Aus meiner Musiksammlung: Mike + The Mechanics „Hits“ / „The Singles 1985 – 2014“

Das war das erste, was ich von Mike + The Mechanics sah und hörte. Und ich mochte es von Anfang an. Aha, der Herr Rutherford von Genesis tanzt auch auf fremden Hochzeiten. Und selbst wenn die Band nach ihm benannt ist, das Singen überlässt er anderen. Etwas später sah ich dieses Video:

Unglaublich, dass ich bisher noch nie etwas von der Kapelle gehört hatte! Und dann haben sie zwei Lieder, die so in mich hineinfahren. Doch zögerte ich lange, mir das gleichnamige Album zu kaufen. Eine gefühlt kurze Zeit später erschien „Hits“ und ich entschied mich für die Kompilation.

Was mache ich nun mit den Liedern, die neben „Over My Shoulder“ und „A Beggar On A Beach Of Gold“ auch angenehm in mein Gehör hineintänzelten? Ich wollte wissen, wovon sie sangen!

Wir befinden uns in der Mitte der 1990er Jahre. Internet, das große A und YouTube waren noch weit weg. Ich ging in die Musikbibliothek von Gotha, die ein gutes Angebot an CDs hatte. So lieh ich mir „Beggar On A Beach Of Gold“ aus, später entdeckte ich „Word Of Mouth“ und „Living Years“. Aber es sind die ersten zwei genannten Alben, die meine Leidenschaft für Mike + The Mechanics prägen.

Und ich schrieb mit der Hand die Texte zu den Titelliedern, „A Time And Place“ & Co. ab.

Mit. Der. Hand!

So lassen sich Texte gut lernen!

Zwar gab es im Internat zwei PC-Geräte, aber ich hatte eh nichts davon, wenn ich sie mit MS Word abtippte, weil ich sie nicht nach Erfurt schicken konnte. (Kein E-Mail, kein USB-Stick!)

Also schrieb ich die Texte, die ich „ergattern“ konnte, mit der Hand in ein liniertes Heft ab. (Dabei waren Mike + The Mechanics nicht die einzigen, von anderen Musikanten hatte ich auch nur „Best-ofs“ oder Live-Aufnahmen und auf solchen Tonträgern fehlten die abgedruckten Texte. Oder ich überspielte ein Album von CD auf Musikkassette. Texte? Abschreiben! Natürlich mit der Hand!)

Und in den Schulferien tippte ich die handgeschriebenen Texte am elterlichen PC ab.

Neben Sehnsuchts- und Liebesliedern gelangen Mike + The Mechanics auch gute kritische, sogar zeitlose Nummern wie „Another Cup Of Coffee“ oder „Word Of Mouth“. Dennoch will ich nicht abstreiten, dass letztere etwas unglücklich in eine Mitsingnummer verpackt wurde, ohne dass der Großteil der HörerInnen vielleicht dahinterkommt, dass wirklich „between the lines“ zu lesen ist!

Zeitreise zurück in das Jahr 1997. Ich bin allein in meinem Zwei-Personen-Internatszimmer. Mein Besuch in der Musikbibliothek war erfolgreich. Ich halte das Heftchen in der Hand. „Word Of Mouth“ schallt aus den kleinen Lautsprechern meines tragbaren CD-Spielers. Ich lese und singe den Text mit:

Können Sie sich dem entziehen? Nein, ich kann das auch nach all den Jahren nicht. Sobald ich das Lied höre, muss ich lauter drehen und singe lauthals mit. (Und bin jedes Mal froh darüber, dass ich alleine lebe.)

Ja, ich bin ein Fan von der Musik und den Texten, die aus der Werkstatt von Mike Rutherford stammen. Jahre später ließ ich mir die DVD „Live At Shepherds Bush“ schenken und wissen Sie, ich war ganz aus dem Häuschen, dass neben dem eigentlichen Konzert ein paar offizielle Videos zu sehen gibt.

Doch ein bitterer Nachgeschmack bleibt auf der DVD. Paul Young, eine Stimme von Mike + The Mechanics erlag im Sommer des Jahres 2000 mit nur 53 Jahren einem Herzinfarkt. Die Stimme von „A Beggar On A Beach Of Gold“ und „Word Of Mouth“ ist für immer verstummt.

Aus diesem Grund nannte sich die Formation ziemlich sperrig „Mike + The Mechanics + Paul Carrack“, obwohl besagter Carrack von Anfang an dieser Gruppe seine Stimme lieh. Berührend und oft zum Schlucken, wenn der verbliebene Sänger in den Liedern den Part von Paul Young übernahm.

Leider hat Paul Carrack auch die Band verlassen, mittlerweile wechseln sich Andrew Roachford und Tim Howar am Steuer ab. Vor wenigen Jahren erfuhr ich, dass Mike + The Mechanics ein Konzert in Deutschland – oder war es sogar in Wien? – spielten. Aber ich hatte kein Interesse mehr, da mich die neuen Sänger nicht überzeugen.

Der halbwegs interessierte Leser wird sich wahrscheinlich fragen, warum die Sori zwei verschiedene Best-of-CDs von den Mechanikern in ihrer Sammlung hat.

Wie eingangs erwähnt, hatte ich mir die „Hits“ kurz nach ihrem Erscheinen gekauft. Ich schätze, das muss im Frühjahr 1996 gewesen sein.

Ein paar Jahre später sah ich im Fernsehen DAS:

Das Lied ging mir durchs Mark und Bein. Ich wollte es.

Was tat ich? Gotha war Vergangenheit. Ich schlenderte in die Bibliothek von Erfurt, in der Hoffnung, dort die „M6“ (so das damals aktuelle Album) vorzufinden. Ich hatte Glück und überspielte das Lied auf einer Musikkassette.

Mit „Now That You’ve Gone“ lieferten Mike + The Mechanics ein weiteres Lied, das in sich stimmig war. Der „erfahrene“ Hörer wird sicher sagen, ein typisches M+M-Lied. Jawoll! Das zeichnet die Mechaniker aus. Die Kombination aus den Stimmen der beiden Pauls und der Musik von Mike Rutherford werkelt so gut in meine Ohren. Ich höre ihre Lieder immer wieder gern. Diese harmonische Beziehung besteht seit 25 Jahren und es soll so bleiben.

Aber zurück zur Frage, warum ich eine weitere Best-of-CD von den Mechanikern habe? Es ist unüblich, dass ich von einem Künstler mehr als nur eine Best-of-CD habe. (Außer er heißt Bruce Springsteen oder Billy Joel.) Im August 2019 war ich für ein paar Tage in Erfurt und ich stattete auch dem Drogen-Müller einen Besuch ab. Ich entdeckte dort die „Singles 1985 – 2014“ für lächerliche 5 EUR. Ich studierte die Liederliste, erkannte sofort, dass eine fast hundertprozentige Übereinstimmung mit der „Hits“ vorhanden war.

Aber: Da ist auch „Now That You’ve Gone“. Ist nämlich auf der „Hits“ nicht drauf, weil später veröffentlicht.

Und 5 EUR.

Andere hätten mir wahrscheinlich geraten, dass ich mir das eine Lied doch als Musikdatei aus dem Internet kaufen oder (Wie heißt das unsägliche neumodische Wort?) „streamen“ kann. Mit dem kann ich wenig anfangen.

Ich möchte etwas angreifen, ich möchte etwas in der Hand haben und mir dadurch Geschichten erzählen lassen.

Solche Geschichten wie diese: Der Drang, die Leidenschaft, die Texte hinter der Musik kennenlernen zu wollen, ist zwar geblieben, aber der Zugang ist heutzutage ein anderer. Doch erinnere ich mich sehr gern an meine früheren Methoden. Da war eine Spannung dabei – in die Bibliothek gehen, hoffen, dass das besagte Album da ist und noch einmal hoffen, dass auch Texte abgedruckt sind. Der Eifer, mit der Hand die Texte abzuschreiben und somit den Liedern „näherkommen“ zu können.

Diese Art von Spannung ist regelrecht verflogen, weil es heutzutage recht praktisch geworden ist, im weltweiten Netz nach den Texten zu suchen und sie auch meistens zu finden.

Aber es ist völlig emotionslos geworden.

Und die CDs erinnern daran, wie ich mich damals auf die doch abenteuerliche Suche nach den Texten begab.

8 Kommentare

  1. Ja, das kenne ich sehr gut, die Begeisterung für ein Musikstück, das man irgendwo hört und einen nicht mehr loslässt. Man möchte mehr dazu wissen, versucht an die Texte zu kommen usw. Da wurde man in früheren Zeiten schon sehr erfinderisch. Heute findet man alles blitzschnell, alles ist (meist) ständig verfügbar. Aber ich denke, es gibt Stücke, die einem aus der Vergangenheit begleiten und die man nie mehr loslässt. Die verlieren nie ihren Wert. War wieder sehr interessant, von Deinen Erfahrungen zu lesen, die manche Erinnerung bei mir heraufbeschworen hat. :-)

    1. Danke für Deine Worte!
      Die Musik von Mike + The Mechanics gehört zum sogenannten Soundtrack meines Lebens. Und wenn sie einmal läuft, kann ich mich nicht an ihnen satthören. (So wie heute. Bin in Heimarbeit und als Hintergrundmusik rennt M+M.)

  2. Von Mike + The Mechanics kenne ich nur ein paar Songs, insbesondere All I Need Is a Miracle und The Living Years. Word of Mouth von Deinem Post kam mir ebenfalls bekannt vor. Ihre Songs haben gute Melodik. Gefaellt mir nicht schlecht!

    1. Ja, sie hatten Mitte der 1980er Jahre einen Hit mit „All I Need Is A Miracle“ und zogen dann mit „The Living Years“ nach.
      Irgendwie laesst es sich nicht vermeiden, dass ich auf ihre Schaffensphase in den 1990er Jahren fixiert bin ;-)

  3. Nach dem Lesen des Beitrages musste ich direkt zum CD-Regal, denn da schlummern die „Hits“ schon einige Jahre, von mir kaum beachtet, vor sich hin. So fanden sie nun doch mal wieder den Weg in den Player. Und mittendrin traf es mich wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel: SILENT RUNNING! Wie konnte ich das nur so lange nicht gehört haben?! Danke für die Inspiration.
    Nun bin ich gespannt, was du noch so in deinem Regal findest.

    1. „Can you hear me?“
      (Muss ja nicht immer „Outlaw Pete“ sein ;-) )

      Danke für Deinen herzerwärmenden Kommentar. Dann hat es doch Sinn gemacht, diesen Beitrag zu veröffentlichen. (Die Rohfassung schrieb ich schon im Herbst 2019, als ich an einem Abend mal wieder Lust hatte, mir die DVD „Live at Shepherds Bush“ anzusehen.)

      Und ja: Es wird (noch in diesem Jahr) weitere Beiträge aus meiner Musiksammlung geben.

      Liebe Grüße aus dem sonnigen Wien!

  4. Liebe Sori,
    dein Artikel hat viele Erinnerungen geweckt und mich sehr zum Lachen gebracht! Ich hab das nämlich dazumal auch so gehandhabt. Also mit Heft und Text mitschreiben!! Was hätten wir uns bloß erspart, hätten wir damals schon Internet gehabt….😆. Mit deiner Meinung über streamen sprichst du mir aus tiefster Seele! Ich hoffe, Wien bleibt weiter Orange und wird bald Grün, damit wir mal wieder im ‚Raben‘ ausführlich tratschen können! 😘 Claudia

    1. Danke für Deine Zeilen! Nachdem Wien auf orange gesprungen ist, habe ich mich tatsächlich gewundert, dass die Ampel noch nicht abgeschrieben ist.
      Aber bis dahin: Durchhalten und Musik hören!

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