemand für schwerhörige Menschen interessiert. UND: Beide Romane haben nicht einmal 300 Seiten, was ich als Bücherfresserin natürlich ein bisschen bedaure, aber für die WenigleserInnen ist das eine nicht ganz so große Hürde, einen Blick in das Buch zu werfen!

Weiterführende Links:

https://www.emons-verlag.com/programm/tod-zwischen-den-meeren

https://www.mdr.de/selbstbestimmt/reportage/selbstbestimmt-ersatzteil-imkopf-cochlea-implantat-gehoerlos-100.html

7 Kommentare

  1. „Iss bitte erst auf!!!“ *ggg* Das muss ich meinem Mann erzählen. Ich sage es nie in genau diesen Worten, aber ich meine es manchmal!

    1. Mir ist dieser Satz auch oft herausgekommen. Es ist grausig genug, den Gesprächspartner auch noch beim Verteilen der Essensreste zusehen zu müssen.

  2. Super geschrieben Empfehlung! Ich habe dieses Buch auch gerade gelesen und ihr Vorgänger natürlich ebenfalls, dies aber schon länger her.
    Ich finde, es ist Ilka sehr gut gelungen einen spannenden Thriller einfühlsam und mit technischem Wissen über Hörbeeinträchtigung und CI’s zu kombinieren.
    Ohne zu klagen oder zu urteilen, beschreibt sie sehr genau die Folgen einer Spätertaubung und das lernen wieder neu zu Hören, für sowohl die betroffene Marlene als auch für ihre Umgebung.

    1. Super, dass Du das Buch auch gelesen hast :-)
      Das sehe ich auch so und Ilka Dick beschreibt es auch mit den passenden Worten. Es kommt nicht fachtechnisch kompliziert, sondern sehr verständlich herüber.

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