bruce_books00Als gegen Ende der 1980er Jahre ruhig um Bruce Springsteen wurde, begann Marc Eliot mit tatkräftiger Unterstützung von Mike Appel, an diesem Buch zu arbeiten. Nach zweijähriger Recherche wurde das Buch im Sommer 1992 erstveröffentlicht. Man mag darüber spekulieren, ob der Zeitpunkt absichtlich gewählt oder nur purer Zufall war.

Im Klappentext steht: „[…] the book Bruce Springsteen hoped would never be written.“

Mike Appel war der Mann, der Bruce Springsteen „offiziell“ entdeckte und ihn zur Plattenfirma brachte. Darüber hinaus wurde er auch sein Freund, Manager und Produzent.

In der Einleitung beteuert der Autor Marc Eliot, dass er gar nicht beabsichtige, eine Art Schmutzkübelkampagne gegen Bruce Springsteen zu führen, da er doch einen gewissen Respekt vor seinem musikalischen Schaffen hege. Dennoch möchte er die andere Seite beleuchten, die von tragischen, schicksalhaften Wendungen überschattet wurde. Doch am Schluss des Vorwortes wird es eindeutig, dass das Buch auch als eine Art Retourkutsche zu Dave Marshs Biografie „Born To Run“ dienen soll. Eher Ikonograph als Biograph (Zitat Rob Kirkpatrick aus „Magic In The Night – The Words And Music Of Bruce Springsteen“), ging Marsh in seinem Werk recht einseitig zum Thema Mike Appel vor, während Eliot sich auf verschiedene Fakten und nachweisbaren Quellen berufen durfte.

Schon zu Beginn des ersten Kapitels werden Widersprüche in den Aussagen, Eindrücken, Erinnerungen zwischen Bruce Springsteen und Mike Appel aufgezeigt, wobei Marc Eliot neben Mike Appel weitere Interviewpartner für sein Buch gewinnen konnte. Es handeln sich unter anderem um Vini Lopez (erster Schlagzeuger der E Street Band), Ken Viola (Herausgeber des Bruce-Springsteen-Fan-Magazins „Thunder Road“) und Leonard Marks (Anwalt von Mike Appel während des Klagsverfahrens).

In diesem Buch bekommt der Leser einen, nun mehr breit gefächerten Eindruck, wie es eigentlich zur Vertragsunterzeichnung, zur Freundschaft, zum Abhängigkeitsverhältnis, zur Entfremdung und nun zum Gerichtsverfahren kam. Die Aussagen Appels kommen glaubwürdig herüber, ich habe keine einzige Sekunde an seine Worte gezweifelt. Er war der erste, der an Bruce Springsteen glaubte. Er gab ihn auch nicht auf, als die Plattenfirma CBS ihn nach den ersten beiden Alben beinahe abgeschrieben hatte. Leider pflegte Mike Appel eine sehr direkte und weniger diplomatische Art, womit er sich keine Freunde machte. Daran scheiterte seine Person.

Nicht unwesentlich ist die kritische Haltung, die der Autor gegenüber Jon Landau hegt. In diesem Buch wird Landau als einer beschrieben, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Der rechtzeitig auf den fahrenden Zug aufsprang und in Richtung „Rock and Roll future“ fuhr. Fast könnte man meinen, dass der Autor in Landau die Wurzel allen Übels sieht.

Zusammenfassend ist die Angelegenheit als eine Verkettung schicksalhafter Wendungen und (un)glücklicher Umstände zu sehen. Wobei Mike Appel eine tragische Rolle verkörpert.

bruce_books11Kapitel 14 dürfte das interessanteste Kapitel des Buches sein, das man auch unabhängig von den restlichen Seiten lesen kann. Die wörtliche Wiedergabe der Zeugenaussagen beim Gerichtsverfahren. Und Bruce Springsteen macht dabei, milde ausgedrückt, keine glückliche Figur.

„You can put a curtain in a whorehouse and it’s still a whorehouse.“ (Zeugenaussage Bruce Springsteens am 16. August 1976 zu den vergeblichen Bemühungen Mike Appels, einen schlecht beschallten Saal mit Schaum abzudämmen.)

Das langwierige Verfahren wurde schließlich mit einer außergerichtlichen Einigung beendet, wobei Mike Appel eigentlich gut ausstieg. Zwar durfte Bruce Springsteen mit einem anderen Produzenten (hier: Jon Landau) in ein Studio gehen und weitere Alben aufnehmen, dennoch behielt Appel die Rechte an die ersten drei Alben, aber sein Ruf in der Musikbranche war endgültig hin. 1983 tauchte Mike Appels Pechsträhne wieder auf, als er nach einer finanziellen Fehlinvestition… der Rest ist im Buch nachzulesen.

Ein spannendes, gut recherchiertes Werk. Ein Leckerbissen für die Anti-Springsteen-Fraktion.

Und eine Pflichtlektüre für jeden Springsteen-Fan!

Als geeignete musikalische Untermalung kommt nur „The Promise“ in Frage. Zu diesem Lied werden viele Anekdoten erzählt. Ein Lied über Vertrauensbruch. Das Ergebnis des Rechtsstreites. Wurde in letzter Minute aus dem 1978 erscheinenden Album „Darkness On The Edge Of Town“ gestrichen. Weil. Oder auch gerade deswegen. Obwohl Bruce Springsteen bis heute gern abstreitet, dass das Lied mit dem Gerichtsverfahren zu tun hat. (Meine persönliche Meinung: Bruce Springsteen wurde schon zu dieser Zeit bewusst, dass er auch nicht ganz unschuldig an der Angelegenheit ist und möchte nicht mit der offiziellen Veröffentlichung dieses Liedes seinen einstigen Mentor noch mehr diskreditieren.) Offiziell erschien „The Promise“ zum ersten Mal auf „18 Tracks“ (1999).

Doch fiel es mir schwer, mich für eine Version zu entscheiden. Die Piano-Version, die ich am 7. Juni 2012 im Mailänder San Siro erlebt habe oder das mittlerweile offizielle aus dem New Yorker Madison Square Garden, anno 2000? Schlussendlich fiel meine Wahl auf die sogenannte „Full Band Version“ mit Unterstützung von David Lindley an der Geige. Ein Augenschmaus, wie die Mitglieder der E Street Band so hochkonzentriert ans Werk gehen:

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