08.10.2018 – Steinbäcker im Circus Krone, München

tixGleich vorneweg, ich wollte nicht so recht auf ein weiteres Konzert von Steinbäcker gehen. Nicht weil mir das Konzert im Wiener Metropol nicht gefallen hat. Im Gegenteil! Aber ich dachte mir, sollte ich mir eine Art Wiederholung gönnen, dann wird es das letzte Konzert sein und es muss in einer schönen Veranstaltungsstätte stattfinden. Bis dato waren nur die Termine in Österreich bekannt, die Konzerte in Deutschland standen noch aus und ich wünschte mir im Stillen die Münchner Circus Krone. DAS wäre doch etwas! Am 15. Dezember 2017 erfüllte sich mein Wunsch, ich kaufte mir bewusst eine Karte in der dritten Reihe (obwohl in Reihe 1 noch viele Plätze frei waren, aber das ist einfach nackenschonender) und ich schwöre mir, dass ich NIE WIEDER zu Oktoberfestzeiten nach München reisen werde. (An das hatte ich vorher gar nicht gedacht und ich lobe die sehr intelligente Planung des Konzertveranstalters „Stimmen der Welt“.)

Nach Stärkung und Vorglühen in einem „Augustiner“-Lokal marschierten Spike und ich über die Hackerbrücke zum Circus-Krone-Bau und das Wiedersehen mit Marion & Douglas nach sieben Jahren bewegte mich sehr. Während der Zeit, als der Kontakt nach und nach einschlief, hörte ich nie auf, an ihre Gastfreundschaft, an die gemeinsam besuchten STS-Konzerte und an die Treffen in Erfurt zu denken. Ich bin zwar erst 36, aber ich weiß jetzt schon, dass Marion & Douglas zu den Menschen gehören, die einen fixen Platz in meinem Herzen haben. (Liest sich zwar abgedroschen an, aber ich glaube, die Liebeserklärung an Euch ist längst überfällig…)

Dann waren es nur noch wenige Minuten bis zum eigentlichen Höhepunkt.

Begeistert von der Atmosphäre im Circus-Krone-Bau, sah ich nun meinem letzten Konzert mit Freude und Spannung entgegen. „Ist die Sori sich wirklich sicher mit dem letzten Konzert? Sie könnte noch im Dezember in die Wiener Stadthalle gehen oder im Mai 2019 ein Nachholkonzert besuchen.“ Ja, könnte ich machen. Aber München ist ein geeigneter Ort, um den Kreis zu schließen. STS verdanke ich meiner ersten großen Liebe, den ich vorher im Internet kennenlernte und wir sahen uns das erste Mal persönlich in München. In München habe ich auch viele schöne Konzerte erlebt und mittlerweile mag ich die Stadt.

Kurz nach 20 Uhr betraten Erich Buchebner und Maria Ma die Bühne. Buchebner, ein versierter Studio- und Livemusiker an der Bassgitarre, begleitete Maria Ma, bis vor eineinhalb Jahren ein dem Großteil der Musikhörerschaft unbekannter Name, am Hackbrett. Das Intro hat für meinen Geschmack etwas zu lang gedauert. Ein, zwei Minuten weniger hätten die würzige Kombination aus wummerndem Bass und lieblicher Melodie perfekt dosiert.

Nun kamen Gerd Wennemuth, Franz Zettl, Ulli Bäer und Gert Steinbäcker dazu und sie legten mit „Zeig‘ mir dein Himmel“ los. Im Vergleich zum Konzert im Wiener Metropol hatte ich dieses Mal einen optimalen Platz und somit einen zentralen Blick auf die Bühne. Ich stellte bewusst fest, dass der markante Schnauzbart von Steinbäcker in Würde ergraut ist. Dabei war er mal richtig buschig und… schwarz! Und mit dem Lied verbinde ich so viele Bilder, Erinnerungen, Momente, die mich wieder überfielen. Dennoch war lautes und vor allem leidenschaftliches Mitsingen angesagt. Zum Glück war Steinbäcker stimmlich wieder sehr gut drauf, nachdem er die Woche zuvor seine Konzerte aufgrund einer Stimmbandentzündung absagen musste. Schon gab es stehende Ovationen, das Münchner Publikum war immer besonders lieb zu STS. Nach „Alexis“ und „Die beste Zeit“ bot Steinbäcker mir wieder ein ungewohntes Bild, als er „Der Tag wird kommen“ stehend und ohne Gitarre vortrug. Ich kann mir den Eindruck nicht erwehren, dass Steinbäcker sich selbst nicht ganz wohl fühlt bzw. dass er sich immer noch an diese Position gewöhnen muss.

Sehr launig moderierte Steinbäcker das nächste Lied an: Er und Thomas Spitzer sind seit ihrer Jugendzeit Freunde, die aber auch ihre eigenen Wege gehen. Spitzer gründete die EAV, Steinbäcker dagegen wollte lieber auf „Nummer Sicher“ gehen und wurde ein Teil des steirischen Dreiklangs. Und ich bekam meine Premiere von „Mein Freund“. (Dass „Hamburg“ daran glauben musste, tut zwar a bisserl weh, aber ich habe mir auch endlich einen Wunsch erfüllt und war im heurigen Sommer das erste Mal in Hamburg. Schöne Stadt!)

Abgang Steinbäcker. Auftritt Ulli Bäer. (Ich würde nur zu gerne wissen, ob noch ein weiterer Hernalser außer wir zwei im Circus Krone war…) Nach dem berührenden „Alle Lichter“ ging es mit „Ja eh“ weiter. (Mit dem Album werde ich mich wahrscheinlich nie anfreunden können…)

Sowohl „I hab di leb’n g’sehn“ als auch „Irgendwann bleib i dann dort“ bewegte das Publikum. Mir drohte erstere die Luft zum Atmen wegzunehmen, letztere ließ mich aufschnaufen und augenzwinkernd mitsingen.

Vor der Pause grub Steinbäcker ein sehr altes Lied aus. Das Lied befindet sich auf der ersten Platte von STS. „Gegenlicht“. 1981. Und ich erlebte an diesem Abend eine weitere Live-Premiere: „He Sunn“.

Und ich spürte es wieder. Dieses „Der-Erste-Teil-Verging-Viel-Zu-Schnell“-Gefühl, welches ich oft bei den STS-Konzerten erlebte.

Die Pause war auch viel zu kurz für das Übliche: Für kleine Soris gehen, Bier holen, etwas Small Talk.

Nun ging es mit dem ersten Lied aus Steinbäckers erstem Soloalbum weiter. Mit wieder gut geölter Stimme sang ich herzhaft den Refrain aus „Die Sunn über’n Meer“ mit. Die quasi „unplugged“ Version von „Wieder a Sommer“ (Buchebner, Steinbäcker und Bäer an den akustischen Gitarren) nahm das ganze Publikum gefangen. Kaum verdaute ich dieses Lied, nicht ohne weitere Tränen verdrückt zu haben, riss mich schon das nächste mit. Es handelte sich um „So frei, wie man sein kann“. Eine der besten Nummern auf „Grenzenlos“, das erfolgreichste Album von STS.

Als Maria Ma die ersten Worte dieses einen berühmten Liedes anstimmte, fiel das Publikum mit ein und durch den schwarzen Vorhang erschien Schiffkowitz. Er selbst!

Habe ich nicht schon erwähnt, dass das Münchner Publikum immer besonders lieb zu STS war? Dem letzten S zollten wir stehend und mit hundertprozentiger Textsicherheit unsere Anerkennung. Schiffkowitz strahlte über das ganze Gesicht und es war ihm wieder anzusehen, dass er vom Zuspruch des Publikums sehr berührt war.

Nach dem tosend-hereinbrechenden „Fürstenfeld“ lauschten wir ganz gebannt „Festung“ zu und es war das letzte Lied, bei dem der Großteil des Publikums saß. Bevor Schiffkowitz sich für kurze Zeit verabschiedete und ich nach seinem „Wenn’s recht sein…“ mit „sollte“ gar nicht ausreden ließ, schenkte er uns noch ein fröhliches Lied, ein Klassiker zum Mitschunkeln und Mitsingen: „Gö, du bleibst heut nacht bei mir“.

Der „Überraschungsauftritt“ von Schiffkowitz löste die Nostalgiewelle aus, auf der Steinbäcker mit „Großvater“ und „Kalt und kälter“ ritt. Da ich schon sehr lange wusste, dass beide Lieder konzerttechnisch zusammenhängen, löste ich mein logistisches Problem, indem ich mein ziemlich riesiges Kastl von einem HUAWEI P20 Pro neben meinem Bierbecher auf dem Boden deponierte und konnte amoi no ausgelassen zum Refrain hüpfen. (Das war schon ein Vorteil, als die mobilen Telefonzellen früher etwas kleiner waren, bevor sie wieder größer wurden. Außerdem hingen Rucksack & Jacke gegen Gebühr in der Garderobe. Ich hasse es, Wohnzimmereinrichtungen in ein Konzert zu schleppen.)

Steinbäcker erteilte uns „Das letzte Wort“ und ein fantastisches Konzert näherte sich dem unvermeidlichen Ende zu.

Noch einmal hörte ich die wunderschöne Querflöte von Franz Zettl bei „Mach die Aug’n zu“. „Es war so was wie Heimat für mi lang ka Begriff/ An dem Wort klebt vü Blut, vü dummer Stolz und der Nazimief/ Nur i hab’ da meine Wurzeln…“, schöner kann man eine Liebeserklärung an sein Heimatbundesland nicht formulieren und das Publikum brachte während „Steiermark“ den Circus-Krone-Bau gehörig ins Wackeln.

Eine etwas längere Pause entstand. Auf Schiffkowitz wurde gewartet und ich rechnete mit der allerletzten Nummer. Schiffkowitz erschien und ich erkannte die ersten Takte von… „O XENOS“. „Das kann unmöglich die letzte Nummer sein“, hoffte ich. Steinbäcker unterbrach kurz, erzählte eine lustige Anekdote von „zwei verfeindeten Duos“ und nun erklang eines meiner liebsten Lieder.

Ich schrie das „I bin a Ausländer, a Fremder, i bin dei Nachbar und a Freund/ Und es gibt afoch nur a Obndsonn, die grad jetzt da für uns zwa scheint“ regelrecht mit und stellte zum x-ten Mal fest, wie zeitlos die Texte von Steinbäcker sind. Er kann es einfach.

Wieder brandete lauter Jubel auf, mein „AMOI GEHT’S NO!“ ging im tosenden Applaus unter. Es wurde Licht im Zirkuszelt, mein „Scheiße!“ ging auch zum Glück im Lärm unter.

Doch! Einmal ging’s noch. Erich Buchebner am Bass, Gerd Wennemuth am Schlagzeug, Multiinstrumentalist Franz Zettl, Maria Ma an den Tasten und am Hackbrett, Ulli Bäer an den Gitarren, Schiffkowitz und Gert Steinbäcker gaben uns noch ein letztes Lied auf dem Weg.

Sie haben bei uns wieder einiges g’spürt (wir auch), jetzt ist es schon spät (hmm) und mia san olle scho miad (vielleicht), haße Köpf‘ (ja), kalter Rauch (In Bayern herrscht Rauchverbot!) und lauwarmes Bier (meins ist es noch nicht). No a Liad, bevor ma geh’n…

Ich habe jetzt wieder einen dicken Kloß im Hals, nachdem ich diese Zeilen schrieb. Ich erinnere mich noch ganz frisch an meinen Gefühlszustand: Ich hatte wieder Tränen in den Augen und fühlte dennoch gleichzeitig eine große Dankbarkeit in mir.

STS haben einen ziemlich großen Anteil auf dem Soundtrack meines Lebens. Ich denk‘ gar nicht daran, die Nummern zu „Outtakes“ werden zu lassen.

(Und danke an Spike für die Begleitung – ich konnte mich für die Exklusivität einer leidenschaftlichen Sori während eines Konzerts revanchieren. Danke für das – von mir im Stillen erhoffte – Wiedersehen mit Marion & Douglas. Und noch einmal ein Gruß an Eva – es ist schön, den speziellen Brauch auch beim letzten Mal zu pflegen.)

8 Kommentare

  1. Hätt‘ ich doch hingehen sollen…, ich war da halt erst 2 Std ausm Urlaub wieder dahoam und einfach ein bisserl g’schafft von der Fahrt. Schade.
    Aber schön, dass wir uns gesehen haben, dass du Pippa kennengelernt hast und es sogar noch auf ein Krügerl in der Waldwirtschaft gereicht hat!
    Liebe Grüße von München nach Wien & auf bald, liebe Sori!

    1. Nichts zu machen. Aber ich kenne die Situation nur zu gut – wer weiß, ob Du dann das Konzert so sehr genossen hättest? Ich wäre an Deiner Stelle sicher nur mit halber Leidenschaft dabei gewesen.

      Und ein Konzert, was man nur in geringen Dosen genießt, ist noch schlimmer als kein Konzert.

  2. Liebe Sori,

    ich sag auch gerne hier öffentlich nochmal ein herzliches Dankeschön, daß ich dank Dir zu meinem bislang einzigen STS-Konzert auf der Abschiedstour 2011 in Stuttgart nun noch ein 2/3 STS-Konzert hinzufügen konnte in dieser wahrhaft einzigartigen Location … und es war schön, Dich bei dieser Gelegenheit nun auch persönlich kennenzulernen … und mit dieser besonderen Gesellschaft war der Konzertabend einfach perfekt!

    Liebe Grüße vom Rand des Schwarzwalds in die Donaumetropole!
    Spike

  3. Liebe Sori, was für ein schöner Bericht! Was für ein tolles Konzert und auch wegen unsres Wiedersehens ein unvergesslicher Abend. Viele liebe Grüße Marion

  4. Hallo Sori,
    vielen Dank für Deinen Konzertbericht. Nachdem auch ich einige Konzerte von STS und mittlerweile 4 der Gert Steinbäcker Tour gesehen habe, sieht man jeden Gig mit anderen Augen.
    Dies’mal fielen mir so Kleinigkeiten wie Erich’s Problemchen schon beim ersten Song, die Spielfreude der Band (Maria’s Strahlen) und der Auftritt von Schiffi auf. Die Musiker haben sich wirklich gefreut wieder in München und an einer so geschichtsträchtigen Stelle zu spielen. Schade, dass der Circus Krone nicht ausverkauft war.
    Es war ein rund um gelungener Abend -> freu‘ mich auf NEUES!
    Viele Grüße aus Deutschlands heimlicher Hautstadt (München)!

  5. Neid-Neid-Neid! Hach, viel zu weit weg eben. Toller Bericht über ein vielleicht allerletztes Großereignis. Mal gleich die „Neuer Morgen“ in den Player tun.

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