Sori geht ins Kino: „Space Dogs“

Eigentlich wollte ich im weltweiten Netz nur die Wiener Veranstaltungsstätten nach geeigneten Freiluftkonzerten abklappern. Und gut erreichbar mit den Öffis sollen sie auch sein. Also schaute ich auch auf der Webseite von der Arena nach.

Und stieß auf „Kaleidoskop – Film und Freiluft“. Wenn schon kein Freiluftkonzert, dann wollte ich mir ein Kinofilm unter freiem Himmel ansehen. Und ich entschied mich für „Space Dogs“, weil der Film barrierefrei gezeigt wird.

Wenige Tage vor der Vorstellung las ich eine gute Kritik im „STANDARD“ und weil das Wetter am Freitag ganz passabel war, fuhr ich rechtzeitig zur Arena. Der Film läuft nämlich auch regulär in ausgewählten österreichischen Kinos und ich ging davon aus, dass viele Menschen das kostenlose Angebot nutzen wollten.

Beim Einlass registrierte ich mich ganz altmodisch mit Zettel und Stift und musste meinen 3G-Nachweis vorlegen. Ich kam auf das noch menschenleere Gelände, wurde ein wenig nostalgisch, weil ich dort ein paar Mal zur Livemusik feiern konnte und holte mir ein Bier.

Da der Bereich, wo die Induktionsanlage installiert war, nur aus Heurigenbänken bestand, wollte ich noch ein bisschen Komfort genießen und versank erst einmal in einer Strandliege. Ist ja noch Zeit bis zum Filmbeginn und blätterte in einem Magazin.

Während ich las und Bier trank, sah ich, wie ein paar Mitarbeiter die Heurigenbänke wegräumten. Ich fragte mich, was das nun werden soll und nach ca. zwanzig Minuten sah ich dann, dass statt des sperrigen und unbequemen Mobiliars nun ein paar Strandliegen platziert wurden. „Noch besser“, dachte ich. „Bevor die Vorstellung anfängt, hole ich mir noch ein zweites Bier und gehe nach vorn.“ Gedacht, getan.

Kurz nach 21 Uhr betraten zwei Mitarbeiter:innen vom Kaleidoskop und eine Gebärdensprachdolmetscherin die Bühne. Anschließend wurden Elsa Kremser und Levin Peter, die hinter dem Film „Space Dogs“ stehen, vorgestellt und ein sehr aufschlussreiches Quiz mit vier Menschen aus dem Publikum gespielt. ÖGS-inkompetent und die DGS immer mehr vergessend, wie ich bin, achtete ich mehr auf die Akustik und stellte erfreut fest, dass die Induktion mit wenigen Abstrichen funktionierte. Bei einer Moderatorin vernahm ich ein Flirren, wenn sie in ihr Mikrofon sprach. Keine Ahnung, ob nur ich als einzig Induktive das gehört hatte oder auch die Guthörenden bzw. Verweigerer der Induktionsanlage. (Nebenbei erwähnt: Ich sah zwei weitere Hörgeräteträger. Fesche Männer mit wunderbar gestylten Hörgeräten. Bei dem einen die HdO-Systeme von der Banane bis zum Otoplastik ganz in schwarz, bei dem anderen schön silbrig glänzend. Aber sie saßen hinten. Außerhalb des Bereiches der Induktionsanlage. Ein trauriges, aber gutes Beispiel, dass Induktion nicht bei allen Hörgeräteträger:innen ankommt. Nein, nicht weil sie keine Ahnung haben. Sondern, weil diese Technik kaum propagiert wird. Und Hörakustiker:innen auch selbst nicht auf die Idee kommen, ihren Kund:innen von den Vorteilen des Induktionsprogramms zu überzeugen.)

Die Einführung dauerte ca. eine halbe Stunde und nun konnte endlich der Film beginnen. Da möchte ich schon zugeben, dass in diesem Film das Gesprochene nicht so sehr im Vordergrund steht. Es sei denn, jemand beherrscht die russische Sprache. Aus dem Off sprach ein gewisser Alexei W. Serebrjakow in seiner Muttersprache, die Untertitel wurden in deutscher und englischer Sprache gezeigt. Wobei die deutschen Untertitel ein Äutzerl barrierefreier waren, da auch die Hintergrundgeräusche und die musikalischen Stimmungen mit Worten sehr genau beschrieben wurden.

Dennoch genoss ich den Film über die Induktion, weil wenn ich mir einen Film ansehe und ihn auch mit Ton höre, möchte ich das beste Hörerlebnis haben. Zuhause schaue ich auch nur mehr mithilfe meines Unite TV Streamer fern, es sei denn, ich habe Lust auf tonlose Filme, da sind schon die Hörgeräte draußen, der Ton abgedreht und ich sehe mir einen Film mithilfe der Untertitel an. Kommt auch ab und zu vor.

Hauptdarsteller in diesem Film sind zwei Moskauer Straßenhunde, die der Legende nach den Geist von Weltraumhündin Laika in sich tragen. Laika war auch ein Straßenhund und wurde für einen höheren wissenschaftlichen Zweck missbraucht. Als erste Hündin flog sie in den Weltall und sie hätte auf die Erde zurückkehren sollen. Beim Eintritt in die Stratosphäre verglühte die Kapsel mit ihr. Die Szene mit dem Verglühen wurde mit einem solch dramatischen musikalischen Akkord untermalt, dass es einem durchs Mark und Bein fuhr.

So gelassen wie die zwei Hunde durch Moskau trabten, so gelassen empfand ich auch die Stimme von Serebrjakow. Und zwischendurch Originalaufnahmen aus den russischen Versuchslaboren. Ich vermute ganz stark, dass Elsa Kremser und Levin Peter nur die harmlosesten (oder zumindest der Öffentlichkeit zugelassenen) Aufnahmen gezeigt haben, aber diese Bilder waren Anlass genug, mir in meiner Phantasie ausmalen zu können, welche grausigeren Versuche noch mit den Hunden unternommen worden sind.

Ein Moskauer Hundeleben ist hart. Dieser Film macht auch keine Ausnahme. Die Szene, als eine Protagonistin eine Katze zwecks Nahrungsaufnahme schnappt und sie auch tötet, war schwer auszuhalten. Aber ich blieb dennoch sitzen, weil, es ist nun einmal kein Disney-Film, sondern ein Dokumentationsfilm über ganz besondere Geschöpfe auf Erden, die sich (un)freiwillig in die Abhängigkeit der Menschen begeben.

Weil ich weder Hund noch Katz als Haustier habe, beide aber aufgeschlossen gegenüber zeige, kann ich den Film dennoch nicht jeden empfehlen. (Katzenliebhaber:innen ganz sicher nicht!)

Aber der Film war sehenswert, weil er einen sehr tiefen, wenn nicht sogar sphärischen, Eindruck bei mir hinterlassen und auch sehr zum Nachdenken angeregt hat.

Und ich danke den Organisator:innen vom Kaleidoskop recht herzlich, die es ermöglicht haben, den Film barrierefrei zu zeigen. Ich bin nächstes Jahr gern wieder dabei!

Offizielle Webseite zum Film: https://www.raumzeitfilm.com/spacedogs-kino

6 Kommentare

  1. Ich lese die Warnung in Deinem Text (Katzenliebhaber und Katzenliebhaberinnen) und nehme sie ernst. Da reagiere ich, muss ich ehrlicherweise zugeben, tatsächlich sehr empfindlich. :-) Laika war hier im Osten zu ihrer Zeit fast so etwas wie Kult. Da wurde das schlimme Ende gerne ausgeblendet. Da galt sie als Wegbereiterin für Juri Gagarin und die bemannte Raumfahrt schlechthin.

  2. Als ich die Warnung im Text schrieb, musste ich auch an Dich denken. Die Szenen waren nicht wirklich schön zum Ansehen, angeblich haben viele Menschen vor zwei Jahren bei der Premiere in Locarno an dieser Stelle den Saal verlassen. Aber hätten die Regisseure eingreifen sollen? Bei tierischen Dokumentarfilmen überlebt immer der Stärkere.

    Das wurde auch im Film recht verdeutlicht, dass Laika buchstäblich von ganz unten zum Star wurde. Bizarrer wurde es mit Belka & Strelka, die auch im Film erwähnt wurden.

    Juri Gagarin. DER Kosmonaut. In Erfurt gibt’s immer noch den Juri-Gagarin-Ring und die riesige Kopfbüste.

  3. Interessante Feststellung, die Du da über Induktion machst. Ich muss mich mal erkundigen, wie ich mit meinen Phonak Naida überhaupt Induktion höre. Ich bin gar noch nicht auf die Idee gekommen, man war ja auch wenig im Ausgang.

    1. Liebe Frau Frogg,
      ich weiss nicht, wie die Situation in der Schweiz ist, aber hier musste ich feststellen, dass die Hörakustiker:innen sich nicht einmal die Mühe machen, ihren Klienten das Induktionsprogramm in ihren Hörsystemen zu aktivieren.
      In meinen Hörgeräte-Tagebüchern vergangenes Frühjahr berichtete ich ausführlich über meine Erlebnisse. Der erste Hörakustiker reagierte ziemlich unwirsch, als ich ihn darum bat, dass er in die Hörsysteme die Induktion programmieren soll. Bei der zweiten musste ich das Atmen wieder neu erlernen, als sie mich fragte, warum ich das Induktionsprogramm brauche. Aber sie hat es mir zumindest widerstandslos einprogrammiert.

      Also, ein blosses Hörgerät reicht nicht, um induktiv hören zu können. Das Programm muss aktiviert werden. Bitte spreche diesbezüglich mit Deinem Hörakustiker darüber.

      Früher, bei den analogen HdO-Systemen war die Telefonspule („T-Spule“) Standard. T-Spule und Induktion sind zwei verschiedene Begriffe, meinen aber das Gleiche.
      Seit C profitiere ich in der Arbeit von der T-Spule, weil ich, um persönlichen Kontakt mit meinen Kolleginnen zu reduzieren, stattdessen zum Festnetztelefon in der Arbeit greife und das Hörgerät vorher auf Induktion/T-Spule umschalte und da geht das Telefonieren sehr gut!

      Induktion ist eine alte, aber sehr bewährte Technik. Aus welchen Gründen auch immer setzt die Hörgeräte Inc. auf Bluetooth. Dabei funktioniert die Induktion, wenn die entsprechende Ringanlage auch installiert ist.
      Bitte achte doch auf das blaue Symbol, wenn Du öffentliche Gebäude betrittst. Ich bin der Meinung, da seid Ihr um einiges voraus als die Österreicher.

  4. Danke für den Hinweis. Meine Hörgeräte-Akustikerin hat bis jetzt immer auf Durchzug gestellt, wenn ich das Wort „Induktion“ erwähnte. Ich versuche es unter dem Eindruck Deiner Erläuterungen demnächst nochmals.

  5. Wieder etwas gelernt: „Induktionsanlage“. Ich kann mich erinnern, darüber etwas gewusst zu haben. Doch nun hätte ich ja Bedarf und prompt alles wieder vergessen …

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