Hörgeräte-Tagebuch # 13

Mein Text zum Thema MNS (=Mund-Nasen-Schutz) ist nach wie vor in Arbeit. Die krankhafte Perfektionistin Sori kann es nicht lassen… außerdem wird die Maskerade uns noch eine Zeit lang begleiten, da kann der Text noch ruhig vor sich hin schmoren.

Gestern wurde mir wieder schmerzhaft bewusst, wie scheiße die Masken für uns Hörbeeinträchtigte sind. Ich war gestern wieder im Büro und bin wenigen KollegInnen begegnet. Aus Rücksicht setzte eine Kollegin ihre Maske wieder auf, während sie, zusätzlich noch in einem Sicherheitsabstand, mit mir sprach. Ich deutete auf ihre Maske und meinte, dass ich sie nicht verstehe.

(Ach ja, und an der Stelle ein herzhaftes „Fuck you“ an die KollegInnen, die trotz meiner Bitte sich weigern, bei den Sitzungen die Videofunktion einzuschalten, wenn sie das Wort haben.)

Ähnliche Situationen in den Geschäften: Es geht nicht nur um das HörVerstehen, sondern auch darum, dass ich einen Aussprachfehler habe.

Einmal bat ich eine Supermarktkassiererin um einen Rabatt. Es dauerte etwas, bis sie mich endlich verstand. Ein weiterer Vorfall in einem anderen Supermarkt: Die Kassiererin scannte einen Artikel falsch ein. Mir fiel der Fehler auf und weil ich gern zu übertriebener Mimik neige, fiel der Kassiererin meine Regung auf. Sie (durch die Maske): „Stimmt etwas nicht?“ Das ich natürlich erst im zweiten Anlauf verstand. Ich, mir meines Sprachfehlers bewusst, wischte mit einer Handbewegung weg. Keine Lust zum Diskutieren.

Die Maske raubt uns Menschen mit Hörbeeinträchtigungen und Aussprachfehler unser letztes Stück Würde.

Und der MDR Thüringen ließ sich zu einem Artikel herab. Wenigstens die:
https://www.mdr.de/thueringen/corona-krise-mundschutz-pflicht-hoergeschaedigte-gehoerlose-100.html

Gestern fühlte ich mich so müde. Es ist mir oft nicht bewusst bzw. ich denke gar nicht mehr daran, welche (all)täglichen Hürden ich aufgrund meines anderes Hörens meistere und achte auch nicht mehr darauf, dass deswegen meine Menschenrechte mit den Füßen getreten werden.

Aber gestern kam das Fass zum Überlaufen.

20200415

Ich werde nun probieren, bei der nächsten Gelegenheit den Anstecker, den ich vor ca. zwei Jahren vom örtlichen Schwerhörigenverband erhielt, sichtbar an meine Kleidung anzubringen. Bisher war ich ja zu eitel dafür, aber jetzt werde ich damit experimentieren:

ansteckerIch werde berichten…

PS: Da war doch etwas mit den Hörgeräten. Nein, keine Fortschritte in Sachen neue Hörsysteme. Wie denn auch…

10 Kommentare

  1. Ich sehe die Maskentrag-Pflicht stellt für Schwerhörige eine grosse Herausforderung dar, weil sie das Lippenlesen unmöglich machen. Hier in der Schweiz können wir noch ohne Masken auskommen. Doch der Druck steigt. Viele zwangs­stillgelegte Zweige der Wirtschaft sehen in den Masken eine Möglichkeit, den Betrieb wieder aufzunehmen. 

    Ich halte mich an die allgemeinen Verhaltensregeln – Hände waschen, Abstand halten. Doch in Situationen, wo dies partout nicht möglich ist – zum Beispiel in der dicht gedrängten Menge in einem Zug oder im Tram – würde ich mich zusätzlich mit einer Hygiene­maske schützen. Notfalls auch mit einer selbst gebastelten.

    1. Lieber hotfox63,

      Abstand halten und regelmäßiges Händewaschen habe ich mittlerweile verinnerlicht. Wobei erstere in einer Großstadt wie Wien manchmal sehr schwierig ist, aber je weiter ich an den Stadtrand komme, umso angenehmer wird es.

      Die Maskenpflicht möchte ich an und für sich nicht verteufeln: Leute, die in ihr Mobiltelefon redend, an mir vorbeigehen oder LäuferInnen, die an mir vorbeihecheln wünsche ich sowohl denen als auch mir einen MNS.

      Wenn dieser Schutz tatsächlich hilft, das verföckte Virus einzudämmen, dann akzeptiere ich es auch.
      Aber der Gedanke daran, dass es irgendwann zum „normalen“ Alltag gehören wird, lässt mich erschaudern.

      Liebe Grüße aus Wien!

      PS: Sollte es bei Euch in der Schweiz soweit sein, werden auch „selbst gebastelte“ Masken akzeptiert. Hauptsache, Mund und Nase werden bedeckt. (Somit gelten auch Schals oder Halstücher.)

      1. Das mit den Masken ist halt so eine Sache. Am besten ist wir benutzen den gesunden Menschenverstand. Drum, liebe Sori: Mit den Augen sprechen lernen.

      2. Das ist ja spannend! Ist Dein Enkelkind gehörlos oder wird es mit Hörgeräten oder CI versorgt?

        Meine Eltern sind selbst gehörlos und ich stelle mir dennoch Gebärdensprache mit halb verdecktem Gesicht auch nicht super vor, da wir auch unsere Lippen formen, um bestimmte Wörter zu „sagen“. Vor allem gehört zur Gebärdensprache auch die Mimik dazu.
        Für meine Eltern gilt ab heute in Thüringen die Maskenpflicht, es wird für sie noch schwerer sein, weil nicht jede/r die Gebärdensprache beherrscht.

      3. Ich meine bloss, dass sich die Zeichensprache für Kleinkinder an der Gebärdensprache für Gehörlose orientiert; auch wenn sie viel einfacher ist.

      4. „Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse.“ (Saint-Exupery)

        Bzw. ich habe mich zu früh „gefreut“, aber als eine „Vorbelastete“ kann ich nur in diese eine Richtung denken.
        Im Ernst: Es ist gut, dass Dein Enkelkind hört.

        Und ein weiterer Augenzwinker, dass Du nun mit Deinem Enkel eine Sprache in dieser Richtung lernst.

        Sonnige Grüße aus Wien schicke ich Dir!

  2. Guten Morgen Sori,

    ich finde beim Punkt mit den KollegInnen, die bei den Video-Meetings ihre Kamera nicht einschalten, ist Dein Chef in der Pflicht: Er sollte dafür sorgen, daß alle zu sehen sind – es ist schließlich in seinem Interesse, daß das Besprochene auch alles bei Dir ankommt …
    Und es findet sich immer eine Möglichkeit, beim Meeting die Kamera so zu positionieren, daß nicht zuviel von der Umgebung zu sehen ist – im Zweifel kann man sogar ein Hintergrundbild einblenden … das hat ein Kollege von mir spaßeshalber schon mehrfach getan und begrüßte uns beim Meeting grinsend direkt aus dem Weltall …
    Ich jedenfalls kann gut damit leben, daß meine Kollegen das Regal mit River- und Darkness-Box sehen … ;o)

    Ich wünsch‘ einen frohen letzten Wochenarbeitstag!
    Spike

    1. Guten Morgen Spike,

      ich hatte eine solche Sitzung gehabt, wo eine Kollegin gerade am Strand und unter Palmen war. Warum ein paar andere es nicht taten, steht in den Sternen.

      Aber zwischen idealisierter Barrierefreiheit und gelebten fairen Arbeitsbedingungen ist oft ein sehr tiefer Graben.

      Und oft möchte ich meinen Chef nicht mit solchen „Kleinigkeiten“ belasten, da er aufgrund dieser Situation auch ziemlich viel um die Ohren hat.

      Und da kommen wir wieder zu diesem Punkt, dass ich manchmal oft gar nicht merke, welche Hürden ich meistere.

      Insofern ist das auch kein Wunder, dass ich misanthropische Züge aufweise und gern mit mir alleine bin.

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