13.06.2021 – Ernst Molden & Der Nino aus Wien im Rabenhof-Theater

Der aufmerksame Blogleser (m/w/d), der eventuell schon seit längerem mein Geschreibsel verfolgt, wird wissen, dass ich Ernst Molden zu meinen liebsten Musikanten zähle.

Für den Nino aus Wien dagegen habe ich nicht viele Worte verloren, obwohl ich ihn zwei Mal sah. Das erste Mal beim Popfest 2011 und das vorerst letzte Mal im Oktober 2012 mit Ernst Molden im Theater am Spittelberg.

Ich fand den Auftritt von Nino fürchterlich und somit war er für mich kein Thema mehr.

Mit einer Ausnahme: Auf „es lem“ singt Ernst mit Nino wunderschön harmonisch „blaue aung rode hoa“. Es gehört sogar zu meinen liebsten Liedern auf diesem Werk, aber live bekam ich es nie zu hören. Ist auch kein Wunder, wenn ich den Nino aus Wien live nicht erleben wollte.

So ist auch „Unser Österreich“ das einzige Album aus der Molden’schen Diskographie, das ich nicht in meiner Musiksammlung besitze.

Warum dann der plötzliche Sinneswandel?

Im heurigen Frühjahr las ich im „STANDARD“ (Mittlerweile meine bevorzugte Tageszeitung, nachdem der „Kurier“ zum „Kurzier“ mutiert worden ist.) eine Besprechung zum neuen Gemeinschaftswerk von Ernst & Nino namens „Zirkus“.

Ich habe selbst in meinem Leben drei Zirkusvorstellungen besucht und in meinen jungen Jahren sehr gern „Stars in der Manege“ geschaut. Aber für eine gewisse Faszination hat es nie gereicht.

Und weil der Artikel sehr ansprechend war und daraus auch die erste Zeile aus dem ersten Lied „warad i a clown“ zitiert wurde, wurde ich neugierig und sah mir auf YouTube das dazugehörige Video an:

Ich kann es nicht in passenden Worten kleiden, aber es hat mich irgendwo da drinnen berührt. Kurze Zeit später sah ich das Video zu „jabanische nochd“, das im Wiener Zirkusmuseum aufgenommen wurde:

Nachdem ich das Balkonkonzert am 29. März 2021 besuchte, wollte ich mich erkenntlich zeigen und erstand bei der MedienManuFaktur Wien die „Zirkus“. Schon während des ersten Anhörens war ich hin und weg und ich bin immer noch ganz angetan von diesem Werk. Meine liebsten Stücke sind „warad i a clown“, „für immer“, „café der artisten“ und „jabanische nochd“.

In meinem Fall brauchte ich kein Clown zu sein, ich habe so oder so das Vertrauen in die Welt verloren. Die Pandemie hat das hässlichste Antlitz der Menschheit entblößt und ich habe in den letzten Monaten einen hohen Preis dafür bezahlt, weil ich einen Weg gehe, den die ignorante, mit dem Strom schwimmende Mehrheit nicht akzeptieren will. Aber ich tue nur das, worin ich mich wohl fühlen und hoffentlich keinem anderen einen Schaden zufügen kann. Und: Außenseiter kann ich schon seit meiner Zeit am Gymnasium. Ist im Moment halt nur etwas heftiger als sonst, aber was mich in meiner Jugend geprägt hat, das verlässt mich nie.

Die ach so tolle Regierung hat mit 19. Mai 2021 die Pandemie in Österreich für besiegt erklärt und weitreichende Öffnungen vollzogen. Aber nicht, dass Sie denken, ich drücke meine Nase gegen die Scheibe platt und renne zu meinem erstmöglichen Konzert. Sehr viel Abwägen, sehr viel Nachforschen, und vor allem, mir erlauben, wählerisch zu sein, wen ich mir live geben möchte.

Den „Zirkus“ wollte ich auf jeden Fall in konzertanter Form erleben und so stand mir mein erstes richtiges Konzert am 13. Juni 2021 bevor. (In diesem Jahr hatte ich bisher nur zwei Balkonkonzerte von Ernst Molden besucht, ich schrieb auch darüber.)

Am Sonntagnachmittag, 13. Juni 2021 spürte ich ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch… nach 7 ½ Monaten wieder ein richtiges Konzert besuchen!

Und nach einem Monat ging es wieder mit der U3 nach Erdberg zum Rabenhof-Theater!

Kurz nach 20 Uhr betraten Ernst Molden & Der Nino aus Wien die Bühne. Nachdem die beiden Herren auf ihren Sesseln Platz genommen hatten, ließ Nino lakonisch „Es ist grad noch ausgegangen.“ zur Begrüßung los.

Und nun hieß es „Manege frei!“ für Ernst und Nino: „flinker flunker jo da kummd a/ zirkus is wieda in town/ olle woatn auf a wunda/ jedes auge staund…“

Nach der „Zirkusmusik“ erwähnte Ernst, dass Musikanten ein ähnliches Leben wie Zirkusartisten führen und wir bekamen „Losfoan“ geboten. Anschließend lieferte er uns ein interessantes Detail, dass die beiden Herren schon vor drei Jahren begannen, an diesem Album zu arbeiten und ihn anlässlich des Films „Ein Clown | Ein Leben“ zu vertonen.

Ich weiß nicht, wie oft ich es von Ernst gehört habe, wenn er ins Publikum fragt, ob jemand Will Oldham aka Bonnie Prince Billy kennt. Für „Zirkus“ nahmen Ernst und Nino die weanerische Fassung von „I See A Darkness“, „I siech wos Finstas“, neu auf.

Da ich während des Konzerts die Setliste nicht mittippte und so gut wie keine Fotos machte, gebe ich keine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der nächsten Lieder. Nur: Es war so schön, wieder Livemusik zu hören. Auch war der Klang vom Feinsten. So positiv hatte ich es bisher im Rabenhof-Theater, wo ich schon ein paar Mal war, noch nie erlebt oder liegt es nur an den Entzugserscheinungen? Moldens Moderationen verstand ich überraschenderweise recht gut, da er für seine leise Sprechstimme bekannt ist. Nino dagegen verstand ich kaum, da er es vorzog, bei seinen Ansagen ins Mikrofon zu nuscheln.Nach den ersten drei Zirkusnummern folgte anschließend eine ausgewogene Mischung aus Eigenkompositionen, Stücke aus „Unser Österreich“ und natürlich weiteren Liedern aus dem „Zirkus“.

Nach „Liliputaner“, das im Original von Österreichs Universalkünstler André Heller stammt, und „Schwoazzmarie“ erwähnte Ernst Molden einen gewissen Hugo Khittl, der sogar ein Erdberger gewesen sein soll und viele Lieder mit Wolfgang Ambros geschrieben hat. Nino stimmte daraufhin die ersten Zeilen aus „Du schwoaza Afghane“ ein, aber bevor ich „HEROINSPAZIERT“ schreien konnte, brach er schon ab und Ernst sprach weiter. Ich war natürlich etwas enttäuscht, aber das hielt nur kurz, denn ich wurde mit einem noch schöneren Lied aus der Feder Khittls belohnt: „Espresso“. Des woa so sche!

Die „Jabanische Nochd“ durfte zu den Höhepunkten des Zirkusabends gehören. Ein kurzer schlichter Text und harmonischer Zweigesang. Schön war zu sehen, als ein roter Punkt über Ernst auf die Bühne leuchtete.

Aus Moldens Schaffenswerk gab es „Ho Rugg“, den Nino textsicher beherrschte, zu hören und das Lied bekam noch ein Äutzerl Gewürz, indem Molden die Gitarrensolos gekonnt hörbar in die Länge zog.

Von Nino gab es den „Taxi Driver“ („Are you talkin‘ to me?“) und „Es geht immer ums Vollenden“. Für letztere trug Ernst sogar ein Leiberl, das mit den Worten des Liedtitels bedruckt war. Spaßig war die Einleitung zu diesem recht textlastigen Lied, wie Ernst darauf aufmerksam wurde und es Zeile für Zeile auswendig lernte. Einmal verstand ich Ninos Kommentar und musste schmunzeln, als er meinte, dass er beim Schreiben so lange braucht und deshalb seine Texte immer kürzer werden.

Auch eine Zirkusvorstellung neigt sich dem Ende zu und die Manege, bestehend aus zwei Wiener Musikanten, die miteinander harmonierten, hier und da wenige menschliche Fehler erlaubten wie Textzeile vergessen oder zu früh die nächste Strophe anstimmen, aber ansonsten kongenial existierten und sich im Dialog launig ergänzen konnten und öfters übers ganze Gesicht strahlten, weil sie wieder vor einem richtigen Publikum spielen konnten. Es ist ein Genuss, die beiden miteinander zu erleben!

Zum Glück legte Ernst an diesem Abend seine obligatorische Sonnenbrille schon nach der dritten Nummer ab und es war eine Freude, des Öfteren seine strahlenden Augen zu erblicken.

„Und weil jede Nacht zu Ende geht…“: Mit diesen Worten erklang „Für immer“ und als letztes Lied „Warad i a Clown“.Das zahlenmäßig reduzierte Publikum war auch sehr dankbar und applaudierte heftig, johlte und trommelte mit den Füßen. Zum Glück kamen Ernst und Nino für zwei weitere Zugaben zurück.

Zunächst erklang Georg Danzers „Vorstadtcasanova“ und als Ernst andeutete, was als letztes Lied kommen würde, grinste ich immer breiter hinter meiner Maske. Ernst erzählte wieder von seiner Begegnung mit Nino und als er ihn darum bat, mit ihm gemeinsam ein Lied für sein Album aufzunehmen. Ich wusste, dass es sich nur um „blaue aung rode hoa“ handeln konnte. Ernst meinte, dass das Stück auf seinem Album „es lem“ drauf sei. Nicht vor Freude schreien, Sori! Aber unweigerlich fielen die Worte, dass es sich tatsächlich um „blaue aung rode hoa“ handelte. Ich konnte mich nicht mehr beherrschen und ließ ein lautes, scharfes „JA!“ heraus. Nino nahm meinen Ausruf schmunzelnd zur Kenntnis… zehn Jahre darauf gewartet und an diesem wundervollen Abend, den ich nicht so schnell vergessen werde, bekam ich zum Abschluss dieses Lied.

Danke für die schönste Zirkusvorstellung, die ich erleben durfte!

8 Kommentare

  1. Dies hoert sich nach einem sehr gelungenen „richtigen“ Konzert nach langer Zeit an!

    Eigentlich hatte auch ich mir ueberlegt, am Wochenende endlich wieder einmal Livemusik zu hoeren – ein guter Neil Young Tribute Kuenstler mit einer Klasse Backing Band.

    Intelligenterweise dachte ich die Veranstaltung sei am Sonntag. Die Sache fand allerdings am Samstag statt. Nun ja, vielleicht ja mehr Glueck beim naechsten Mal! :-)

    1. In der Tat, das war ein sehr feines Konzert!

      Ha, mir scheint’s, der lange Entzug hat solche Auswirkungen bei Dir hinterlassen, so dass Du schon anfaengst, Termine zu verwechseln? ;-)

  2. Hach…. das fehlt halt. Konzertbesuche. Und dann noch in Wien! Molden!
    Hab gerade Max von Milland kennengelernt und gestaunt, dass mir doch noch „was Neues“ gefallen kann. Kein Wiener zwar, aber so ein Danzer/STS-Erbe so scheints.

    1. Ich gestehe, Max von Milland war mir bisher kein Begriff, aber ich werde ihn mir gern anhören, wenn ich die Muße dazu habe. Danke für den Hinweis!

      1. Mir bis vor 3 Wochen auch nicht. Aber nu hab ich seine CD „Der Oanzige“(2021) – und die läuft recht oft.

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