01.09.2017 – Willi Resetarits & Stubnblues auf der Tschauner Bühne

Mit dem meteorologischen Herbstbeginn meldete sich ein seltener Begleiter namens „Halsweh“ bei mir. Das war das Letzte, was ich bei einem Konzert in der Tschauner Bühne mit den Temperaturen brauchte.

Dennoch, nachdem ich Wilhelm Resetarits und den Stubnblues das letzte Mal vor vier Jahren gesehen habe, überwog meine Vorfreude das Halsweh, welches zeitweise meine Stimme raubte.

Meine erste Begegnung mit den oben genannten Musikern fand am 8. Mai 2009 bei der Eröffnung der Wiener Festwochen statt. Ich bin damals eigentlich nur wegen Wolfgang Ambros hingegangen, aber der Stubnblues hat mich so begeistert, „Floridsdorfer Bahnhof“ entwickelte sich zu einem Ohrwurm, so dass ich nur wenige Tage später die „no so vü“ kaufte. Nachher folgten einige Konzerte und 2010 war ich sogar in Gamlitz dabei.

Leider zwangen mich private Gründe dazu, dass mein Erlebnis „Gamlitz“ seitdem einmalig blieb und ich war schon glücklich, wenn ich in den darauffolgenden Jahren die reduzierte Besetzung (ohne Bläser) im Theater am Spittelberg sah. Ich hatte auch gar nicht beabsichtigt, dass der Auftritt in der Arena Ende August 2013 mein letztes Konzert mit den Stubnblues sein würde. Aber es war halt so…

Dennoch kann es nicht alles gewesen sein und ich habe die sympathische Kapelle nie aus meinen Gedanken und Ohren vertrieben. Die CDs höre ich mir hin und wieder gern an und irgendwann entdeckte ich den Termin in der Tschauner Bühne. Ich zögerte… zögerte… zögerte… Karten wurden munter verkauft… und dann entdeckte ich einen einsamen, freien Platz in der fünften Reihe, Mitte. Der Sitz gehört mir. Ich schlug zu.

Knapp eine Woche vor dem Konzert horchte ich wieder in meine CDs hinein und erst am Tag des Konzerts beschäftigte ich mich mit der „7“, zu der ich leider noch keinen Zugang gefunden hatte. (Obwohl ich die Scheibe dank einer lieben Konzertfreundin seit fast einem Jahr in meiner Sammlung habe. Aber ich geb zu, dass ich auch Startschwierigkeiten mit der „ois offn“ hatte.)9722

„Jit z isch dä summer verby…“ (Patent Ochsner, „Seemanns Wärmuet“)

Nach langer Zeit holte ich wieder meine Jeanshose aus dem Kasten, dazu auch Halstuch (!), Pullover, Jacke und Hut und ich spekulierte, ob Wilhelm und der Stubnblues das Konzert mit „Regn“ eröffnen würden.

Bei der Bühne angekommen, freudige Begegnung mit einem Fan, die das Glück hat, genauso zu heißen, wie die Dame, der die drei Gedichte gewidmet worden sind. Nach der kurzen Unterhaltung nahm ich Platz, wartete darauf, dass mein Bier weniger kalt wurde und nun betraten Christian Wegscheider (Keyboard, Ziehharmonika), Chris Haitzmann (Flügelhorn, Trompete), Herbert Berger (Klarinette, Querflöte, Saxophon), Peter „Gasteina Peda“ Angerer (Schlagwerk), Klaus Kircher (Bassgitarre, Kontrabass) und Stefan Schubert (Gitarren) die Bühne.

9751Eine schwungvolle Melodie erklang, die ich sofort als „no so vü“ erkannte und mein Halsweh verabschiedete sich für die nächsten drei, vier Stunden. Nachdem Wilhelm „Willi“ Resetarits die letzten berührenden Zeilen sang, erklangen anschließend „Auf da Suche“ und „Bären“. (Innerlich dankte ich, dass ich doch noch rechtzeitig die „7“ warmgehört hatte.) Der Titel des aktuellen Albums, „7“, steht nicht für das siebente Album von Willi Resetarits und dem Stubnblues. Ich verfiel kurz in dieser Annahme, aber ich zählte noch die vorherigen Werke ab. „7“ steht für sieben Musiker, die gerade auf der Bühne ihre Musik zelebrierten und uns damit beglückten.

Hans Carl Artmann wurde von Willi als „Hl. Artmann“ gewürdigt, „das Akronym ‚HC‘ hat sich ein Unwürdiger angeeignet“. Warum manche Leute im Publikum lachten, konnte ich nicht nachvollziehen. Dieser Zahntechniker, der den Pseudo-Oppositionellen spielt und aber seit Jahren nach einer Regierungsbeteiligung lechzt und seit kurzem sich auch regierungstauglich gibt (Als ob die Brille helfen würde!), lässt mich oft an eine ältere Aussage von Willi erinnern. In Gamlitz betonte er, dass es sich beim H. C. (Artmann) um den wahren H. C. handle, „der andere is a Oaschloch“… Genug geschimpft! Ich sollte mich zurücknehmen, weil ich auch nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitze.

Auf der Ukulele spielend, vertonte Willi das Gedicht „Fia n Dom Schak“. (Ich sollte mein Gedichtband vom Hl. Artmann wieder aus dem Bücherregal holen…)

Nostalgisch-freudig ging es mit „Mei Schlof“ zu und „Siass und bitter“ (auch aus der „7“) berührte mich an diesem Abend. Nach einer traditionellen Nummer (?) sprach Willi vom wiederauferstehenden Vinyl und wies indirekt auf das Verkaufsstandl hin. Mit „Kum zruck“ ging es in die Pause.

Der 2017er Septemberbeginn ähnelt einem Apriltag und so eröffnete der Stubnblues den zweiten Teil mit „Da r Abrüü“. Bevor das nächste Lied erklang, erwähnte Willi den „lieben Freund aus Bern“ – das war das Stichwort! – „Büne Huber“ – „YEACHHH!“ – „Patent Ochsner“. Während der stubnblueskonzertlosen Zeit habe ich drei Patent-Ochsner-Konzerte in Winterthur und Bern genossen, aber ich warte immer noch darauf, das folgende Lied auch live im Original zu hören:

(Lied beginnt bei ca. 3:45)

Ja, dä Summer isch verby und während der Stubnblues ihre schöne österreichische Version zelebrierte, ertappte ich mich dabei, dass ich das ganze Lied auf Schwyzerdütsch zu singen versuchte, was, besonders beim Refrain, einige Dissonanzen erzeugte. Aber, dennoch, schön! Sehr schön!

Beschwingt ging es mit dem Klassiker „A schräge Wiesn“ weiter und dass Willi bei „Pass guad auf“ die Ukulele wieder bediente, war ein Genuss mit (fast) allen Sinnen. „… Ende der Predigt, DAS ist mein Lied“. Nach diesen Worten überzeugten die Stubnblueser, dass sie auch talentierte A-cappella-Vokalisten sind und bewiesen ihr Können mit „Lipo ti je cuti“. Warum DAS Lied von Wilhelm Resetarits? Die meisten Leser werden es schon wissen, aber ich erwähne es der Vollständigkeit halber: Wilhelm Resetarits ist in Stinatz geboren, in dieser Ortschaft im Burgenland wird auch Kroatisch gesprochen. (Aber in den späteren Jahren wuchs Wilhelm Resetarits in Favoriten auf und etwas später verkörperte er die eine Hälfte des „Kurt Ostbahn“. Der Rest ist bekannt.)

„Natur Blues“ lieferte mir wieder einen Grund, innerlich dankbar zu sein, die „7“ vorher, so quasi in letzter Minute, angehorcht zu haben und weckte auch in mir den Gedanken, mich noch ein weiteres Mal mit diesem Werk zu beschäftigen. Was habe ich mich über „Floridsdorfer Bahnhof“ gefreut! Zwar saß ich etwas eingezwängt auf meinem Sitz, doch zu diesem Lied konnte ich mehr als mich nur ein wenig bewegen.

Die Stubnblueser verabschiedeten sich. Was? Ist es jetzt schon vorbei? Ich könnte noch zwei weitere Stunden sitzen und ihrer Musik zulauschen. Mir war gar nicht kalt, nur ab und zu Kreuzweh wegen dem unbequemen Sessel, aber sonst hatte ich es doch recht kommod. Nach „ZUGABE!“-Rufen kehrten die Musikanten wieder auf die Bühne zurück und die Anfangsmelodie war unverkennbar. Bekam ich wieder feuchte Augen und in mir jubelte es laut und dankend, als ich „alanech fia dii“ mit der Stimme von Willi hören konnte.

Bevor Willi und die Stubnblueser endgültig abgingen, kamen zum Abschluss noch ein eindrucksvolles „I standat auf“ und ein vokales „Oral jesam“.

9775Ich bin unglaublich froh und dankbar, dass ich hingegangen bin. Willi Resetarits war bestens aufgelegt und die Musiker rund um Kapellmeister Stefan Schubert zeigten mir an diesem Abend wieder eindrucksvoll, was für eine spielfreudige und bestens aufeinander eingespielte Truppe sie ist.

Noch jetzt muss ich mich zwicken, dass ich tatsächlich den Stubnblues wieder erlebt und ein berührendes, fantastisches, schönes Konzert genossen habe.

Denn das mit dem Zwicken ist bei mir in den vergangenen Jahren zu einer Seltenheit geworden…

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