Rückblick: 13.10.2011 – Thees Uhlmann in der szene, Wien

[Beitrag ursprünglich am 19. Oktober 2011 auf sori1982.blogspot.com veröffentlicht.]

Ach Uhl…

Ich erlaube mir, für diesen Konzertbericht auch eine Vorgeschichte einzufügen.

Ende August 2011 las ich im deutschen Bruce-Springsteen-Forum die Ankündigung, dass Thees Uhlmann sein erstes Soloalbum veröffentlichen wird. Bisher machte er als Sänger der Musikgruppe „Tomte“ von sich zu reden. Bis zu diesem Eintrag im Forum hatte ich keinen blassen Schimmer von Tomte und dessen Sänger.

Ich sah mir das Video zu „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ an:

Langer Titel, gemischte Gefühle, aber irgendwo dieses „Das hat was!“. So zögerte ich nicht lange, mir das Album „Thees Uhlmann“ zu kaufen. Das Titelfoto weist Parallelen zum Sängers musikalischen Vorbild auf. Lederjacke, Gitarre und Ansicht von hinten.

Das Album erhielt in den nächsten Wochen Dauerrotation in meinem CD-Spieler. Es befindet sich eigentlich kein schwaches Lied auf dem Werk, wobei ich beim Schlusslied „Vom Delta bis zur Quelle“ manchmal das Gefühl verspüre: „Die Luft ist raus, es reicht erst einmal mit den Nummern.“ Mein Lieblingslied ist „Römer am Ende Roms“, natürlich ist der Bezug zu Bruce Springsteen auch nicht ganz unschuldig daran. Neben dem „Even though we are dancers in the dark“ glaube ich auch, Bezüge zu „Tougher Than The Rest“ („Wo sind die Romeos geblieben?“) und „Darkness On The Edge Of Town“ („Triff mich bitte mitten ins Herz, triff mich auf der Bank im Park.“) zu erkennen.

Und als ich erfuhr, dass Thees Uhlmann am 13. Oktober 2011 die szene in Wien rocken wird, dachte ich nicht lange nach, sondern kaufte mir gleich eine Karte.

Bevor ich zum Konzert komme, noch etliche Worte, die ich loswerden möchte:

Der Abend in der szene hat so gerockt, ich wurde zu einem Fan von Thees Uhlmann. Dass er dafür Tomte einschläfern ließ, störte mich wenig. In 2013 meldete sich Uhl mit seinem zweiten Album (Titel: „#2“) zurück, ich erlebte ein fantastisches Konzert in der Arena.

Im Herbst 2019 erschien endlich sein drittes Album, „Junkies und Scientologen“. Ich kaufte mir die CD recht bald und war enttäuscht, dass sein Wien-Konzert nun in der Halle beim Gasometer stattfinden wird. Ich besorgte mir bewusst keine Karte, weil ich die Halle nicht mag. Doch es schien noch besser zu kommen: Kurz vor Weihnachten 2019 erfuhr ich, dass Thees Uhlmann am 1. August 2020 in der Leipziger Parkbühne auftreten wird. Karte gekauft. Meine Vorfreude steigerte sich, als ich die Ankündigung las, dass Uhl am 31. Juli 2020 die Kulturarena in Jena beehren würde. Auch Karte gekauft. Die geeigneten Quartiere sowohl in Jena als auch in Leipzig wurden reserviert. Ich musste mich nur noch um die Zugfahrkarten kümmern. Ich konnte dieses Wochenende kaum erwarten.

So viel zum fantastischen Konzertjahr 2020.

Was tatsächlich geschah, können Sie sich ungefähr vorstellen.

Die Kulturarena in Jena wurde abgesagt, das Konzert in der Leipziger Parkbühne wurde auf Ende August 2021 verschoben.

In 2021 konnte Uhl die Kulturarena beehren, er trat auch in Leipzig auf. Doch für Jena kaufte ich mir keine neue Karte und die für Leipzig schickte ich schweres Herzens zurück, weil ich auch den Präventionsmaßnahmen in den Hotels nicht ganz traue.

Und die „Junkies und Scientologen“ harrt immer noch in Originalverpackung in meinem CD-Regal aus.

Ach Uhl… es wird ganz sicher der Tag kommen, an dem ich Dich ein drittes Mal live erleben werde.

Nachdem die Vorgruppen „Monta“ und „Imaginary Cities“ die Bühne warm gespielt hatten, war es um 22 Uhr nun soweit.

Thees Uhlmann und Band betraten die Bühne. Der Sänger, genauso bekleidet wie auf dem Titelfoto des Albums – Jeans und Lederjacke, spielte die ersten Akkorde auf der Mundharmonika. Ich juchzte laut, weil es sich nur um „Römer am Ende Roms“ handeln konnte. Nach dem letzten „Even though we are dancers in the dark“ und den Schlusstakten holte ich erst meine Kamera hervor. Bei gewissen Liedern sollte man einfach das Knipsen lassen und sich der Musik hingeben!

Thees Uhlmann verharrte in seinem Springsteen-Modus und es erklang „Das Mädchen von Kasse 2“. Schon beim Anhören dieses Liedes auf dem Album sind Parallelen zu „Queen Of The Supermarket“, das sich auf dem hörenswerten Werk „Working On A Dream“ befindet, zu erkennen.

Anschließend kamen „Hier komm ich her, hier bin ich geboren“, „Vom Delta bis zur Quelle“ und „Sommer in der Stadt“. Letztere enthält einen schönen, einprägsamen Zweizeiler: „Die Hoffnung ist am kleinsten, wenn die Angst am größten ist/ Komme was wolle, ich fürchte mich nicht“.

Über Thees Uhlmanns Energie konnte ich nur staunen und wie er sich auf der Bühne austobte. Einen Ausflug zu Tomte erlaubte sich der Sänger mit dem Lied „New York“ und wurde mit textsicherem Gesang des Publikums belohnt.

Mit „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ kamen wir wieder in die Gegenwart an. Und das markante „Uuuuuuuuuuh“ bescherte mir einen angenehmen Tinnitus.

Aus dem Soloalbum folgten noch „Die Nacht war kurz“, „17 Worte“, „& Jay-Z singt uns ein Lied“ und „Die Toten auf dem Rücksitz“. Als Zugabe erklang „Paris im Herbst“, womit nun alle Lieder aus dem Debüt live gespielt wurden. Sehr schön war das Akkordeonspiel vom Schlagzeuger beim letzten Lied, welches Thees am Schluss passend zur Jahreszeit in „Wien im Herbst“ umdichtete.

Als weitere Zugabe gab es noch einmal „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“, wobei das „Uuuuuuuuuuh“ endgültig zum Ohrwurm geworden ist (ich höre es immer noch ;-) – nach dem Abgang aller von der Bühne und teilweise Abbau der Instrumente hatte das Publikum immer noch nicht genug und tatsächlich, nach ca. zehn Minuten kam Thees mit der Gitarre wieder hinaus: Daraus wurde ein sehr stimmungsvolles „Die Schönheit der Chance“ – mehr gesungen vom Publikum als vom Sänger selbst.

Es war mein erstes Konzert von Thees Uhlmann, ich war sehr positiv beeindruckt, wie er sich von Anfang bis Ende verausgabt hatte. Nachher stand er auch für Autogramme zur Verfügung. Alles in allem: ein schönes, klasse Konzert; es hat Spaß gemacht; einfach 1A!

Was mir heute vom 13.10.2011 bleibt? Ich erlebte Thees Uhlmann in einem relativ kleinen Rahmen, ich stand sogar in der ersten Reihe. Mit der Arena erreichte Uhl die nächste Stufe, die Arena ist zwar größer als der Saal in der szene, hat aber immer noch Atmosphäre und ich stand auch wieder in der ersten Reihe.

Heutzutage ist Thees Uhlmann nur noch auf größeren Bühnen zu erleben und ich konserviere mir das schöne Erlebnis, dass ich ihn noch in einem intimen Rahmen erleben konnte, wofür ich dankbar bin.

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