25.10.2019 – Yet Another Floyd in der szene, Wien

20191026Nach mehr als zwei Jahren kehrten Yet Another Floyd wieder in die ((szene)) zurück. Hier berichtete ich über meine erste Begegnung mit der Tribute-Band aus Oberösterreich. Weil ich das Konzert in positiver Erinnerung behalten habe, freute ich mich auf eine weitere Gelegenheit und sah dem Freitag Abend mit Spannung entgegen:

Zwar nicht so überlaufen wie beim niederösterreichischen Pendanten Floyd Division, aber dennoch füllte sich der Saal in der ((szene)) mit KonzertbesucherInnen, als Yet Another Floyd den ersten Teil mit „Shine On You Crazy Diamond“ eröffneten. Im Vergleich zum letzten Konzert kam dieses Lied auch akustisch gut an und es war ein Erlebnis, wie die Musiker rund um Reinhard „Fussy“ Petershofer das Lied Melodie für Melodie, Takt für Takt zelebrierten. Ich schreibe von einem Erlebnis! Dennoch entging mir in den ruhigeren Momenten des Liedes nicht, wie ein nicht kleiner Teil des Publikums sich nicht die Mühe machte, zuzuhören, sondern unter sich plauderten, ab und zu hörte ich Gelächter.

Dennoch versuchte ich, das Publikum auszublenden und mich auf die Musik zu konzentrieren. Es ist zwar eine Musik, die ich nicht in- und auswendig kenne, ich bin keine „Floydianerin“, ich bedaure es, zu spät auf die Welt gekommen zu sein und die Gelegenheit verpasst zu haben, die halbwegs originale Besetzung rund um David Gilmour, Nick Mason und Richard Wright live zu erleben. Dafür bin ich umso dankbarer und freue mich, wenn ich für wenig Geld ein knapp dreistündiges Live-Konzert mit geübten Musikern, die mit großer Leidenschaft die Musik von Pink Floyd zelebrieren, erleben darf.

Aber ich bin nicht gut darin, das Drumherum auf Konzerten auszublenden. Ich kann es nicht. Und während oben auf der Bühne eines meiner liebsten Nummern, „Coming Back To Life“, gespielt wurde, bewegten sich vor mir ständig zwei Köpfe, die zu zwei jungen Madln gehörten, die unaufhörlich redeten. Ich kämpfte mit mir, ob ich sie höflich oder böse darauf hinweisen soll, dass sie ihre Unterhaltung doch bitte draußen fortsetzen mögen. Aber zu dem Zeitpunkt habe ich mein Ziel, mich pro Quartal bei soundsovielen Menschen unbeliebt zu machen, längst erreicht. So trat ich die Flucht an und verließ den akustisch besten Platz in der Mitte, etwas weiter hinten, beim Mischpult und verdrückte mich an die Wand zwischen den Türen. Dort war der Klang nicht mehr so gut, oft hörte ich ein Rauschen und ab und zu spürte ich die Wand vibrieren.

Aber die Lieder waren es wert. Und keine nervigen Lebensbeichten vor mir. (Ich hätte sie auch nicht verstanden, aber trotzdem. Ich hasse desinteressierte KonzertbesucherInnen.)

Nach „The Great Gig In The Sky“ hoben „High Hopes“ und „LEARNING TO FLY“ meine Stimmung, die bis zum Konzertende anhielt. (Und ich bin hin- und hergerissen, wer eigentlich die schönere Gesangsstimme hat. Reinhard selbst oder doch der Keyboarder Christian „Zast“ Schön, der mich an diesem Abend immer wieder überraschte.)

Nach „What Do You Want From Me“ gab es noch einen weiteren Höhepunkt vor der Pause: Das irre Lachen von Christian zwischen „Brain Damage“ und „Eclipse“ ließ mich regelrecht schaudern. Hui!

Nach der Pause kehrte ich wieder zum ursprünglichen Platz zurück, weil dort die Akustik (und auch die Sicht auf die Bühne) einfach besser ist. Da ging’s dann schon los mit „Sorrow“, der mir von allen Liedern an diesem Abend am tiefsten ins Ohr eingedrungen ist. (Und noch ein weiteres Lied aus der „A Momentary Lapse Of Reason“ – ich glaube, ich sollte mir das Album kaufen.)

Bis hierher habe ich nur die zwei Musiker Reinhard „Fussy“ Petershofer und Christian „Zast“ Schön erwähnt. Sie wirken vor allem durch ihre stimmliche Präsenz, aber auf die restlichen zehn (!) MusikerInnen wollen wir nicht vergessen: Der Saxophonist, dessen Namen ich leider nicht weiß, überzeugte schon mit seinem Solo in „Shine On“. Die Gitarristen Johnny Erler und Richard Zweimüller, die mit ihrem jeweiligen individuellen Saitenkünsten aber nie den anderen ausspielen. Der Bassist Rudi Straubinger, der auch mit seiner Stimme unterstützt, der Schlagzeuger Karl Stockinger und der Percussionist Wolfgang Auinger. Mit Franz Gangl haben wir noch einen weiteren Keyboarder und Martina Zeppetzauer, Ines Zeppetzauer und Ina Haslinger begleiten die Herren mit ihren Stimmen.

Bei „Hey You“ nahm Reinhard die Saiten in der Hand und überließ Christian den Gesang. „Another Brick In The Wall“ nahm das ganze Publikum ein, selbst die unaufmerksamsten Leute. Das geht ganz leicht, „We don’t need no education“ und „Hey! Teachers! Leave Them Kids Alone!“ zu schlachtrufen.

„Pigs“ mit Szenen aus dem Film „Animal Farm“ war eine weitere Überraschung und dank solcher Konzerte wird mir bewusst, wie vielseitig und experimentell die Musiker von Pink Floyd waren. Mit den Zugaben „Wish You Were Here“, „Comfortably Numb“ und „Run Like Hell“ entließen uns Yet Another Floyd in die Nacht auf den Nationalfeiertag.

Es war ein klasse Konzert, die MusikerInnen allesamt super drauf. Nur ein Teil des Publikums ließ zu wünschen übrig. Das beinahe permanente Gerede der Leute war teilweise unerträglich.

(Und ich als Andershörende frage mich immer, wie das eigentlich funktioniert? Miteinander reden, während die Musik von der Bühne schallt. Mir braucht keiner was ins Ohr reinzuschreien, verstehe ich eh sowieso nicht. Kann mir jemand bitte ernsthaft sagen, dass so etwas tatsächlich funktioniert.

Wenn ja, schön.

Aber dann schleicht’s Euch aus dem Saal!

Es ist den MusikerInnen gegenüber sowas von respektlos, wenn längere Unterhaltungen geführt werden, während sie ihren Job machen.)

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2 Kommentare

  1. Liebe Sori,

    auch ich als – eventuell schon mit einem leichten Rock-bedingten Hörschaden gesegneter – Normalhörender tue mich schwer damit, irgendwelche Kommunikationsversuche mitten im Song auch nur halbwegs gut zu verstehen … das Gehirn hat zwar enorme Fähigkeiten, aus wahrgenommenen Wortfetzen noch etwas sinnvolles zusammenzusetzen, aber meist gelingt der „Datenaustausch“ erst beim zweiten Versuch, wenn man nachfragt „HÄ?!“ und dann auf den Nachbarn konzentriert nochmals genau hinhört … aber eine Unterhaltung unter solchen Umständen kann ich mir nicht vorstellen – das wäre mir viel zu anstrengend …

    Grundsätzlich jedoch bin ich mit Dir ganz einer Meinung, daß solche Unterhaltungen im Konzert sowohl dem Künstler, als auch den umstehenden Konzertgängern gegenüber respektlos sind und einfach nur stören. Wer quasseln will, kann das bitte draußen tun, denn wer wirklich Interesse an der Musik hat, der quasselt nicht mittenrein … wobei ich nichts dagegen habe, zwischen den Songs kurz was zum gerade erlebten auszutauschen – aber wenn der neue Song beginnt, will ich ganz bei der Musik sein …

    Und gerade bei den Klangwelten von Pink Floyd – ich gestehe, ich habe auch nie so richtig den Zugang zu dieser Welt gefunden – sollte man ungestört eintauchen und wegdriften dürfen, den Klangrausch in vollen Zügen genießen können … daher kann ich irgendwie nicht so recht verstehen, warum solche Quasselstrippen ausgerechnet auf einen Pink Floyd Coverabend gehen … oder sind sie der Meinung:“Ist ja nur Cover, da darf man das … bei Gilmour & Co würde ich es nie wagen …“?

    Einmal mehr danke für’s mitnehmen in die reichhaltige Wiener Musik-((szene)) … Deine Worte und Bilder lassen den Abend vorm inneren Auge lebendig werden …!

    Ein lieber Gruß aus dem grau bewölkten Nordbaden!
    Spike

    1. Danke für Deine Worte!
      Mir passiert auch hin und wieder, dass ich mit meinen KonzertmitstreiterInnen kurz ein paar Worte oder Zeichen, meistens während zwischen den Liedern, wechsle. Wobei es mit Zeichen besser funktioniert *lach*

      Aber die Quasselstrippen auf den Konzerten werden wohl nie aussterben bzw. bilde ich mir ein, dass ich sie geradezu magnetisch anziehe.

      Dennoch gebe ich die Hoffnung nie auf und ich erlebe auch immer wieder Konzerte, wo das gesamte Publikum bei der Musik abgeht.

      Ich wünsche Dir auch viel Spaß heute Abend im Kino und schicke Dir liebe Grüße,

      S.

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