27. bis 28. Februar 2021 – Ghost Festival in der Schweiz

Durch meine Liebe zur Musik von Patent Ochsner wurde ich auf das Ghost Festival aufmerksam. Ich kaufte mir ein Tagesticket um 20 Fränkli, anscheinend darf ich es mir aussuchen, an welchem Tag ich das Festival besuchen kann.

Wo in der Schweiz findet das Festival statt? In Bern, der Hauptstadt? In Zürich, der Metropole? Oder vielleicht doch in Basel, wo ich noch nie war?

Das sogenannte „Line-Up“ liest sich interessant an: Ich würde neben Patent Ochsner die Möglichkeit bekommen, unter anderem Sina, Stiller Has und Züri West, die liebste gegnerische Band der Ochsen, erleben.

Wenn ich nur wüsste, wohin ich fahren sollte. Ich habe die Zugfahrkarten für die geplante Reise nach Zürich/Bern im November 2020 storniert, als die Konzerte von Patent Ochsner im Bierhübeli wieder verschoben wurden und auch die pandemische Situation sich wieder verschlimmerte.

Für die stornierten Zugtickets habe ich Wertgutscheine erhalten, die könnte ich doch einlösen. Aber ich muss doch wissen, wohin ich fahre. Auch will das österreichische Außenministerium informiert sein, wann ich von wo wieder nach Österreich einreise, herrscht doch mittlerweile Registrierungspflicht. Aber in die Schweiz kann ich problemlos einreisen, haben die Eidgenossen Wien von der roten Liste wieder heruntergenommen.

Und bekomme ich dann ein Abteil für mich allein, wenn ich im Nachtzug sitze? Ich möchte nicht stundenlang die Maske aufsetzen. Obwohl, mir graust’s auch schon bei den Gedanken an die Toiletten im Nachtzug.

Ach, nein? Ich muss gar nicht in die Schweiz fahren, um das Ghost Festival zu besuchen. „Ghost“ ist das englische Wort für Gespenst. Also werden weder Patent Ochsner noch Züri West auftreten. Hm, zu dumm, ich hätte es gern erlebt, wie die beiden Formationen sich über den Weg laufen würden.

Und das Ticket zum Vorzeigen brauchen die Einlasskontrolleure auch nicht zu kübeln oder zu zerreißen, wie ich es bisher von ihnen gewohnt bin. Na gut.

Gerade rechtzeitig angekommen: Das Bändeli und viele schöne Extras. Merci vielmals!

Und das heißt auch, dass ich mir kein Bier an der Bar zu holen brauche. Schade, ich hätte gern den Doppelleu Boxer probiert, wird dieser doch als offizielles Festivalbier gehandelt. Und dann mittendrin unter all den SchweizerInnen, in mich hinein grinsend, doch hingebungsvoll der Livemusik zugelauscht. Ich würde auch einen Blick auf den Verkaufsstand werfen und hätte mir eventuell ein T-Shirt gekauft. Oder noch besser, einen MNS im Design des „Ghost Festivals“.

So kann ich in Wien bleiben und die Veranstaltung vielleicht online verfolgen. Treten die einzelnen MusikerInnen dann vor den Kameras auf? Finden Sitzungsmarathons via Skype, zoom etc. statt?

Zwar bin ich keine große Freundin von online live Konzerten, weil sie niemals die einzigartige Atmosphäre eines Livekonzertes erschaffen können, aber in Zeiten wie diese doch besser als nichts.

Ich würde mich also selbst mit meinem Lieblingsbier versorgen. Nachdem ich den ersten Schluck in meiner Kehle herunterrinnen lasse, lehne ich mich auf meiner Couch zurück und schaue dann auf den Bildschirm meines Tablets, was passieren würde.

Nichts.

Es heißt ja „Ghost Festival“.

Ich würde nicht einmal auf verschiedenen, bewegten Bildern verfolgen, wenn vielleicht Büne Huber und Kuno Lauener miteinander kabbeln würden. Der Eishockeyfan würde seine Augen gen Himmel rollen, wenn der Fußballfan die „Pussys“ in „Schachtar gäge Gent“ besingen würde. Aber erheben wir doch „ein Glas auf die Liebi und eis aufs volle Läbe“. „So verdorbe“ können sie doch alle nicht sein, wenn ich mir meine wenigen Schweizer Nicht-Patent-Ochsner-CDs in meiner Musiksammlung anschaue.

Also, nichts.

Nur reine Schwärze.

Fast.

Die Namen der Schweizer MusikerInnen weiß auf schwarz.

Stellvertretend für dieses „Ghost Festival“ ist es so still in der musikalischen Kulturlandschaft.

Die Stille war oft tiefgrau, manchmal grau, teilweilse von Sonnenlicht durchbrochen.

Jetzt ist es einfach nur schwarz.

Als Soundtrack zu diesem Festival erwarte ich freudigst die Lieferung der CD „The Ghost Orchestra“, die vermutlich erst am Montag bei mir eintreffen wird.

[Natürlich lasse ich an diesem Wochenende meine Patent-Ochsner-CDs erklingen, gönne mir zwischendurch Büne Hubers Soloalbum „Honigmelonemond“, springe rüber zu „So verdorbe“ von Stiller Has und zum Abschluss erklingt „Love“, das vorerst letzte Studioalbum von Züri West.]

Keep on rockin’…

Weiterführende Links:

https://www.ghost-festival.ch/

https://blog.suisa.ch/de/ghost-festival-die-grosse-stille/

https://www.20min.ch/story/300-schweizer-acts-spielen-an-einem-musikfestival-das-es-gar-nicht-gibt-696186534073

https://www.thurgaukultur.ch/magazin/ein-akt-der-solidaritaet-4722

11 Kommentare

  1. Es ist echt ein Jammer, was zur Zeit passiert (das sage ich ohne jede Schuldzuweisung). Hoffentlich bringt die Aktion brauchbare Erlöse für die Künstler und anderen Beteiligten.
    In einer Sache stehe ich auf dem Schlauch: Ich kann mir unter „Geistersound“ nichts vorstellen – oder sind das tatsächlich leere Tonspuren?
    Liebe Grüße nach Wien

    1. Ich gehe ganz stark davon aus, dass sich nichts auf der CD befindet. (Ja, bissl verrückt von mir, so eine Scheibe zu bestellen.)
      Aber ich gebe gern noch einmal Bescheid, sobald die CD bei mir eingetroffen ist.

      Liebe Grüße in die Hansestadt!

      1. Ich hätte das bestimmt auch gemacht, habe ja auch schon Geistertickets für nicht stattfindende Fußballspiele gekauft. Im Prinzip ist es ja eine Spende und du bekommst sogar einen gewissen materiellen Gegenwert, wie auch immer der ausssieht. Ich bin gespannt, tippe auf lange geräuschlose Tracks mit ganz kurzen Tonschnippseln.

      2. So, die CD ist gestern angekommen und heute morgen nach dem obligatorischen Einkauf im Supermarkt hatte ich ein bisschen Zeit, hineinzuhören.
        Es sind 94 (!) hörbare Schnipsel mit jeweils ca. 20 Sekunden Spieldauer drauf. Schreie, Klappern, aber auch normale Stimmen, Alltagsgeräusche und ähnliches sind zu hören.

  2. Über Marketingaktionen kann man sich streiten. Aber viele haben begriffen um was es beim Ghostfestival geht. Man sieht es an den verkauften Tickets. Und statt zu jammern dass das Festival nicht stattfindet und die CD davon leer ist, kann man es ja wie Du machen, und an diesem Wochenende ein paar Alben von den aufgeführten Musiker und Bands erklingen lassen.

    1. Solche Aktionen lassen natürlich immer kritische Stimmen erschallen, die ich sogar in Wien gelesen habe. Aber im Endeffekt ist es eine individuelle Entscheidung und es wird auch niemand genötigt, dafür Geld auszugeben. Ich wollte mit meinem kleinen Beitrag ein Zeichen von Solidarität setzen und finde die Aktion gut. Etwas Vergleichbares haben wir nicht in Österreich.

      Liebe Grüsse nach Bern!

      1. Also, ich bin bei diesem Festival auch dabei. Es ist eine gute Geschichte, mit Symbolwirkung. Und nicht alle aufgeführten Bands beziehen die Leistungen. Dem sagt man Solidarität. Liebe Grüsse nach Wien.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.