Mark Selby 1961 – 2017

markselbyhttp://themusicsover.com/tag/mark-selby/
https://www.bluesnews.de/newsreader/mark-selby-verstorben.html

Reigen, Wien XIV., 6. Oktober 2009, zu später Stunde

Das Konzert war aus. Leider sind nur eine Handvoll Leute gekommen, um den Bluesgitarristen Mark Selby mit seinen Mitstreitern Charles „Chopper“ Anderson am Bass und Daryl „D.B.“ Burgess am Schlagzeug live zu erleben.

Circa zehn Minuten später nahmen die Musiker sich die Zeit, den wenigen Besuchern ihre Wünsche zu erfüllen. Ich weiß nicht mehr, was ich zuerst in der Hand hatte. War es eine Werbekarte mit einem Foto von Mark oder die kürzlich erworbenen Tonträger „More Storms Comin‘“, „Dirt“ und „Live at Rockpalast“. Jedenfalls habe ich einen davon signiertauglich von der Einschweißfolie befreit und ich fragte Mark auf Englisch, ob er mir den Tonträger signieren könnte. Er antwortete mit einem herzlichen „Naturlich“ und erfüllte mir den Wunsch. Er sah die restlichen Tonträger in meiner Hand und fragte mich, was mit denen sei. Ich signalisierte ihm, dass ich seine Großzügigkeit nicht strapazieren wollte. Mit einer „Na geh“-Geste nahm Mark mir die Tonträger aus der Hand, riss die Einschweißfolien herunter, gab weitere Autogramme und rief zu Chopper, dass er mit dem Signieren dran sei. Ich sehe diese Szenen gerade vor mir und ich spüre wieder seine Herzlichkeit.

Vom Konzert behalte ich die Virtuosität, mit der Mark Selby sein Gitarrenspiel beherrschte, in Erinnerung. Chopper bediente mit einer Art stoischen Ruhe die Bassgitarre und Daryl lieferte uns sogar eine Solo-Einlage von Dennis Wilsons „You Are So Beautiful“. „Cold One Closin‘ In“ und „You’re Gonna Miss My Love“ waren meine Höhepunkte, obwohl eigentlich das ganze Konzert von Anfang bis Ende klass‘ war. Es war eines der besten Konzerte, das in meinem bisherigen Konzertleben passierte und nun habe ich die traurige Gewissheit, dass ich Mark Selby kein zweites Mal erleben werde.

Dabei ging das Ganze recht schnell, wie ich zu ihm kam. Erst im September 2009 wurde ich auf ihn aufmerksam. Ich glaube, ich war zu sehr gläserner Mensch beim großen A, so dass ich das Cover von „Nine Pound Hammer“ unter den Empfehlungen entdeckte. Ich fand das Bild sympathisch (Die abgebildete Gitarre ist auch nicht so ganz unschuldig daran!) und ich bestellte aus einem Bauchgefühl heraus die CD. Nachdem ich die Scheibe erhielt, beförderte ich sie sofort in meinen CD-Spieler und die ersten Takte des Titelliedes fuhren in mich hinein. Ich wollte natürlich herausfinden, ob ich ihn live erleben konnte und es war ein wunderbarer Zufall, dass Mark Selby nur wenige Wochen später das Reigen im 14. Wiener Gemeindebezirk beehren würde.

Ein klasse Gitarrenspieler, der leider in meinem Bekanntenkreis kaum Beachtung fand. Seine Musik und seine Texte waren die von Bruce Springsteen nicht so unähnlich, mir hat es einfach getaugt. Überzeugt hat er mich dann mit seiner Präsenz als Live-Musiker und „naturlich“ als einen herrlich unkomplizierten Menschen ohne irgendwelche Starallüren. Ich blieb seiner Musik treu, neben „Nine Pound Hammer“ gehört „More Storms Comin‘“ zu meinen engeren Favoriten. Ich sah regelmäßig auf den Webseiten nach, ob etwas Neues von ihm gab und wunderte mich schon, dass sich in den letzten eineinhalb Jahren nichts mehr tat. In 2013 bekam ich auf seiner Webseite die Ankündigung seines nunmehr letzten Albums, „Blue Highway“, mit und ich kaufte die mp3-Dateien des Albums als „Neu für 5 EUR“-Aktion beim großen A. Leider konnte mich „Blue Highway“ nicht so begeistern, obwohl das Eröffnungslied „I Will Not Go Quietly“ nun in mir die wildesten Spekulationen auslöst. Hat er es schon geahnt?

Mark spielte mit Chopper und Daryl immer wieder Konzerte im deutschsprachigen Raum, aber nach Wien kamen sie nicht wieder.

Und am frühen Abend des 23. September 2017 warf ich zufälligerweise einen Blick auf die Wikipedia-Startseite – so etwas mache ich nicht jeden Tag – und entdeckte Mark Selby unter den kürzlich Verstorbenen. Mit weiteren Klicks verwandelte sich der Schock in die traurige Gewissheit, dass Mark Selby am 18. September 2017 mit nur 56 Jahren einem Krebsleiden erlegen ist.

I will not go quietly
Got my motor hummin‘
Can’t you hear me comin‘
I got jokers up my sleeve
Sometimes you gotta make your luck
Strut your stuff, turn it up
I will not go quietly

It’s a damn good thing the world ain’t flat
I won’t fall off if I go too fast
Now the sky is gold and the highway’s blue
Baby I’m a loose cannon but my aim is true

Never surrender won’t back down
Never surrender no way no how
Came into this world kickin‘ and screamin‘
And that’s how I’m leavin‘

I will not go quietly…

(Mark Selby/Tia Sillers, „I Will Not Go Quietly“)

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1 Kommentar

  1. Schon wieder einer, den ich wohl verpaßt habe … hab mal auf youtube in ein paar Sachen reingehört und mir spontan das Mark Selby Box-Set bestellt … zu schade, daß ich ihn nie live erleben werde … :o(

    Danke also für den Nachruf, Sori – die nächste Inspiration zum stöbern kommt hoffentlich wieder für einen, der noch lange Zeit zum schreiben und musizieren hat …

    Beste Grüße aus dem Südwesten!
    Spike

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