24.02.2022 – „Sir“ Oliver Mally & Son Of The Velvet Rat in der Sargfabrik, Wien

Bis auf wenige Ausnahmen zählt das österreichische Bundesland, die Steiermark, viele gute Musiker:innen. Die Bandbreite ist vielfältig, einige schafften es in meine persönliche Ruhmeshalle.

„Sir“ Oliver Mally und Son Of The Velvet Rat gehören dazu. Ich kam des Öfteren in den Genuss, diese Musiker live erleben zu dürfen. Mally sah ich das erste Mal vor zwölf Jahren mit seiner Band Blues Distillery. Mit der Zeit legte der „Sir“ seine elektrische Gitarre beiseite, um mit den akustischen Gitarren dem Blues näher zu kommen. So erlebte ich ihn die letzten Male solo oder in Begleitung eines weiteren Musikers. Aber, egal in welcher Formation der in Wagna lebende Musiker auftrat, er enttäuschte mich bisher noch nie. Und er darf sich zu Recht „Sir“ nennen. Selbst das Bekleidungsunternehmen aus Würzburg hatte keine Chance gegen ihn.

Der Name „Son Of The Velvet Rat” begegnete mir zum ersten Mal in einem STANDARD-Artikel aus 2007. Dennoch vergingen neun (!) weitere Jahre, bis ich die Formation endlich live hören konnte. Sogar in der Sargfabrik, wo sie mittlerweile gern gesehene Gäste sind. Hinter dem Namen „Son Of The Velvet Rat“ steckt das Paar Georg Altziebler und Heike Binder, das abwechselnd in der steirischen Hauptstadt Graz und im kalifornischen Joshua Tree lebt. Je nachdem, wo Altziebler und Binder live auftreten, werden sie von verschiedenen Musikern an der Bassgitarre und am Schlagzeug begleitet. An diesem Abend trat Georg Altziebler solo mit „Sir“ Oliver Mally auf.

Auch wenn ich mich öfters in die Penzinger Sargfabrik verirre, ich mag die Spielstätte nicht besonders. Sie hat wenig Atmosphäre, aber kann immer mit einem interessanten Konzertprogramm aufwarten und ich habe es von meiner Ottakringer Wohnung nicht weit zur Sargfabrik und zurück.

Seit dem letzten „Lockdown“ im vergangenen November dürfen wieder Konzerte in Österreich stattfinden. Aber das Programm ist noch recht dürftig und es werden nach wie vor viele Veranstaltungen kurzfristig abgesagt, so dass ich erst heute zu meinem ersten Konzert in 2022 kam.

Auch überlege ich nach wie vor bei jedem interessanten Konzert drölfzigmal, ob ich hingehen soll oder nicht. Aber die einzigartige Kombination aus „Sir“ Oliver Mally & Son Of The Velvet Rat durfte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Unter dem Motto „Songster“ geben die beiden Steirer nur für kurze Zeit und an ausgewählten Orten Konzerte.

Der Saal in der Sargfabrik füllte sich bis fast auf den letzten Platz. Ich war gespannt, wie Mally & Altziebler den Abend gestalten würden.

Den Anfang machte „Sir“ Oliver Mally mit einer fast zarten Interpretation von Townes Van Zandts „To Live Is To Fly“. Georg Altziebler übernahm jeweils die zweiten Strophen und schon fiel mir der Unterschied in den beiden Gesangsstimmen auf. Zwei markante Stimmen, eine beeindruckender als die andere.

Da Oliver Mally auch Bob Dylan zu seinen musikalischen Helden zählt, gab er uns eine bluesige Version von „Shelter From The Storm“, wobei Altziebler mit seiner sonoren Stimme in den Titel einfällt.

Leider konnte ich nicht alle Lieder heraushören, auch hatte ich Mühe, den Moderationen von „Sir“ Oliver Mally zu folgen. Altziebler ist einfach kein großer Redner, so überließ er den Job dem „Sir“. Nein, er hat nicht undeutlich gesprochen oder genuschelt, aber seit der Zeit n. Cor. habe ich große Schwierigkeiten, auf Konzerten den Moderationen zu folgen. Ich vermute, es liegt daran, dass ich einfach auf weniger Konzerte gehe und mir die Übung fehlt, Menschen auf Bühnen verständlich zuzuhören.

Aus dem Fundus von Son Of The Velvet Rat lieferte Georg Altziebler „Surfer Joe“, die in der sogenannten unplugged Version mit zwei akustischen Gitarren recht beschwingt herüberkam. Altziebler legte dann mit „Blood Red Shoes“ noch eines drauf, bevor wir zu eine der stärksten Nummern des Abends kamen. Und mal wieder ist Bob Dylan schuld. Mally & Altziebler gaben ihre Version von „Billy # 7“ zum Besten, es war so klass‘… frisch, saftig, steirisch halt.

Bevor der „Sir“ sich auf seine Eigenkompositionen besann, kamen wir in den Genuss von „I’m So Lonesome I Could Cry“. Anschließend tauchten wir in den „21st Century Blues“ und „Shotgun Blues“.

Und weil schöne Abende auch einmal zu Ende gehen müssen, gaben uns die Steirer noch eine herzerwärmende Version von „Girl From The North Country“.

Ich möchte nicht, dass am Schluss meines Textes Negatives stehen soll, deshalb lasse ich es jetzt los: Weil das Konzert ohne Pause gespielt wurde, verließen nicht wenige Konzertbesucher:innen den Saal, um sich mit weiteren Getränken zu versorgen. Das Kommen und Gehen hat total genervt und ich empfand es als respektlos angesichts der Besonderheit des Abends.

Und, ich weiß nicht, warum ich das bisher noch nicht hatte. Ich habe sogar mehrmals sechs Stunden durchgehend FFP-2-Maske getragen, warum husten sie so deppert? Und wenn wir schon bei FFP-2-Masken sind: Die Widersprüchlichkeit zwischen Maskenpflicht und „Sie-dürfen-die-Maske-beim-Trinken-absetzen“-Regel ist auch ein Grund, warum ich nicht gern auf Konzerte gehe. Es hat mir keine Freude bereitet, mit solchen asozialen Arschlöchern in einem Saal sitzen zu müssen. (Ich entdeckte ein paar, die partout nicht daran dachten, nach dem Trinken die Maske wieder aufzusetzen.)

Als Zugaben erklangen „Butterfly Girl“ und „Free Fallin‘“. Bei letzterem hatte ich eigentlich gehofft, dass Georg Altziebler ein Lied von Son Of The Velvet Rat spielen würde, wenn „Sir“ Oliver Mally schon sein „Signature Song“ zum Abschluss gab.

Auch wenn ich während des Konzerts eine gewisse Dominanz „Sir“ Oliver Mallys spürte, habe ich den Abend sehr genossen. Es sind zwei wunderbare Musiker, dessen Konzerte einfach wert sind, dass sie besucht werden.

Ja, es hat sich gelohnt, zur Sargfabrik zu fahren.

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5 Kommentare

  1. Offenbar hat sich dein „drölfzigmal“ Überlegen doch gelohnt. :-) Es freut mich für Dich, dass Du Freude am Konzert hattest! Bestimmt folgen dieses Jahr noch einige musikalische Ereignisse, nehme ich an. P.S.: „Sargfabrik“ klingt ja auch sehr einladend! :-))

    1. Danke für Deinen Kommentar! Ja, das Konzert war einen Besuch wert :-)
      Ich bin zuversichtlich, dass ich in diesem Jahr noch ein paar weitere Konzerte besuchen werde, aber im Moment bin ich immer noch im „C-Modus“ und vermute, dass ich auch in 2022 nicht an die alten Zeiten herankommen werde. Aber ich bin dankbar für jedes besuchte Konzert.

      Bei einem früheren Konzert in der Sargfabrik hatte der Sänger der Band, dessen Konzert dort stattfand, zu einem „Probeliegen“ eingeladen. Die Sargfabrik war früher auch wirklich eine und hat sich zu einem funktionierenden Wohn- und Kulturprojekt entwickelt.

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