Aus meiner Musiksammlung: Steinbäcker „Bilder an der Wand“

badwHeute ist es genau zehn Jahre her, als „Bilder an der Wand“ veröffentlicht wurde. Schon am 26. Mai 2010 durfte ich bei der Präsentation in „Kruger´s Bar“ in 1010 Wien dabei sein (Hier danke ich noch einmal dem Menschen hinter sts.cc, dem Adni!) und konnte mir vorab ein paar Lieder live anhorchen. Doch musste ich noch zwei Tage warten, bis ich endlich alle „Bilder an der Wand“ betrachten in den Händen halten konnte.

Im Laufe der nächsten Wochen, Monate wurde das Album zu meinem Liebling von Steinbäcker, obwohl sein Erstlingswerk „Einmal im Leb’n“ (1990) nach wie vor das beste Soloalbum von ihm ist. Mit dem Nachfolger „Steinbäcker“ (1994) verbinde ich die Erinnerung an den Sommer 2005, in dem ich recht häufig mit meinem Auto unterwegs war und im dazugehörigen Radio lief nichts anderes außer dieses Werk. Mit dem dritten Soloalbum, „Stationen“ (1997), werde ich bis heute nicht warm, obwohl die ersten zwei Lieder auf dieser Scheibe zu meinen Favoriten gehören.

Unter dem Titel „Die vierzehn Bilder an der Wand und wie ich sie sehe“ schrieb ich darüber meine Rezension und veröffentlichte sie auf wenigen Seiten. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums überarbeitete ich den Text und ich hoffe, damit erreichen zu können, dass der eine oder die andere die CD aus dem Regal holt oder zumindest auf YouTube ein Lied anhört.

Darüber hinaus gehört Gert Steinbäcker zu meinen liebsten und wichtigsten deutschsprachigen Musikern. Ohne übertreiben oder in Lobhudeleien verfallen zu wollen, fällt mir niemand ein, der ihn vom Thron stoßen kann. Mit Günter Timischl und Schiffkowitz bildete Steinbäcker STS, eine der erfolgreichsten Vertreter des sogenannten „Austropop“. Sogar objektiv betrachtet war Steinbäcker das populärste Drittel des steirischen Dreiklangs. Mit „Großvater“ und „Irgendwann bleib i dann dort“ sang er in die Herzen der HörerInnen, doch hat Steinbäcker in meinen Augen und Ohren viel mehr hörenswerte Lieder mit noch mehr ernsthafteren Texten geliefert, die Hirn und Seele berühren.

STS höre ich seit zwanzig Jahren und sie sind unverzichtbare Begleiter meines Lebens. Noch heute treffe ich meine Entscheidungen in Lebensangelegenheiten, nachdem ich mich an eine wichtige Liedzeile von STS, vor allem von Steinbäcker, erinnere. Und oft finde ich zu einer Situation ein passendes Zitat aus dem recht umfangreichen Liederfundus der Herren Steinbäcker, Timischl und Schiffkowitz.

Schauen wir uns die „Bilder an der Wand“ an:

Das Eröffnungslied „San Francisco“ wirkte anfangs auf mich etwas sperrig: Ich kann mich mit diesem Ort nicht identifizieren, obwohl ich im Frühjahr 2010 „Flug der Pelikane“ von Benjamin Lebert (Einer der besten Schriftsteller der Gegenwart!) gelesen habe und im Buch kommt auch das berühmte Gefängnis Alcatraz vor. Aber mit jedem Anspielen der CD erscheint mir das Lied immer mehr vertrauter, sicher weil ich dann weiß, dass dann schöne, berührende, nachdenkliche Lieder auf mich warten.

„A langer Weg“ durfte ich schon bei der Präsentation mit Tini Kainrath erleben. Das Duett hört sich nett an, plätschert aber ein wenig vor sich hin und der Funke springt noch nicht über.

„Die Zeit“ …warum dieser Titel? Auf „Einmal im Leb’n“ gibt es auch ein Lied mit dem gleichnamigen Titel. Obwohl dieses Mal Timischl und Schiffkowitz hinter diesem Stück stehen, stiftet es trotzdem Verwirrung.

„Alles Theater“ kennen wir schon aus Schiffkowitz‘ Soloalbum „Er selbst“, auch wenn das Lied aus Steinbäckers Feder stammt. Doch Steinbäckers Fassung kommt nicht wirklich an die schiffkowitziöse heran, aber man darf ja mit dem Eigentum verfahren, wie man es möchte…

Das nächste Bild starre ich sehr oft an. Dabei bleibt es nicht beim bloßen Anstarren. Ich sehe Muster, Schattierungen und schaue auch bis zum äußersten Eck. Es wirkt düster, traurig, es sind kaum helle, fröhliche Farbkleckser drauf. Doch gehört es zu meinen liebsten Bildern auf dem Album: „Hat ned sein soll’n“. In dieser Zeit wuchs mein Interesse für die Sängerin Birgit Denk und es freute mich besonders, dass ihr die Ehre zuteil wurde, mit einem meiner liebsten Musikanten ein Duett zu singen.

Und mit diesem Lied ist Steinbäcker auch gelungen, die Situation so treffend zu beschreiben. Ich fühlte oft mit dem Lied, als ich selbst ähnliche Situationen erfahren musste.

Das Bild, was nachher kommt, ist mir schon seit September 2008 vertraut. „Nur du allein“ hörte ich das erste Mal im Rahmen der Präsentation von Ewald Pflegers Soloalbum „Skyland“, das er mit ausgewählten österreichischen MusikerInnen eingespielt hatte. Nie ein Fan von Opus gewesen, war mir der Pfleger an diesem Abend doch sehr sympathisch und ich erstand nach dem Konzert die CD. Das Lied gehört zu meinen Favoriten auf „Skyland“. Insofern war das für mich keine große Überraschung, als ich das Stück als ein weiteres Bild entdeckte, das sich aber gut in die Galerie einfügt.

„Regentag“: Wolfram Abt, der auf dem vorherigen Lied für das Baßspiel verantwortlich zeichnete, drückte Gert Steinbäcker die geschriebene Melodie in die Hand, teilte ihm ein „Schau, was du damit anfangen kannst.“ mit und schied freiwillig aus dem Leben. Mich hat sein Freitod im Februar 2008 sehr schockiert, fand ich ihn als Bassisten in der Begleitband von STS sympathisch. Selbst Abt erfüllte das Klischee eines typischen Bassspielers, zurückhaltend und doch sehr von seinen KollegInnen geschätzt. Und „Regentage“ wird jede/r von uns gehabt haben.

„Jedes Land hat seine Lieder“ war bei der Präsentation so etwas wie der Höhepunkt. Aber auf dem Album wirkt das Duett mit Irene Fornaciari (Tochter von Adelmo Fornaciari, besser bekannt als Zucchero) für mich farblos.

„Is nie passiert“ gehört zu den besten Bildern und natürlich ist auch der Beitrag von Austropop-Urgestein Wolfgang Ambros ein schönes Farbtupferl. Es fällt mir schwer, die passenden Worte für das Lied zu finden, aber es tut einfach gut, es zu hören. Und die Stimmen von Steinbäcker und Ambros harmonieren so gut miteinander. Wieso gibt es nicht noch viel mehr Lieder von den beiden großen österreichischen Sängern?

„Alte Freunde“ ist kurz und knapp ein musikalisches Resümee aus 30 Jahren STS, das schon Ende der 1970er Jahre gegründet wurde und mit etlichen Anlaufschwierigkeiten aber dann die ersten Lorbeeren einheimsen konnte.

Als ich „Brauner Sumpf“ zum ersten Mal hörte, hegte ich den oberflächlichen Gedanken, dass Steinbäcker schon viel bessere Lieder zum Thema „Nazimief“ komponiert hatte. Doch zehn Jahre später wird mir wieder schmerzlich bewusst, dass Steinbäcker gar nicht damit aufhören soll, auf fast jedem Album (sowohl solo als auch mit T und S) ein solches Lied zu diesem Thema beitragen zu müssen.

„Einfach nur still“ ist einfach zum Hinhorchen, zum Nachdenken, was nachher kommen könnte. Ein kryptisches, geheimnisvolles Bild – untermalt mit einem tollen Text. (Und was habe ich mich gefreut, als ich dieses Lied beim Konzert am 23. Mai 2017 im Wiener Metropol gehört hatte. Und leider war es das einzige Bild an der Wand, das ich von Steinbäcker solo bekam.)

Mit „Roter Mond“ beweist Steinbäcker wieder sein untrügliches G’spür für zeitlose Texte. Das vorletzte Bild gehört zu meinen Lieblingsliedern, die Melodie und der Refrain gehen einfach ins Ohr. Die Zwiesprache mit dem anderen Planeten, der für uns oft sichtbar und doch weit, weit weg ist, ist in diesen Tagen wieder sehr aktuell.

Das letzte Bild gehört auch zum Kreis meiner Lieblingslieder und erinnert mich ein wenig an „Tausendmal“ („jeder, mit dem i zu tun ghabt hab, bleibt in mein Kopf drin bis ins Grab, selbst wannst ihn loswerden willst, dann geht des net“). Hier stellt Steinbäcker wieder sein Können unter Beweis, dass ich zu seinen Liedern oft einfach nur heftig den Kopf nicken muss, so quasi „Er hot mal wieder Recht“.

Mit „Bilder an der Wand“ hat Steinbäcker ein gutes, solides Album mit vielen GastmusikerInnen herausgebracht. Ich war damals gespannt, ob das eine oder andere Lied einen Platz in der Setliste der Abschiedstournee von STS finden würde. In dieser Zeit wurde auch darüber gemunkelt, dass Steinbäcker mit dem Gedanken einer Solotournee gespielt hatte. Aber was auch typisch bei ihm ist, dieses „Warten können muass man, ois hod sei Zeit“, es mussten noch ein paar Jahre vergehen, bis ich zwei wunderbare Solo-Konzerte von ihm erleben konnte.

4 Kommentare

  1. Klingt gut der Herr Steinbaecker!

    Bei vielen Deiner Posts muss ich immer wieder feststellen, wie eingeschraenkt meine Einblicke in die oestereichische Musikszene sind. Es begrenzt sich wohl weitgehend auf Falco und Georg Danzer. Dann fallen mir auch noch Wolfgang Ambros und Christina Stuermer ein, obwohl ich beide primaer nur vom Namen kenne. Und Ludwig Hirsch – ist aber auch schon Ewigkeiten her, dass ich etwas von ihm gehoert habe – u.a. einen etwas makaberen Song ueber einen Toten im Sarg, zu dem der erste Wurm kommt!

    1. Als ich noch in Deutschland und auch noch oberhalb des Weisswurstaequators lebte, hatte ich denselben Blick wie Du, was die oesterreichische Musikszene angeht.

      Aber hier, so quasi im Epizentrum, ist alles ein bisschen anders ;-)

      (Aber ich darf Dir verraten, dass ich hier in Wien viele Leute kenne, die noch nie von Ernst Molden oder Birgit Denk gehoert haben. Was fuer eine Schande!)

      PS: Das Lied von Ludwig Hirsch heisst „Ich lieg am Ruckn“.

  2. Yepp! Das erfolgreichste Drittel von STS! Daumen hoch. Gut beschrieben. Diese Solo-CDs hab ich (noch) nicht. Die Solo-Dinger kamen mir bei Hörproben immer ein bissl unrunder vor, als die STS-Ausbeute. So als ob das die übriggebliebenen Stücke seien, die die anderen beiden nicht haben wollten. Aber „Nur du allan“ macht Lust auf mehr.

    1. Interessanter Gedanke, auf den ich noch nicht gekommen bin.
      Ich hatte stets das Gefühl, Steinbäcker solo könnte auch zu STS passen, während die zwei Solo-Alben von Schiffkowitz einfach Marke „Schiffkowitz“ sind.

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