11.06.2020 – Sori is wildurbing again

Wenn ich schreibe, bemühe ich mich sehr um die deutsche Sprache, mit der ich sowieso tagtäglich zu kämpfen habe.

Doch ist es selbstverständlich für mich, statt „Song“ das Wort „Lied“ zu nehmen oder es gibt für das schreckliche Verb „uploaden“ noch das deutsche „hochladen“. Genauso verhält es sich mit dem Pendanten in anderer Richtung. Weitere Beispiele möchte ich Ihnen ersparen.

Warum dann eine solch bescheuerte Überschrift?

Schon in meinem alten Blog begann ich, in unregelmäßigen Zeitabständen meine „Sori is wildurbing“-Beiträge zu verfassen, dessen Großteil ich wieder entfernt habe. Den Begriff „Wildurb“ entnahm ich aus dem Buch „Wien geht“ und nachdem ich meine erste Route, die im Buch passenderweise als „Track“ bezeichnet wird, beging und von der Erkenntnis, Wien um ein paar unscheinbare Ecken besser zu kennen, begeistert war, nannte ich fortan meine Spaziergänge aus diesem Buch „Wildurbing“.

Bis auf ein paar Ausnahmen (ohne die es gar nicht geht), werden in der Nacht vom 15. zum 16. Juni in den meisten europäischen Ländern die temporären Reisebeschränkungen wieder aufgehoben. Nicht, dass ich behaupten will, dass wir dann in Wien mit einem Massenansturm an TouristInnen rechnen werden, obwohl unsere Tourismusministerin sich das natürlich erhofft.

Und weil ich schon seit fast 17 Jahren in Wien lebe, können Sie es sich denken, dass ich mittlerweile einen großen Bogen um die Tourismusattraktionen mache. Ich behaupte auch gern, dass die Menschenmassen in den letzten Jahren eher zu- als abgenommen haben. Gut für die Stadt, aber ich bleibe lieber in meinem Grätzel oder suche Flecken auf, wo dorthin der gewöhnliche Tourist sich nicht verirrt.

Doch las ich in der Zeit, nachdem die alte Normalität zu Grabe getragen wurde, immer wieder Meldungen, wie ausgestorben die Innenstadt und ein Flanieren durch die menschenleeren Gassen ein Erlebnis seien.

Und weil die Grenzen bald wieder geöffnet werden, nutzte ich den heurigen Fronleichnam, das im katholischen Österreich natürlich ein gesetzlicher Feiertag ist, für einen Abstecher in der Innenstadt. Ideen- und phantasielos, wie ich es bin, erinnerte ich mich an ein Kapitel aus dem Buch „Wien geht“, das eine Route in der Innenstadt beschrieb.

Der Donnerstag versprach schön zu werden. So schnappte ich mir das Buch und fuhr mit der U3 in die Innenstadt und folgte der Route, die auch online nachzulesen ist. (Hinweis: Den Besuch diverser Kirchen ließ ich aus, weil ich es nicht so mit der Religion habe und auch nicht ständig meinen MNS aufsetzen wollte.)

Nachfolgend ein paar bildliche Eindrücke: (Und wer es noch nicht gewusst hat – sind die Bilder klein, kann mensch zwecks Vergrößerung draufklicken und auch weitere Informationen erhalten.)

Ich genoss den Vormittag in der Inneren Stadt und machte Entdeckungen, die mir an den „normalen“ Tagen verborgen geblieben wären. Selbst als ich in den vergangenen Jahren (manchmal unfreiwillig) in der Altstadt war, hätte ich die schönen Ecken nie entdeckt und ein Obershäubchen des Tages war mein Besuch beim „Fenster Café“:

Wegen dem „Griechenbeisl“, das sich in unmittelbarer Nähe befindet, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dort vorbeizukommen oder beim „Figlmüller“, wobei ich betonen muss, dass beide Touristenfallen noch vorerst geschlossen haben.

Stattdessen trank ich den besten Cappuccino meines Lebens! (Und hoffe auf eine baldige Rückkehr!)

Nach knapp 2 1/2 Stunden ging ein für mich sehr spannender und erlebnisreicher Spaziergang zu Ende. Und ohne mich vorher im Internet zu informieren, hoffte ich, dass eines der wenigsten gescheiten Lokale in der Inneren Stadt offen hatten. Das Reinthaler’s Beisl.

Es hatte zum Glück offen. (Sonst wäre ich auf das Kaffee Alt Wien ausgewichen. Falls Sie nach Wien kommen und in der Inneren Stadt einkehren möchten, empfehle ich Ihnen die zwei Lokale. Wollen Sie nur ein Würstelstandl besuchen, dann den bei der Oper. Vergessen Sie den Rest!)

Ich ließ mir das Erdäpfelgulasch und ein Krügerl Gösser schmecken und gönnte mir noch einen kleinen Schwarzen, bevor ich zur Zugabe aufbrach.

Ich besuchte Schönbrunn, das sich als Österreichs meistbesuchtes Touristenziel schimpfen lassen kann. Früher war ich recht oft dort, aber das ließ auch in den letzten Jahren nach, weil: Überlaufen.

Doch ich genoss den Nachmittag im Schlosspark, den ich mit einem Kaiserschmarrn-Eis einläutete (Das erste Eis in diesem Jahr!), zur Gloriette hinaufspazierte und ihn mit einem Besuch im Café Residenz abschloss. (Wobei das Kaffeehaus geschlossen hatte, aber dafür ein Wagerl bereitstand, der die wenigen GenießerInnen mit Kaffee- und Mehlspeisspezialitäten verwöhnte.)

Es fühlte sich zwar eigenartig an, die beliebtesten Touristenpunkte fast leer zu erleben und deren viele Geschäfte geschlossen zu sehen, aber ich hatte endlich Gelegenheit, die sonst überlaufenen Winkel in Ruhe betrachten zu können.

Ich werde den Tag in besonderer Erinnerung behalten und schließe den Text mit zwei Liedern:

Das Original – und meine Wenigkeit war auch live dabei.

Die Weaner Version – und ich freue mich darauf, wenn Granada in 2021 sich mit einem neuen Album und hoffentlich Konzerten in Wien zurückmelden!

5 Kommentare

    1. Danke für Deine lieben Worte! Bei der Auswahl der Bilder habe ich mir größte Mühe gegeben, weil ich an diesem Tag wie eine typische Touristin unzählige Fotos gemacht habe ;-)

      1. sehr schön,
        danke für den Tipp mit „Reinthalers Beisl“, werden wir bei Gelegenheit versuchen.
        Würstelstand in 1010 würd ich, von denen die ich kenn, auch „Hoher Markt“ und „Zum scharfen Rene“ gelten lassen. „Bitzinger“, Albertina ist in normalen Zeiten mittlerweilen ebenso touristisch überlaufen wie zb. der „Figlmüller“ oder das „Cafe Central“

      2. Danke für Deinen Kommentar und schön, dass Du Dich wieder in meinem Blog verirrst ;-)
        Beim Würstelstand am „Hohen Markt“ war ich auch ein paar Mal, aber irgendwie vertrage ich die Frankfurter dort nicht. Der Würstelstand beim ehemaligen Bank-Austria-Gebäude, in der Nähe vom Jonasreindl, ist auch ganz gut. Den scharfen Rene müsste ich mal testen…

  1. „verirrst“ ist untertrieben, hab den blog sogar mit einem Lesezeichen versehen, um ihn bei Bedarf rasch zu finden 😉

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