Eine (wieder) etwas andere Buchempfehlung: Anke Schläger „Sonnenplätze“

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Weil ich in meinem WordPress-Konto gern mithilfe der Schlagwörter „schwerhörig“ und „Hörgerät“ nach relevanten Beiträgen suche, stieß ich auf einen Eintrag, der „Sonnenplätze“ von Anke Schläger besprach.

Die Rezension versprach eine etwas leichte Sommerlektüre, dennoch war ich sehr neugierig, wie die Schriftstellerin an das Thema „Schwerhörigkeit“ heranging. Doch bevor ich zu meinem eigentlichen Forschungsgebiet komme: Der Roman handelt von einer Mutter-Tochter-Beziehung, wobei die Männer in diesem Buch nicht zu kurz kommen.

Karin, die Mutter und Friederike, die Tochter spielen die Hauptrollen in diesem Roman. Die Geschichte wird auch kapitelweise aus den jeweiligen Perspektiven von Mutter und Tochter erzählt.

Nach dem Tod von Karins Ehemann und Friederikes Vater wird Friederike von ihrer Mutter mit einem dreiwöchigen Urlaub in Florida zwangsbeglückt. Diese Aktion erfolgt nicht ganz ohne Hintergedanken, da die Witwe auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit ihres verstorbenen Gatten gestoßen ist und sie den Schlüssel zur Aufklärung nur in Florida sieht. Darüber hinaus will Karin das nicht ganz friktionsfreie Verhältnis zu ihrer Tochter kitten.

In einer Ferienanlage auf Sanibel Island trifft Karin auf den geheimnisvollen Freund ihres verstorbenen Mannes und Friederike lernt dessen Sohn kennen. Es werden drei aufregende Wochen, die alle vier Menschen das bisherige Leben auf den Kopf stellen.

Im Nachwort lese ich, dass Anke Schläger eine Psychologin aus Münster kennt, die selbst hochgradig schwerhörig ist und somit als Vorlage für Friederike dient. Natürlich fühlte ich an vielen Stellen mit Friederike, die so wie ich auf dem linken Ohr fast taub ist und das Hören auf ihr rechtes Ohr ausrichtet.

Nach der etwas komplizierten Beschreibung über die Funktionsweise von Friederikes Hörsystemen fand ich auf Umwegen heraus, dass sie mit CROS-Hörgeräten versorgt wird. Auch versetzte mich eine Seite in Erstaunen, dass Friederike tatsächlich an einer Schwerhörigenschule die Gebärdensprache erlernt hatte. (S. 177) Friederike müsste ungefähr in meinem Alter sein und in meiner Generation war die Gebärdensprache an Schwerhörigenschulen verpönt. Abgesehen von dieser etwas umstrittenen Behauptung gelingt es der Schriftstellerin dennoch sehr gut, Friederike als eine real erlebbare Person zu beschreiben, die sich in Bezug auf ihr anderes Hören mit ihrer Vergangenheit und ihren Enttäuschungen konfrontiert.

Während des Lesens fragte ich mich natürlich, warum eine schwerhörige Person im Roman vorkommt. So ertappte ich mich dabei, wieder in den festgefahrenen Strukturen zu stecken, aber: Ist es nicht an der Zeit, es endlich als Selbstverständlichkeit hinzunehmen, dass auch ruhig öfter hörbeeinträchtigte Personen in Romanen vorkommen? (Hier erwähnte ich schon, dass es nicht immer die Oma oder der Opa sein muss.)

Auch ist es Anke Schläger gelungen, Friederike nicht ganz in einer Opferrolle zu stecken, sondern sie als eine Frau mit Träumen, Visionen und Zielen zu beschreiben.

Aber eines hat mich doch bis zum Schluss irritiert: Wenn Friederike, so wie die Schriftstellerin sie beschrieben hat, hochgradig schwerhörig ist – wieso kommen in dem Roman keine einzigen akustischen Missverständnisse vor? Dieser Roman spart nicht mit zwischenmenschlichen Dialogen und keines läuft ohne den für einen Hörbeeinträchtigten gewohnten „Patzer“ ab. Das schien mir doch etwas zu utopisch.

Dennoch: Alles in allem eine empfehlenswerte Lektüre und ich danke Anke Schläger für den Mut, dass sie sich als Laie an dieses herausfordernde Thema herangewagt hat.

Weiterführende Links:

https://www.anke-schlaeger.com/

https://www.audibene.de/cros-bicros/

4 Kommentare

  1. Ich kenne das Roman nicht und werde ihn auch nicht lesen. Aber bei Deinen Zeilen, wird mir ansatzweise klar, welche Auswirkungen die auditive Wahrnehmung auf unser Verhalten haben.

  2. Spannender Beitrag. Interessante Frage, warum Schwerhörige nicht einfach als Charaktere in einem Roman vorkommen sollen – warum man sie immer als Hauptfiguren casten muss. Ich muss mir das in Ruhe überlegen. Melde mich mal in einem eigenen Beitrag, wenn ich zu einem Schluss gekommen bin.

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