You Can’t Judge A Book By The Cover # 5: Dave Marsh „Born To Run: Die Bruce Springsteen Story“

bruce_books00„You can’t judge a book by the cover!“ Natürlich nicht! Aber: Warum hat sich der Star-Cluster-Verlag ausgerechnet für ein Foto entschieden, das Bruce Springsteen in einem farblich geschmacklosen Streifenhörnchen-Leiberl zeigt? Dabei gab es bis dato doch schönere Bilder von ihm, aber die Wahl fiel auf ein Foto des mir unbekannten Konzertfotografen Pete Still.

Ungeachtet des weniger attraktiven Covers kaufte ich mir das Buch im September 2002 beim großen A, weil das Werk von Dave Marsh nun einmal DIE Biographie von Bruce Springsteen war. Das Nachfolgewerk „Glory Days: Bruce Springsteen in the 1980’s“ habe ich leider immer noch nicht, obwohl ich von einer lieben Konzertfreundin und Springsteen-Fan ein Magazin geschenkt bekam, wo Auszüge aus diesem Buch abgedruckt sind und ich nun Bedarf melde. Darüber hinaus wurden die beiden englischsprachigen Biographien 2003 in „Two Hearts“ zusammengefasst. Auch da melde ich Bedarf. (Unglaublich, wie viele Bücher über Bruce Springsteen in meinem Regal fehlen…)

Was soll ich zur Person Dave Marsh schreiben? Jeder Springsteen-Fan sollte den Namen kennen. Er ist mit Bruce Springsteen untrennbar verbunden. Ihm ist es auch zu verdanken, dass „Outlaw Pete“ (externer Link) realisiert werden konnte.

Wie schon oben erwähnt, war das Buch lange DIE Biographie über Bruce Springsteen. Bis Peter Ames Carlin in 2012 mit „Bruce“ (externer Link) ein sowohl detailliertes als auch umfangreiches Werk vorlegte.

Doch diese Vormachtstellung währte nur wenige Jahre, veröffentlichte doch der Boss himself im Herbst 2016 seine Memoiren mit dem programmatischen Titel „Born To Run“ (externer Link).

bruce_books05Im Vorwort wird erwähnt, dass Dave Marsh diese Biographie schon in 1976 fertigstellte. Doch im selben Jahr begann der geschichtsträchtige Rechtsstreit zwischen Bruce Springsteen und seinem Manager Mike Appel. So verzögerte sich die Erstveröffentlichung bis in das Jahr 1979.

Die deutschsprachige Ausgabe (externer Link) aus dem Verlag „Star-Cluster“ wurde erstmals in 1983 herausgegeben. Inzwischen hat Dave Marsh die Biographie aktualisiert, weil die deutschsprachige Version mit der Veröffentlichung des Albums „The River“ im Herbst 1980 endet.

Braucht man das Buch eigentlich noch? Soll man es heute noch lesen?

Diese Fragen habe ich mir gestellt und das Buch (erneut) gelesen. Das ging recht flott, großformatiges Buch mit 200 Seiten und vielen Fotos. Die Fakten aus seiner Zeit vor Mike Appel und Columbia werden schnell abgehandelt und sind bekannt. Die Phase während seinen ersten beiden Alben wird unverständlicherweise kurz dargestellt, der Fokus richtet sich auf „Born To Run“, Tournee, Rechtsstreit, „Darkness On The Edge Of Town“, Tournee und „The River“.

Weil Dave Marsh nun einmal Musikjournalist ist, beleuchtet er parallel zu Bruce Springsteens Wirken auch die restliche Musiklandschaft vom aussterbenden Rock zum scheinbar lebendigen, aber schon zum Tode verurteilten Punk. Trotz einem „Kennen-wir-schon“ sind die Passagen zur Entstehung von Bruce Springsteens Alben recht interessant geschrieben, man entdeckt hier und da vergessene Details und es wird nicht langweilig, Interpretationen zu Textauszügen von Bruce Springsteens Liedern zu lesen. Auffallend ist die Sichtweise Dave Marshs zu der Geschichte über die Magazine „TIME“ und „Newsweek“, als diese in der gleichen Woche Bruce Springsteen auf die Titelseite brachten. Sie ist so auffallend wie eine Randnotiz. Mike Appel, Entdecker, Manager und Produzent, wird überhaupt nicht in diesem Zusammenhang genannt, obwohl er maßgeblichen Anteil daran hatte (externer Link). Nicht einmal ein Jahr später fand dann der Rechtsstreit zwischen Springsteen und Appel statt. Dieser Abschnitt wurde von Marsh oberflächlich und zugunsten Bruce Springsteen beleuchtet. Dave Marsh steht uneingeschränkt zu Bruce Springsteen und lässt gewisse Tatsachen aus. Mike Appel reagierte Jahre später mithilfe von Marc Eliot mit dem sehr lesenswerten Buch „Down Thunder Road: The Making Of Bruce Springsteen“ (externer Link).

Was soll ich, mehr als 15 Jahre nach dem Kauf und des ersten Lesens, zum Buch schreiben?

Viele Fakten sind bekannt, weil das Buch oft als Vorlage für spätere Artikel und Bücher über Bruce Springsteen diente. Wenn man sich aber auf den Zeitraum 1975 bis 1980 konzentrieren möchte, ist das Buch sicher eine gute Grundlage. Aber auch nicht mehr ausreichend. Dafür, dass Dave Marsh nach wie vor in einem sehr engen Kontakt zu Bruce Springsteen steht, ist das Buch recht oberflächlich geschrieben.

Man muss das Buch nicht mehr kaufen. Nicht nur wegen dem unglücklich gewählten Cover.

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