Sori ging ins Kino: „U2 3D“

Ich habe noch nie ein Konzert von U2 besucht, dennoch sind mir viele Lieder von den irischen Musikern vertraut. Wenn Sie mich nach dem Lieblingslied fragen? Die Antwort lautet: „Staring At The Sun“.

Doch wurde ich irgendwie auf den Konzertfilm „U2 3D“ aufmerksam. Ich schreibe „irgendwie“. Und kann endlich den Leuten, die ja so gern behaupten, ich habe ein ach so gutes Gedächtnis, entgegenhalten, dass ich wirklich keinen blassen Schimmer mehr habe, wie ich auf diesen Film gekommen bin.

Ein Konzertfilm von U2 in 3D. Es ging auch nicht an mir vorbei, dass U2 sich ihren Ruf als exzellente Liveband erarbeitet hatten und zu diesem Zeitpunkt war es mir aber noch relativ egal, dass ich sie womöglich im Juli 2005 im Wiener Ernst-Happel-Stadion versäumt hatte. Doch sehe ich mir gerne ausgewählte Livekonzerte im Fernsehen an und ich konnte es mir recht gut vorstellen, dass ein solches Erlebnis auf einer größeren Leinwand in einem Kino spürbarer werden konnte. Und auch noch in 3D. Ich war neugierig und ergriff somit die nächstbeste Gelegenheit, mir diesen Film anzusehen.

Und warum ich mir den Film nicht in Wien, sondern in Weimar ansah, würde ich mit „Zeit“ und „Osterferien“ begründen. „Und warum Weimar und nicht Erfurt?“, wird sich wahrscheinlich jemand fragen. Ganz einfach: Es gab in Erfurt kein Kino, der diesen Film zeigen würde. Und weil ich in meinen Osterferien Abstand von meinem Wiener Alltag gewinnen konnte, war es für mich kein Hindernis, mit dem Regionalzug nach Weimar zu fahren, vom Hauptbahnhof ein paar Meter stadteinwärts zum damals recht neu erbauten Einkaufszentrum „Atrium“ zu marschieren, in dem sich das „Cinemagnum“-Kino befindet.

Ich habe nicht mehr so viele Erinnerungen an den Film, doch sehe, fühle ich noch die euphorische Stimmung zwischen dem Publikum und den vier Musikanten. Und Bühnenshow können sie auch. Da Sänger Bono Vox bekanntlich gern provoziert und sich als einen ach so korrekten Menschen darstellt und nicht mit politischen Meinungen zurückhält, wurde im Konzertfilm die Erklärung der Menschenrechte vorgelesen. Darüber hinaus sprang der „COEXISTA“-Schriftzug mit den Symbolen der muslimischen, jüdischen und der christlichen Religion den KinobesucherInnen immer wieder ins Auge.

Trotz der Gedächtnislücken gibt es eine Stelle im Konzertfilm, die mich nachhaltig berührte und immer, wenn ich mich daran erinnere, sehe ich diese Szene vor mir: „Miss Sarajevo“.

Ich sah das Video damals auf MTV. Ich fand Bono putzig, nachdem er sich endlich von seiner scheußlichen Sonnenbrille und der schwarzen Haarfarbe, die so ölverschmiert aussah, getrennt hatte. Und dieser „DON’T LET THEM KILL US“-Schriftzug bei der Misswahl. Keine Frage, es gehört zu den Musikvideos aus den 1990er Jahren, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließen.

Im Konzertfilm übernahm Bono den Part von Luciano Pavarotti und es ist mein emotionalster Moment in diesem Film. So emotional, dass ich sogar ein paar Tränchen vergoss.

Dennoch kannte ich die meisten Lieder in diesem Konzertfilm nicht, aber auch für „Sunday Bloody Sunday“, „One“, „The Fly“ und „With Or Without You“ zahlte es sich aus, nach Weimar zu fahren, 90 Minuten im Kinosaal zu sitzen und das Gefühl zu bekommen, mitten in einem fantastischen Konzert dabei zu sein.

Ungefähr einundeinhalb Jahre nach dem Kinobesuch kam die Ankündigung, dass U2 wieder in Wien spielen würden. 30. August 2010 im Ernst-Happel-Stadion. Am Samstag, 3. Oktober 2009 startete der Kartenvorverkauf. Kurz flammte das Interesse auf. Ich probierte es zunächst im Internet, die Seite brach recht schnell zusammen.

Dann eben nicht.

Eine Stunde später war ich auf der MaHü und probierte es bei einer offiziellen Vorverkaufsstelle in der Nähe. Ich reihte mich in die kurze Warteschlange ein. Zwei Leute vor mir wurde die letzte Stehplatzkarte verkauft. Ich hatte keine Lust auf Sitzplatz.

Und jetzt, wo solche Konzerte derzeit in weiter Ferne rücken: Bedaure ich, dass ich nicht früher eine solche Gelegenheit beim Schopf packte? Nein. Dazu bin ich zu schlecht mit der Diskographie von U2 vertraut und ich brenne auch nicht für ihre Musik. Aber dieses Kinoerlebnis möchte ich nicht missen!

Die Inspiration zum Text lieferte mir „Miss Sarajevo“ von den Passengers, wobei ich die Maxi-CD seit fast 25 Jahren in meiner Musiksammlung habe und ich sie mir kürzlich wieder anhörte.

Weiterführende Links:

https://en.wikipedia.org/wiki/U2_3D

https://u2tour.de/specials/u23d/

https://www.kino.de/film/u2-3d-2007/news/fakten-und-hintergruende-zum-film-u2-3d/

13 Kommentare

  1. In den letzten Jahren habe ich auch festgestellt, dass Filme, die mich interessieren würden, nicht in Erfurt bzw. Im Mainstream-Kino laufen, manchmal vielleicht im Kino-Klub. Inzwischen bevorzuge ich mein Heimkino 😉😊

    1. Mein letzter Kinobesuch in Erfurt war mein erster Besuch im Kinoklub am Hirschlachufer. Davor gab ich mir die Mainstreamfilme sowohl in Erfurt als auch in Gotha. Tja, mit zunehmendem Alter wachsen auch die Ansprüche. Hier in Wien habe ich zuletzt nur mehr Programmkinos besucht. Mittlerweile habe ich mich auch sehr an meinen Fernseher gewöhnt.

      1. In Wien gibt es sicher mehrere und auch schöne Programmkinos, so dass es wenigstens Alternativen zum Mainstream-Kino gibt. Ich war nun schon seit ein paar Jahren nicht mehr im Kino, obwohl es auch im Standardkino zwei oder drei Filme gab, die ich mir angesehen hätte. 🙂

  2. Sich einen Konzertfilm im Kino anzusehen, ist sicherlich keine schlechte Idee. Ich sah seinerzeit “Rattle and Hum” im Kino und fand dies eindrucksvoll.😀

    Live ist natürlich noch besser. Vor ein paar Jahren hatte ich Gelegenheit, U2 während ihrer Tour zum 30-jährigen Jubiläum des “Joshua Tree” Albums in New Jersey zu sehen – super Erlebnis!🎸😎

    1. Ein Wiener Konzertfreund von mir ist sogar 2x nach Berlin gefahren, um die (bisher) letzten Konzerte von U2 zu sehen. Er war auch jedes Mal begeistert davon – aber fuer so etwas fehlt mir die Mischung aus Kenntnis & Leidenschaft und ich stehe der Person Paul Hewson/Bono Vox auch zwiespaeltig gegenueber.

      Greetinx!

      1. Das längste, was ich bisher für Musik gefahren bin, waren rund 400 km von Central New Jersey nach Boston für Neil Young. Ich würde mich generell schon als Young Fan bezeichnen. Weiterhin war dies bisher das einzige Mal, daß ich ihn gesehen habe.

        Ich bin mir nicht sicher, ob ich selbiges für U2 gemacht hätte. Das von mir erwähnte Konzert war ebenfalls in New Jersey und lediglich ca. 45 Minuten Autofahrt. Außerdem war der Anlaß der Tour das 30-jährige Jubiläum meines U-2 Lieblingsalbums “The Joshua Tree”.

  3. Ich habe mit U2 nie so recht etwas anfangen können. Vermutlich hat das auch etwas mit Bono zu tun. Der Mann war mir als Handlungsreisender in Sachen Weltverbesserung einfach zu suspekt. Aber er hat eben auch Talent – sonst wären U2 nicht dort, wo sie heute sind.

    1. Da geht’s mir genauso wie Dir, was Bono betrifft. Nicht dass ich damit unterstreichen möchte, dass die anderen auch nicht besser/schlechter sind, aber der Typ war mir zu exhibitionistisch drauf. (An die erste Aktion erinnere ich mich noch gut: Es muss auch 1995 gewesen sein, als U2 bei den European Music Awards in Paris waren und einen Pokal abgeholt hatten. Anstatt die übliche Dankesrede zu halten, beschimpfte ein sichtlich angetrunkener Bono Paris, das restliche Frankreich und Präsident Chirac wegen ihren Experimenten beim Mururoa-Atoll.

      Das waren noch Zeiten.)

  4. Hach, ich liebte U2! Mein Liebslingssong: ein fast verschollenes, melancholisches Liedchen namens „October“. Es gibt übrigens einen weiteren, tollen Dok namens „It Might Get Loud“, in dem mit The Edge, Jimmy Page und Jack White von den White Stripes drei Generationen von Gitarrengöttern reprsäsentiert sind. Toller Streifen, kann ich Dir schenken. Ich kann ja keine Musik mehr hören.

    1. Ich habe mir grad eben „October“ angehört, in der Tat, ein Liedchen!
      Von der Doku habe ich gehört bzw. gelesen, aber ich konnte mich bisher nicht dafür erwärmen, weil Jimmy Page und Jack White auch nicht so meins sind.

      Liebe Grüsse aus dem kalten Wien!

      1. Hier ist es auch kalt, aber die Sonne scheint jetzt wieder, Juchhu! Heute Nachmittag ein Spaziergang! Liebe Grüsse Dir.

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