Rückblick: 13.07.2010 – John Fogerty in der Arena, Wien

fogerty_tixWährend des sogenannten „Lockdowns“, das geradezu weltweit um sich griff, erfreute ich mich an ausgewählten Stücken, die die MusikerInnen von zuhause spielten. Zu meinen Favoriten gehört John Fogerty, der mit seinen erwachsenen Kindern die Klassiker von Creedence Clearwater Revival neu besingt. Am 28. Mai 2020 feierte der Sänger seinen 75. Geburtstag und doch hat sein Gesang nichts von der stimmlichen Kraft verloren.

Zu seinem Ehrentag schenkte sich John Fogerty einen Auftritt im menschenleeren Stadion seines Lieblingsbaseballvereins, um das Lied „Centerfield“ zu spielen.

Und weil ich heuer im Juli ein Konzert auf dem Freiluftgelände der Wiener Arena besucht hätte, erinnere ich mich stattdessen an das Konzert von John Fogerty am 13. Juli 2010 ebendort.

Gleich vorneweg:

Woran ich mich wirklich erinnern kann, sind:

Es war eine der heißesten Tage im Jahr 2010.

Ich bekam endlich „Who’ll Stop The Rain“ live zu hören.

Was ich immer noch nicht verdaut habe – und das wird auch nach mehr als zehn Jahren so bleiben:

Die Konzerte von John Fogerty im Jahre 2010 liefen inoffiziell unter dem Motto „25th Anniversary of Centerfield“. (Das hörenswerte Album „Centerfield“ erschien 1985.)

Und ausgerechnet DIESES Lied wurde im Sommer NICHT gespielt. Begründung: Die spezielle Gitarre in Form eines Baseballschlägers wurde gerade restauriert. (Hätte John Fogerty nicht stattdessen eine Telecaster nehmen können?)

Doch war es trotz dieser Lücke ein fantastisches Konzert, das ich nicht missen möchte.

Den Rest zur weiteren Auffrischung meiner Erinnerungslücken besorgen die von mir gemachten Fotos und die Ton- und Film-Aufnahmen, die ich mir aus einer guten Quelle heruntergeladen habe.

Schon vor 19 Uhr reihte ich mich in die lange Warteschlange ein und mit zig anderen Leuten wartete ich auf den Einlass in die Arena, der halbwegs pünktlich verlief. Es war mein erstes Konzert auf diesem Gelände und ich stellte mich zunächst weit vorne an. Doch sah ich, dass die Bühne recht hoch war und ich vom Hintergrundgeschehen gar nichts mitbekommen würde. Für ein weiteres Mineralwasser (Es war so heiß! Bier wollte ich mir nicht antun!) verließ ich den Platz und bei meiner Rückkehr entschied ich mich, ein paar Reihen weiter zurück auf der leicht nach hinten ansteigender Höhe zu stehen und hatte somit einen guten Blick auf die Bühne.

Die Wartezeit war auch etwas, woran ich mich ohne Hilfe der vorhandenen Medien erinnern kann. Kurz vor 21 Uhr erklang aus den Lautsprechern „Almost Saturday Night“ – ich habe davor und danach kein Konzert erlebt, wo die Einstimmungsmusik aus der Dose auch noch vom selben Künstler stammte.

Nachdem die Musiker um John Fogerty die Bühne betraten, erschien schließlich der Meister selbst und heizte uns mit „Hey Tonight“ an. Kaum realisierte ich, dass dem vital wirkenden John Fogerty die 65 Lenze nicht anzusehen sind, griff er schon zur akustischen Gitarre und bescherte mir das Lied, das ich drei Mal vergeblich bei Bruce Springsteen zu hören erhoffte: „Who’ll Stop The Rain“.

Nach drei Minuten, gefühlt waren es eher einundeinhalb Minuten, war es auch schon vorbei. Ich musste mich zwicken, dass Fogerty dieses Lied eher heruntergespult hatte und ich ließ mich von der guten Stimmung im Publikum zu „Lookin‘ Out My Back Door“, „Wrote A Song For Everyone“ und „Cross-Tie Walker“ mitreißen.

Dank der Videoaufnahme, die ich mir kürzlich wieder angesehen hatte, erfreute ich mich an das lange Gitarrensolo von John in „Ramble Tamble“, an das ich keine Erinnerungen mehr hatte. Weiter ging es mit „When Will I Be Loved“, „Born On The Bayou“, „Don’t You Wish It Was True“ und „Midnight Special“.

Auf eine aufwendige Bühnenshow wurde verzichtet, es kamen nur Scheinwerfer und Nebelmaschinen zum Einsatz. John Fogerty verstand sich als Handwerker, der das Publikum mit seiner Stimme und seinem Gitarrenspiel beherrschte. Aber das Publikum seinerseits konnte sich nicht lumpen lassen, die Menge war von Anfang an mit dabei und genoss jedes einzelne Lied von ihrem Helden.

Mit weiteren Nummern wie „Have You Ever Seen The Rain“, „Pretty Woman“, „Big Train From Memphis“ und „Summertime Blues“ gelang Fogerty und seinen Begleitmusikern eine ausgewogene Mischung aus Eigen- und Fremdkompositionen, wobei ich der Meinung bin, dass Fogerty ruhig mehr von seinem eigenen Schaffenswerk gespielt hätte. Der Mann hat in den vergangenen vierzig Jahren so viele Klassiker rausgehaut, da wäre bei einem Standardkonzert überhaupt kein Platz für das Übrige gewesen.

Dank der informativen Webseite fogerty.de fand ich heraus, wer seine Begleitmusiker sind. Ich stelle sie gern vor, da mir vor allem der Multiinstrumentalist Jason Mowery sehr getaugt hat. Neben Gitarre spielte er auch Mandoline, Geige und haute auf den Bongos. Das eigentliche Schlagwerk übernahm kein geringerer als Kenny Aronoff. Bob Malone bediente die Tasten, David Santos die Bassgitarre und die weiteren Gitarren bestritten James Intveld und Hunter Perrin.

Nach „Green River“ und „Cotton Fields“ erlebten wir ein schönes Harp-Schlagzeug-Duell zwischen Fogerty und Aronoff in „Keep On Chooglin’“. Und schon ging es zu „I Put A Spell On You“ und „Down On The Corner“. Was hatte ich mich über „The Old Man Down The Road“ gefreut, aber hier wurde ich auch das Gefühl wieder nicht los, mit welcher Geschwindigkeit Fogerty das Lied spielte.

Fogerty segnete uns noch mit den Klassikern „Bad Moon Rising“ und „Fortunate Son“, anschließend schrie er ein durchdringendes „Aaaaai laaav yuuuuuuuu“ und hupfte weg.

Kein Konzert ohne Zugaben, der Meister erschien wieder auf der Bühne und schmiss uns noch „Rockin‘ All Over The World“ und „Proud Mary“ auf dem Heimweg.

Wieder die ins Ohr gehende Liebeserklärung und ohne sich ordentlich bei seinen Musikern zu bedanken oder sie alle vorzustellen, zischte er ab. Die anderen Musiker gingen nach und nach von der Bühne ab. Als letzter winkte uns Kenny Aronoff zu.

Ich sah auf die Uhr. Das temporeiche Konzert hatte nicht einmal zwei Stunden gedauert. Kein Wunder, wenn John Fogerty die Lieder mit einem flotten Tempo durchdrückte und zwischen den Nummern oft nur ein „Thank you!“ rausschleuderte.

Der Mann schien es eilig zu haben.

Wie auch immer, mir hat’s dennoch gefallen und heute nach zehn Jahren bin ich froh, ihn zumindest einmal live erlebt zu haben.

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5 Kommentare

  1. John Fogerty und Creedence Clearwater Revival zaehlen zu meinen Lieblingskuenstlern. Ich sah ihn zum ersten und bis dato leider einzigen Mail im Mai 2018, und es war ein geniales Konzert.

    Der Mann war seinerzeit fast 73 Jahre alt und legte eine eindrucksvolle Performance hin, sowohl gesanglich wie auch musikalisch. Aber das schoenste an allem war die Spielfreude, die ihm offen anzusehen war – und der Stolz mit seinen beiden Soehnen auf der Buehne zu stehen.

    All dies stand in deutlichem Gegensatz zu ZZ Top, die ebenfalls im Rahmen der Veranstaltung auftraten und eher als routiniert und emotional unterkuehlt herueberkamen, wenngleich sie viele gute Stuecke spielten. Aber irgendwie fehlte mir die Verbindung mit dem Publikum.

    1. Im Gegensatz zu John Fogerty und CCR kann ich mit ZZ Top wenig anfangen. Ich kann es mir auch nur sehr schwer vorstellen, dass beide ueberhaupt gemeinsam auf Tournee waren.
      „Mein“ Konzert von John Fogerty moechte ich nicht missen, aber es liess mich doch mit einem Gefuehl von „Das ging aber flott!“ zurueck.

      Liebe Gruesse aus meinem Home Office!

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