31.07.2021 – Granada beim Globe Wien Open Air

Granada. Das bedeutet vieles.

Zum ersten Mal tauchte der Name der Kapelle vor zwei, drei Jahren bei mir auf. Aber er versank wieder.

Erst im Frühling 2020 entdeckte ich ihre Musik, nachdem ich auf gut Glück probierte, ob für Ottakring, der Wiener Bezirk, in dem ich wohne, ein Lied gibt.

Granada haben etwas, was Wanda oder Bilderbuch nicht haben. Bilderbuch erlebte ich einmal als Vorgruppe von Casper im März 2014. Sie legten einen soliden Auftritt hin, aber als der Hype um sie losging, entschloss ich mich, gegen den Strom zu schwimmen. Ähnlich auch Wanda. Von Anfang an hochgefeiert, machte ich erst recht einen großen Bogen um sie und stolperte doch über ein paar Hörproben, die mich nicht überzeugten.

Ja, auf den ersten Blick können Sie behaupten, sind doch alle gleich. Nein, sind sie nicht. Granada kommen mir bodenständig vor. In einem Interview erwähnte Sänger Thomas Petritsch, der aus Graz stammt, dass STS zu seinen musikalischen Vorbildern zählt. Mir gefällt das Verspielte in ihren Texten, die hauptsächlich aus der Feder von Thomas Petritsch stammen. Und wenn Sie zwischen den Zeilen lesen, liegt in den Worten eine gewisse Ernsthaftigkeit, die Sie mit einem Lächeln auf den Lippen umspielt.

Schon fragte ich mich, warum ich nicht früher auf ein Konzert von Granada gegangen bin. Und dieses Jahr hätte es auch fast gar nicht geklappt, aber ich erspare uns allen die näheren Ausführungen.

Weil, ich war endlich auf einem Konzert von Granada.

Und weil das Ganze relativ kurzfristig geschah, kaufte ich mir erst eine Woche vor dem Konzert die CDs „Granada“ und „Ge bitte“ und saugte ihre Musik so gut wie möglich auf.

Zugegeben, am Samstag früher Abend, ach was, das ging schon den ganzen Tag so, machte ich mir hin und wieder vor Angst in die Hose, weil ich mich auf eine Großveranstaltung begeben würde.

Großveranstaltung im Sinne von ausreichend bemessenen Abstandsregeln, zugewiesenen Sitzplätzen und humanen Hygienebestimmungen.

Aber ich sagte zu mir, wannst ned pasd, kaunst jedazeit gehn.

So weit kam es nicht. Es ging auch nicht.

In den höchsten Tönen loben möchte ich die Getränkevorbestellung beim Globe Wien Open Air. Ich nutzte das Angebot, damit ich mir das Anstellen an der Bar ersparen konnte und als ich an meinem Sitzplatz eintraf, warteten bereits zwei gekühlte Raschhofer auf mich.

Mir gefiel die Atmosphäre auf dem Gelände von St. Marx, der nun – nachdem ich vor fünf Jahren das letzte Mal dort „wildurbing“ war – ziemlich zugebaut ist. Aber schön, dass noch ein Fleckchen für die Freiluftbühne hinter der Marxhalle über geblieben ist.

Gegen 19:40 Uhr betrat Anja Om die Bühne und als Einfrauband bespaßte sie uns ca. 20 Minuten lang. Währenddessen war ich hin und her gerissen, ob ich ihr zuhören oder mein mitgebrachtes Buch weiterlesen sollte.

Die Sitzplätze füllten sich nur zögerlich, anscheinend sind da Kenner am Werk, die wohl wissen, dass Granada es mit der Pünktlichkeit nicht so genau nehmen. (Oder: Die Gesichtsbuch-Fraktion ist einfach top informiert!)

Doch kurz nach 20:15 Uhr vernahm ich aus den hinteren Reihen Gejohle und ich drehte mich um. Da schritten tatsächlich die Musiker um Thomas Petritsch durch den Gang zwischen den Sitzreihen, klatschten rhythmisch in die Hände und enterten die Bühne.

Ein Sympathiepunkt mehr.

Und es wurde a cappella „Laaang, so lang is her“ gesungen. Die ersten Reihen standen auf. Ich tat es ihnen gleich und der Großteil des Publikums kam nicht auf den Gedanken, sich während des Konzerts wieder hinzusetzen.

Mit „Ka Feia“ legten Granada los und hatten das Publikum voll im Griff. Die Stimmung fühlte sich sehr positiv an und wir feierten zu „Sauna“ und „Lieber gern als hier“. Ich konnte mir nicht helfen, ich sang zumindest zu den Refrains der Lieder mit. (Wobei der Refrain von letztgenanntem Lied seit ein paar Tagen mein aktueller Ohrwurm ist.)

Es war einfach unmöglich, brav sitzenzubleiben und ein bisschen mitzuwippen. Es riss einen einfach mit und was Granada oben auf der Bühne gaben, ließ mich oft mit einer hilflos-freudigen Euphorie zurück.

Nach „Spür die Sunn“ erwähnte Gitarrist Lukacz Custos H.C. Artmann, der Klang kam relativ leise herüber, die Moderationen verstand ich kaum, aber wenn mensch etwas vorbereitet zum Konzert kommt, weiß mensch auch, dass Granada zum 100. Geburtstag des genialsten Mundartdichters auch einen musikalischen Beitrag geliefert haben. Ein Gedicht, das ich bisher noch nie musikalisch vertont gehört hatte: „Schembrun“.

Wer die Interpretationen von Willi Resetarits und Hansi Lang kennt, wird vielleicht die von Granada etwas ungewohnt finden. Aber live kam es an!

„Pina Colada“ und „Eh ok“ brachten die Sanges- und Tanzwütigen wieder zum Kochen, aber eh, das fand ich lobenswert am Publikum. Bis auf wenige Ausgeflippte blieben wir bei unseren zugewiesenen Sitzplätzen stehen und dank der Beistelltische für die Getränke hatten wir genug Platz zum Hüftschwingen, ohne dem anderen nahe kommen zu müssen. Dass auch teilweise heftig gesungen wurde, war nicht zu vermeiden. Wäre aber auch beim Sitzen passiert.

Gitarrist Lukacz übernahm wieder die Hauptstimme und begeisterte mich in „Verwoitn“, eine der wenigen Lieder, die nicht aus der Feder von Thomas Petritsch stammen. Anschließend erklangen zwei Nummern, die ich nicht erkannte – verzeihen Sie bitte einer Granada-Novizin! Aber „I sogs da glei“ und „Berlin“ machten ois wieder wett.

Ich konnte immer noch nicht fassen, dass ich mitten in einem leiwanden Konzert steckte. Ab und zu hatte ich natürlich den unangenehmen Gedanken, ob ich mich nicht zu leichtsinnig verhalte, aber verdammt…

Nach „Mei Velo“, einem neuen Lied, erklangen schon Abschiedstendenzen und die Band wurde vorgestellt: Thomas Petritsch und Lukacz Custos erwähnte ich schon, Roland Hanslmeier am Schlagwerk und Alexander Christof am Akkordeon. Bassspieler Jürgen Schmidt feierte an diesem Tag seinen Geburtstag. Aus dem Publikum vernahm ich den Versuch, „Happy Birthday“ zu singen, aber es ging im Applaus unter.

Natürlich habe ich mir auf YouTube die neuen Lieder angehört und ich gewann den Eindruck, dass die Nummern leicht ins Elektronische abdriften. Dennoch bin ich gespannt auf das dritte Album, das noch hoffentlich in diesem Jahr erscheinen wird.

Nach „Blüte“, einem weiteren neuen Lied, gingen die Musiker von der Bühne ab. Kaum begann das Publikum „Zugabe!“ zu rufen, waren sie wieder da.

Aber erst einmal nur Thomas und Alexander. Ich grinste breit. Es konnte nur noch das Lied kommen, das im Original von Billy Joel stammt. „Wien woat auf di“. Inklusive textsicherem Publikumsgesang. Schee woa’s.

Nun stand Thomas allein mit Akustikgitarre und gab uns die Anfangszeilen zum berührenden „Vom Herz kummt“. Das Lied drückte bei der einen oder anderen Konzertbesucher:in auf die Tränendrüse. Wenn Sie das Lied nicht kennen, hören Sie es sich an. Es lohnt sich!

Doch unmittelbar danach kam nun DAS Lied, mit der alles begann.

Ich fragte mich kurz, warum ich eine Flasche Raschhofer statt einen Ottakringer in der Hand hielt, aber dieses Bier hatte das Wiener Globe nicht im Angebot.

Doch „In Ottakring, in Ottakring/ Wo das Bitter so vü siaßer schmeckt ois iagendwo in Wien/ In Ottakring, in Ottakring…“ setzte meinem Grübeln ein Ende und ich konnte mich nicht dagegen wehren, die Hymne meines Heimatbezirkes mitzuschmettern.

Und dann, am Ende, erklang, irgendwie passend zur derzeitigen Urlaubsstimmung: „Palmen am Strand“.

Nach knapp 90 Minuten war es vorbei.

Ja, ich hätte es mir gewünscht, dass Granada ruhig noch ein, zwei Nummern länger gespielt hätten.

Aber es war schon so leiwand, in diese fantastische Live-Stimmung hineintauchen zu können.

Und dieses Gefühl danach. Wann war es das letzte Mal, als eine so euphorische Stimmung noch sehr lange in mir nachwirkte?

„Laaang, so lang is her.“

Offizielle Webseite von Granada: granadamusik.com

2 Kommentare

  1. Dies hoert sich alles nach einer sehr gelungenen Veranstaltung an. Bis dato hatte ich noch nie von Granada gehoert. Immerhin sind im amerikanischen Store von Apple Music drei ihrer Alben vertreten. Wusstest Du, dass ein neues auf dem Weg ist? Der Titel ist „unter Umstaenden“, und es soll (hier) am 8. Oktober herauskommen.

    Meine erste Grossveranstaltung steht mir noch bevor: Southern Avenue auf der Sommerbuehne des Stony Pony in Asbury Park am 14.8. Ein Ticket habe ich bisher allerdings noch nicht.

    Die Deltavariante des leidigen Virus, die sich auch in Amerika rasch ausbreitet und die Tatsache, dass man auch als Geimpfter den Virus offenkundig genauso uebertragen kann wie Nichtgeimpfter, machen mir schon Gedanken – zumal meine Frau und mein Sohn nicht geimpft sind!

    Wenn ich zum Konzert gehe, was ich wahnsinnig gerne tun wuerde, wird es wohl auf jeden Fall mit Maske als zusaetzliuchem Schutz sein. Ich war von ein paar Tagen in Asbury Park, als auf der Sommerbuehne des Stone Pony ein anderes Konzert stattfand (die amerikanische Punkband Rise Against). Gemessen an dem, was ich sehen konnte, standen die Leute dort schon dicht gedraengt. Von Sicherheitsabstaenden war nicht viel zu sehen.

    1. Danke fuer Deine Worte!
      Ah, da bist Du ja besser informiert als ich, was das neue Album von Granada betrifft :-)

      Southern Avenue wuerde ich auch sehr gerne live erleben, daher rate ich Dir unbedingt zum Ticketkauf und wuensche ich Dir schon mal im Vorab ein schoenes Konzert!

      Hier in AT hat Delta auch mittlerweile die Oberhand gewonnen und ich gebe zu, als Ungeimpfte waere ich wahrscheinlich nicht zum Konzert gegangen. Ich hatte zwei Wochen vorher ein Konzert in Erfurt, auf das ich mich so sehr freute, weil es vor der stilvollen Kulisse der Barfuesserkirche-Ruine stattfand. Aber dort wurde 3G nicht geprueft und die Menschen verrueckten mutwillig die Stuehle, wie es ihnen passte. Schlussendlich hatte ich dann zwei bis vier Leute ziemlich dicht bei mir. Als die Musiker auf der Buehne kamen, wurde 10 Minuten spaeter heftig getanzt und ich fuehlte mich irgendwie eingeschlossen im Geschehen und weitere 20 Minuten spaeter verliess ich das Konzert. Es war nicht zum Aushalten – dagegen kam mir das Publikum bei Granada gesitteter vor. Ich hatte nie das Gefuehl von Enge gehabt, wofuer ich eigentlich sehr anfaellig bin.

      Ich hoffe, Deine Frau und Dein Sohn kommen bald zu ihrer Impfung.
      Leider macht sich die Runde der Impfverweigerer bemerkbar. Es ist eine Schande, dass mittlerweile in Wien die Moeglichkeit gibt, an fast jeder Ecke geimpft zu werden und viele Menschen nehmen das Angebot nicht wahr.

      Greetings from Vienna, AT!

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