6869Es begann damit, dass ich nach langer Zeit DENK im Trio wieder hören wollte. Das Gasthaus Quell gehört in Sachen Atmosphäre, Speis & Trank zu den besten Wirtshäusern in Wien. Und so ergab sich das eine aus dem anderen.

Der Abend wurde vom Verein „Aktionsradius“ organisiert, die in Zusammenarbeit mit der Basis.Kultur.Wien, die Hörbuchreihe „StadtFlanerien Wien“ veröffentlicht. Im Grätzel Reindorf, im Gasthaus Quell wurde das neue Hörbuch „StadtFlanerie Rudolfsheim-Fünfhaus“ präsentiert.

Die einleitenden Gespräche von Carola Timmel, Uschi Schreiber und Lena Kohlmayr versetzten mich in einen leicht nostalgischen Zustand, als ich dank ihrer klar gesprochenen und verständlichen Worte in meinem Geiste Bilder aus meinem ehemaligen Heimatbezirk sah. (Vom Frühjahr 2009 bis Sommer 2014 habe ich in der Karl Walther-Gasse gewohnt. Eine kurze, unscheinbare Gasse, nach einem Bürgermeister in Sechshaus benannt und das von Georg Danzer besungene Hotel Bauer befindet sich ums Eck.) Die wunderschönen Fotos von Wolfgang Bledl gaben mir den Rest.

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Robert Fischer

Dennoch wollte ich mich nicht von den nostalgischen Gefühlen trennen, da der nächste Programmschwerpunkt bevorstand: Der Kurtologe Robert Fischer gab uns einen sehr kurzweiligen Abriss aus der Entstehungsgeschichte Kurt Ostbahns und seinem Erfinder Günter Brödl. Günter Brödl verließ uns plötzlich und unerwartet am 10. Oktober 2000 und sein Tod führte zur schleichenden Pensionierung des Ostbahn-Kurtis – aber wie manche wissen, kommt der Kurtl vulgo Willi Resetarits ab und zu aus der Pension zurück und beglückt seine Fans mit Klassentreffen-Konzerten. Ich bin selbst kein großer Fan von seiner Musik, aber die Kriminalromane haben es mir sehr angetan. Ich kann mit Stolz verkünden, dass ich alle sechs Bücher der Krimi-Trilogie besitze und zu meinen Favoriten gehören „Platzangst“ und „Peep-Show“. Bei letzterem kommt der Ostbahn-Kurti nur am Rande vor, aber wie „Trainer & Trash“ sich in diesem Krimi als Duo Infernale behaupten, ist einfach zum Brüllen! Groß war meine Freude, dass kein Geringerer als „Dr. Trash“ himself – Peter Hiess – sich bereit erklärt hat, an diesem Gedenktag in Günter Brödls Stammlokal ein paar Zeilen aus „Hitzschlag“ vorzulesen. (Nur schade, dass ich mein eigenes Exemplar von „Peep-Show“ nicht zum Signieren mitgenommen habe!)

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Peter Hiess vulgo Dr. Trash

Nachdem Dr. Trash sich verabschiedet hatte, war die Bühne frei für DENK. Im Trio sorgten Birgit Denk mit ihrem Gesang und ihren sehr sarkastisch-humorvollen G’schichtl’n, Alexander Horstmann am Bass und Ludwig Ebner an der Gitarre für einen sehr schönen Abschluss des Abends. Birgit Denk und Alexander Horstmann sind auch markante Triebe aus dem Ostbahn-Zweig. Als „der junge Herr Axel“ (Kommt auch in „Platzangst“ vor.) wirkte Alexander Horstmann als Roadie und späterer Hintergrundsänger beim Ostbahn-Kurti mit. Birgit Denk gehört zum Kreis der Geehrten, von Günter Brödl mit ein paar Texten versorgt zu werden.

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DENK Trio

Das kleine Konzert – es war schon 21 Uhr und in einem Wirtshaus darf nur bis 22 Uhr musiziert werden – begann mit „Es is guad“. Ich genoss es, DENK in ihrer reduzierten Form live zu hören. Und wenn wir schon beim Günter Brödl sind, bekamen wir „Wieda zwieda“ in der Trio-Version. Die kräftigen Hintergrundstimmen Alexanders und Ludwigs, das wunderbare Gitarrensolo und wie wenig doch sehr viel bewirken kann. Nach „Kumm ned her“ und „Na, des los ned aus“ wurde ein weiteres Brödl-Lied gespielt, welches die eingefleischten DENK-Besucher bei den „Ausg’steckt“-Konzerten kennen: „Graue Mäus“. Auch hier kam das „Weniger ist mehr“ sehr stark zur Geltung, es war uns möglich, mehr auf die Botschaft hinhorchen zu können… „dann erst dazöht dei Gsicht a Gschicht“.

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Birgit Denk, Alexander Horstmann und Ludwig Ebner

„Söbe Stadt“ passte sehr gut zum Rahmen und war in dieser Version auch ein Hörgenuss. Zwischen den Liedern unterhielt uns Birgit mit ihren G’schichtl’n, zum Brüllen war die Anekdote über ihre Gesundenuntersuchung, als ihre Ärztin meinte, dass „Frau Denk sich freuen könne, da sie 100 Jahre alt werden kann“, woraufhin Birgit erwiderte, dass sie es nicht tun kann, da in ihrer Verwandtschaft die Leute mit 70 an Demenz erkranken würden. Vom Geiste Günter Brödls umwabert, nannte Birgit ihren Bassmann sehr oft „der junge Herr Axel“ und Alexander Horstmann musste einmal mit einem „I bin scho lang nimma jung!“ kontern. Das aufmerksame Publikum konnten die Musikanten mit den Schlussliedern „Was i eh“ und „Durch die Wüste“ begeistern. Es war schon 22 Uhr vorbei, dennoch bekamen wir als Zugabe „Zwa miade Lotschn“ und ein wunderschöner Abend verging viel zu schnell vorbei.

Ich danke den Beteiligten für die Idee und Organisation, einen kurzweiligen Abend mit viel Lokalkolorit und wunderbarer Musik in einem gemütlichen Wirtshaus zu veranstalten. Sollte etwas Ähnliches in meinem aktuellen Heimatbezirk – die Rede ist von Heanois – geschehen, bin ich sehr gern dabei.

Fotos von fotohutt.at