05.06.2020 – DENK beim SC Wiener Viktoria

Noch bevor die österreichische Regierung ab dem 16. März 2020 für so gut wie alle in Österreich lebenden Menschen die Ausgangsbeschränkungen erlassen hat, bekam die Kulturbranche schon vor dem Tag X die ersten Vorboten zu spüren. Bevorstehende Veranstaltungen wurden entweder abgesagt oder verschoben. Gemäß dem FILO-Verfahren darf die Kulturbranche nun seit dem 29. Mai 2020 wieder zaghaft an die Öffentlichkeit gehen. In der Zwischenzeit „lebten“ wir Konzertjunkies von den online Angeboten und ich durfte ein Balkonkonzert von Ernst Molden besuchen.

Apropos online Angebot: DENK hätte heuer am 1. Mai beim traditionellen Maifest auf der Kaiserwiese auftreten sollen. Stattdessen beglückten Birgit und die Buben uns mit einem fantastischen Konzert aus der SiMM City. Den Link dazu finden Sie hier.

Um ihnen irgendwie meine Anerkennung zu zollen, kaufte ich mir endlich ihr aktuelles Studioalbum, das auch schon seit 2 ½ Jahren erhältlich ist.

Mit der schrittweisen Öffnung des kulturellen Lebens in Österreich verwirklichte der Sänger und Präsident des SC Wiener Viktoria, Roman Gregory, die Idee vom „Viktoria Friday Music Club“. Seit 29. Mai finden jeweils an den Freitagabenden vor der Kantine des Meidlinger Fußballklubs kleine Konzerte statt. Da aktuell bis zu 100 Personen solche Veranstaltungen besuchen dürfen, lobe ich Roman Gregory und sein Team für diese Aktion. Darüber hinaus begrüße ich, dass diese Konzerte mit sehr viel Frischluftzufuhr über die Bühne gehen können. Ich lese immer wieder, dass es ein gewisses Risiko birgt, sich mit vielen Menschen für längere Zeit in geschlossenen Räumlichkeiten aufzuhalten.

Nicht, dass ich nun von denen fernbleibe, aber ich muss auch nicht gleich jedes Wochenende in ein solches hineinrennen.

Für den Freitag, 5. Juni 2020 ließ Gregory seine mehr als nur Musikerkollegin Birgit Denk mit ihren zwei Mitstreitern, Alexander Horstmann am Bass und Ludwig Ebner an der Gitarre, auftreten. Diese Formation kennen wir auch unter dem Namen „DENK Trio“, in dieser Besetzung erlebte ich sie das letzte Mal im Oktober 2016.

Ich reiste mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Meidling, wobei ich von mir zuhause bis zur U6 auf die Bim verzichtete und stattdessen zu Fuß ging. Anschließend „erlebte“ ich meine erste maskierte Fahrt in der gut besuchten U6, die nach wie vor das Image der grindigsten U-Bahn-Linie Wiens pflegt.

Am Sportplatz angekommen, feierte ich Wiedersehen mit den DENK-Fans, obwohl ich eigentlich mit mehr bekannten Gesichtern gerechnet hatte. Etwas fragwürdig, aber ich möchte es nicht an die große Glocke hängen, war der teilweise sorglose Umgang mit den Abstandsregelungen. Einer, den ich von früheren Konzerten kannte, kam mir bei der Begrüßung viel zu nah, obwohl (noch) genügend Platz war. Ein anderer wollte mir sogar die Hand geben. Es geht mir nicht darum, dass ich damit angesteckt werde, sondern dass ich ihn auch womöglich anstecken könnte.

Wie schon oben erwähnt, ich möchte es nicht an die große Glocke hängen, aber die wenigen Gebote hätten ruhig beachtet werden können. Wobei ich mich aber dann dabei ertappte, dass es mit den Abstandsgeboten schwierig war. Am Tisch saß ich neben Konzertfreund Gue, wir unterschritten die Distanz von einem Meter, während wir uns unterhielten. Vor allem, als das Konzert dann vorbei war, war eine normale Unterhaltung mit den anderen Menschen nicht mehr möglich. Der Lärmpegel schwoll unter dem Vordach der Kantine an und wenn ich mich (wieder) ein wenig in Small Talk übte, musste ich mich ganz nah an meinen Nächsten heranrücken. Nur gut, dass ich mich für ein Tisch entschieden hatte, der sich am äußersten Rand befand und hinter mir hing nur ein Absperrband.

Und während des Konzerts?

Zwar als DENK Trio angekündigt, erblickte ich neben den drei oben genannten Musikanten den Schlagzeuger Philipp Mayer und es stellte sich erfreulicherweise heraus, dass das Trio zu viert musizieren würde.

Aufmerksamen LeserInnen dieses Blogs werden nicht entgangen sein, dass ich wieder mit neuen Hörgeräten unterwegs bin. Und ich erinnere mich noch gut an die Anfangszeit meiner GN ReSound Verso, das auch hier nachzulesen ist und das Musikprogramm sich mit allen CDs und Konzerten vertrug, außer die von DENK.

Und ich war sehr gespannt auf die Gelegenheit, meine neuen Hörgeräte unter realen Umständen testen zu können.

Die Moderation von Roman Gregory verstand ich akustisch sehr gut. Gregory betonte, dass die gesamten Eintrittsgelder den KünstlerInnen zugutekommen und ersuchte um Unterstützung für den Fußballklub, indem Leiberl erstanden werden konnten. Euphorisch, dass nach einer sehr langen Durststrecke nun wieder Konzerte gespielt werden dürfen, kündigte er mit einem Augenzwinkern DENK an, die heuer im Frühjahr ihre 20-Jahre-Jubiläumstournee unterbrechen musste.

Nun war es endlich soweit:

Mit „Es is guad“ eröffneten DENK heuer ihr erstes richtiges Konzert vor einem Publikum. Und es gab nichts Besseres, als mit diesem Lied zu beginnen. Freudigst und verzückt sang ich das Lied Zeile für Zeile mit.

„Lieg i am Boden – steh i wieda auf/ Woa no net ollas – und ich schwör i woat drauf/ Ollas wird guad – des sich i jetzt ei/ Es wird weidageh – es is no net vuabei“

Anschließend erklang „Ned alla“, das sich auch zu meinen Lieblingen gemausert hat und an diesem Abend verlieh es mir ein stimmiges Gefühl, dass wir alle „ned alla“ sind – sowohl die MusikerInnen als auch die Musik-, insbesondere die KonzertliebhaberInnen teilten gemeinsam das Schicksal der ausbleibenden Veranstaltungen.

Folglich ließ ich kräftig meine Aerosole in die Luft schweben und sang zu den Liedern mit, dessen Text ich (stellenweise) kannte. Wie schee woa des!

Während „Regn im Dezember“ stellte ich mit Genugtuung fest, dass der Klang sehr angenehm war und sich auch mit meinen Hörgeräten vertrug. (Danke auch an den Tontechniker für die saubere Arbeit!)

Auch wenn ich den guten Klang lobe, scheitert mein Sprachverständnis wieder an den Geschichten von Birgit Denk. Was ich noch mitbekam, war Birgits Anekdote von dem nicht anwesenden Tastenmann Harald Wiesinger, der während der besonderen Zeit von seinem eigentlichen Arbeitgeber zu Home Office verdonnert wurde. Seine heimliche Chefin streute ihm Rosen, weil er neben seinem eigentlichen Broterwerb auch mit zwei schulpflichtigen Kindern sehr herausgefordert war.

Die Hymne „Fan“ versetzte uns wieder in Verzückung und ich musste über Birgits Einwurf, den ich ausnahmsweise verstand, „…a poa Kandidaten hamma hier…“ schmunzeln, bevor sie mit der zweiten Strophe begann.

Nach dem Ausg’steckt-Klassiker „Graue Mäus“ hatte ich meinen Spaß mit „Kum net her“. „Na, des los ned aus“ begeistert immer wieder mit dem genialen Gitarrensolo von Ludwig und das Autokino in „Cremeschnitten“ erfährt eine neue Bedeutung.

Zeit für eine Pause.

Verbrachte ich den ersten Teil beschwingt sitztanzend, beschloss ich, nach der Pause nun zu stehen. Zum Glück stand ich mit meinem Entschluss nicht alleine da. Auch wenn wir keine Babyelefanten dazwischen hatten, möchte ich diese Stimmung nicht missen.

Der zweite Teil ging mit einem immer wieder gern gehörten Klassiker „Denk amoi“ los und mit einem „Ich entschleunige euch!“ stimmte uns Birgit auf „Wieda zwieda“ ein. (Und ich hörte den Schlagzeuger Philipp das erste Mal singen. Bist Du narrisch, hat er eine schöne Stimme! Dennis Wilson ist nix dagegen!)

Für die Mädel-Version von „You Shook Me All Night Long“, die „Du kannst die ganze Nacht“ heißt, holte Birgit Roman Gregory auf die Bühne und wir genossen die spätabendliche, etwas frische Stimmung. Doch wollen wir uns nicht beklagen. Seit wenigen Tagen ist das Wetter hier bei uns unberechenbar und für den Freitag war sogar Dauerregen angesagt, der zum Glück zu Mittag aufhörte und der Rest des Tages verlief trocken und zaghaft sonnig.

„Söbe Stodt“ berührte immer wieder aufs Neue und „Was i eh“ sorgte für ein wenig „Hellas-Feeling“.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so sehr darüber freute, „Komplett out“ zu hören. Die eigentliche DENK-Hymne bekam ich sehr oft auf ihren Konzerten, gegen Ende verschwand das Lied von der Setliste, was mich kaum störte. Aber an diesem Abend in Meidling hüpfte ich Freude, für ein paar Zeilen gesellte ich mich zu Fanin M., mit der ich gemeinsam ausgelassen tanzte. (Scheiss auf Abstand…)

Anschließend dachte ich, „Fia di“ wäre jetzt genau richtig, es wurde bald 22 Uhr und es erklang – der Titel ist Programm – „Ned wos i wü“.

Birgit bedankte sich aufs Herzlichste für unser Kommen, schwor darauf, dass sie ein „fotografisches Gedächtnis“ habe und schloss das Konzert mit ihrer Version von John Lennons „Imagine“, „Stöh da vua“.

Es gibt zwar ein YouTube-Video zu diesem Lied, doch ich weigerte mich bisher, es mir anzusehen. Stattdessen ließ ich mich an diesem Abend von den Worten ergreifen und vergoss ein paar Tränchen.

Danke, DENK, für die Musik! Danke an die OrganisatorInnen, die dieses Konzert ermöglichten! Und danke, dass ich wieder ein Konzert erleben kann.

Fotos von Martin auf fotohutt.at

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