You Can’t Judge A Book By The Cover # 21: Barack Obama & Bruce Springsteen “Renegades: Born In The USA”

Sommer 2020. In einer Zeit großer Umbrüche fanden sich Barack Obama und Bruce Springsteen bei letzterem im Tonstudio zusammen, um über Gott und die Welt zu plaudern. Nein, sie sinnierten über ihre Bedeutung für die US-amerikanische Gesellschaft.

Weil ich kein Radio, erst recht keine Podcasts höre, nahm ich die Gespräche zwischen den beiden Herren nur am Rande wahr. (Ich bin der Meinung, es wird auf der Welt zuviel geredet.) Aber ein Buch, eine Transkription ihrer Gespräche, machte mich schon neugierig.

Es wurden acht Gesprächsrunden aufgezeichnet und das Buch ist somit in acht Kapitel unterteilt. In diesem Druckwerk ist Barack Obama immer noch der Präsident, Bruce Springsteen bleibt natürlich nach wie vor der Boss. Die jeweiligen Einleitungen zu den einzelnen Abschnitten verraten mir, was ich mir vom Inhalt ungefähr erwarten konnte: Ein teils historischer Ausschnitt über die Vereinigten Staaten von Amerika aus den Perspektiven zweier scheinbar unterschiedlichen Menschen, stellvertretend für die ganze Nation.

Schon auf Seite Fünf entdeckte ich ein Foto, das falsch datiert wurde. Dieses Fauxpas wurde auch in den folgenden Artikel übernommen: https://www.handelsblatt.com/arts_und_style/literatur/buchkritik-barack-obama-und-bruce-springsteen-sinnieren-ueber-ruhm-selbstzweifel-und-die-aufarbeitung-der-trump-jahre/27747226.html

Ich erinnere mich noch gut, dass Obama mit „Hope!“ für das Amt des ersten Mannes in den USA warb. Für die Wiederwahl in 2012 war „Forward!“ das Motto. Und ich wusste, dass ich mich nicht irrte. Folgende Verlinkung bestätigt meine Annahme: https://brucespringsteen.net/news/2012/bruce-joins-president-obama-and-jay-z-in-ohio

Und das war erst der Anfang!

Inmitten des vielen Blablas entdeckte ich ein paar gute Ansätze. Auf Seite 13 argumentiert Bruce Springsteen das Dasein eines Außenseiters in der Gesellschaft mit „…that is innate.” Er nimmt Bezug auf die psychische Krankheit seines Vaters, die in Ansätzen an den Sohn vererbt wurde.

Auf Seite 21 entdeckte ich den nächsten Fehler. Ein Foto von Bruce Springsteen mit seiner Schwester im Jahre 1953. Die Schwester soll Pamela heißen. Dabei war sie noch nicht auf der Welt, es ist stattdessen Virginia, die ihn viele Jahre später zum Lied „The River“ inspirierte.

Und ein weiterer unverzeihlicher Fehler starrte mich an, als auf Seite 86 ein Foto von Bruce Springsteen und Clarence Clemons während der „The-River“-Tour gezeigt wird und darunter steht „2005 Devils & Dust Tour“.

Schon das zweite Kapitel, „The American Story“, löste in mir Krämpfe aus. Obama und Springsteen sprechen über den Krieg, insbesondere über Vietnam und Irak. Bruce Springsteen konnte sich erfolgreich der Vietnam-Mission entziehen. Barack Obama bekam verfrüht und unverdient den Friedensnobelpreis verliehen. Er hat während seiner Amtszeit nicht wirklich für Frieden sorgen können und hier und da den Nährboden für die nächsten globalen Krisen geschaffen.

Im fünften Kapitel besprachen Springsteen und Obama „The Almighty Dollar“, das zu den besseren Gesprächen zwischen den beiden Herren gehört und schon entdeckte ich auf S. 178/179 den nächsten Fehler: Mal wieder ein Foto. Abgelichtet von Frank Stefanko und mit 1973 datiert. HIMMEL!!!

Als ich die kommenden Fehler entdeckte, beschloss ich, mit dem weiteren Erbsenzählen aufzuhören, aber im Ernst: Das. Kann. Einfach. Nicht. Sein!

Die Dialoge zwischen President und Boss lesen sich teilweise langatmig an und ich fragte mich manchmal, ob sie wissen, wovon sie reden? Springsteen erwähnte in einem Gespräch: „Work is essential.“ Nur weil sein Vater sich nie mit beständigen Jobs über Wasser halten konnte. Und der Sohn ist Rockstar, der andere war Präsident der USA!? Wollen sie nicht vor ihren eigenen Haustüren kehren? Halten sie die Ideale so hoch, dass sie nicht einmal herankommen?

Doch am Schluss wird es versöhnlich, nachdem die beiden Herren sich von ihrer rührenden Seite zeigen. Die beiden sprechen über ihre Vaterrollen und scheinen es bei ihren Kindern besser gemacht zu haben als ihre eigenen Väter. Dazu gibt es im Buch ungewöhnlich viele private Fotoaufnahmen aus den Familienalben Springsteen-Scialfa und Obama.

Das achtes und letzte Kapitel heißt „The Rising“ und am Ende dreht sich alles um „Born In The U.S.A.“.

Die verschriftlichten Dialoge sind – wie oben mehrmals erwähnt – mit vielen Fotos angereichert. Zwischendurch finden wir abgedruckte Texte zu den einzelnen Liedern von Bruce Springteen, der Leser kommt auch in den Genuss der handschriftlichen Erstfassungen. Dazu gibt es maschinengeschriebene Reden von Obama mit seinen handschriftlichen Korrekturen bzw. Ergänzungen, so dass das Buch alles andere als eine fade Transkription des Podcasts ist.

Und das letzte Foto zeigt Obama und Springsteen in einem schwarzen Corvette davonfahren.

Das dürfte wohl der American Way of Life sein. Das Buch steht zum Verkauf.

 

Weiterführend:

https://renegadesbook.com/

https://taz.de/Das-Buch-von-Obama-und-Springsteen/!5823136/

Ab dem 26. Oktober 2021: Obama & Springsteen – Renegades: Born in the USA

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2 Kommentare

  1. Interessant. Danke für die Warnung, ich hatte lange überlegt, ob ich mir das kaufen soll. Der (für mich) zu große textliche Umfang hat mich gleich abgeschreckt. Richtig gemacht, würde ich dann mal sagen. :-)
    Schöne Grüße nach Wien.

    1. So ist es. Das Buch ist eine Enttäuschung. Es kommt vor, dass ein Foto falsch datiert werden kann, aber diese Fehler zogen sich durch das ganze Buch. An und für sich wäre das transkribierte Gespräch interessant gewesen, aber mir kam es die meiste Zeit wie Blabla und Selbstbeweihräucherung vor. Das haben die beiden Herren nicht nötig.

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