Das Haus des Meeres gehört zu den Attraktionen in Wien, das gleichermaßen von TouristInnen und WienerInnen aufgesucht wird. Ich gehöre weder zur einen noch zur anderen Gruppe.

In einem ausgemusterten Flakturm – es stehen sechs solcher Türme in Wien – befindet sich das „Aqua Terra Zoo“ oder auch „Haus des Meeres“.

Riesige Aquarien mit lebenden Tieren schwimmend, liegend und sich windend sind im sechsten Bezirk untergebracht, ganz in der Nähe von Wiens beliebtester Einkaufsstraße, der Mariahilfer Straße (auch liebevoll „MaHü“ genannt).

Bis vor einem Jahr thronte auf dem Haus des Meeres der zweisprachige Spruch: „Zerschmettert in Stücke im Frieden der Nacht / Smashed to pieces in the still of the night.“ Das deutschsprachige Zitat inspirierte Thees Uhlmann zu seiner musikalischen Liebeserklärung an Wien.

Doch auch Flaktürme gehen mit der Zeit und seit kurzem wird daran gearbeitet, das Haus des Meeres sowohl außen als auch innen im neuen Gewand erstrahlen zu lassen und der einprägsame Spruch musste verschwinden.

Als ich noch im 15. Hieb gewohnt habe, befand ich mich sehr oft in der Nähe vom Haus des Meeres. Der 57A brachte mich verlässlich in meine erste eigene Wohnung.

Aber ein Besuch im Haus des Meeres?

Nein.

Hat mich nie gereizt.

Ich mag Tiere unter Wasser nicht besonders. Mir sind Tiere lieber, die ein Fell haben. Darüber hinaus bekomme ich gern und leicht Panikattacken, wenn ich riesengroße, in sich abgeschlossene Wasserlandschaften hinter einer Glaswand erblicke. Ab und zu träume ich, dass ich mich auf der anderen Seite der Glaswand befinde und schrecke dann aus diesen Träumen auf.

Und der Gedanke daran, dass sich solche Ansammlungen in einem Turm, insbesondere in einem Flakturm, befinden… uaaaahhhh!

Aber Ernst Molden, dessen Musik ich seit Sommer 2009 höre und etliche Konzerte besucht habe, hat auch ein Album mit dem Titel „Haus des Meeres“ herausgebracht. Elf ziemlich gewöhnungsbedürftige, auf hochdeutsch gesungene Nummern sorgen dafür, dass „Haus des Meeres“ nicht unbedingt zu meinen Lieblingen in der Moldenschen Diskographie gehört.

Doch vor wenigen Wochen erhielt ich wieder ein E-Mail von der MedienManufaktur Wien und las, dass Ernst Molden am 6. November 2019 im Haus des Meeres spielen würde.

Das konnte ich mir doch nicht entgehen lassen! Trotz der oben geschilderten Widrigkeiten!

Am Mittwoch, 6. November 2019 kam ich gegen 19 Uhr beim Haus des Meeres an. Zunächst hielt ich mich etwas länger im Kassabereich auf und beging den Fehler, nach oben zur Decke zu sehen. Ich erblickte „an muadsdrum wös“ (Zitat aus „Bundesbod“), der auf der Glasscheibe lag. Schon stieg leichte Panik in mir auf und ich dachte lieber daran, wie gut ein Welsfilet schmeckt. (Esse ich gern im „Fischhaus“, wenn ich mich wieder in der Saale-Unstrut-Region befinde.)

Nun fuhren wir mit dem Aufzug in den 9. Stock, während der Fahrt richtete ich meinen Blick stets auf den Boden, da unten nichts zu sehen gab. Im 9. Stock angekommen, wurden wir an den Hammerhaien vorbei zum nächsten Aufzug geleitet, der uns dann in den 10. Stock zum Veranstaltungssaal brachte.

Im Saal angekommen, holte ich mir ein Bier und genoss den Ausblick auf das abendlich beleuchtete Wien und es dauerte nicht mehr lange, bis Ernst Molden die Bühne betrat.

Mit „Meisdns geds eh“, eine Wienerische Übersetzung von Bob Dylans „Most Of The Time“, eröffnete Ernst Molden sein mittlerweile zur einer Rarität gewordenes Soloprogramm. Die Einführung zum nächsten Lied, „De Haschisch Hendln“, war so sehr zum Kringeln, bevor es tierisch mit dem „Hund“ weiterging.

Wie sehr Ernst Molden seine Frau unermesslich liebt, bewies er mit einem weiteren Lied namens „Stern“, das er ihr widmete.

Für viele Lacher im fast ausverkauften Saal sorgte Molden mit der „Rudolfstiftung“ und ich hatte den Verdacht, dass im Publikum ein paar Leute sitzen, die Molden vorher noch nie gehört haben. (Bei einer Besucherin war das eindeutig, sah ich doch, wie sie am Verkaufsstand die ganze Diskographie von Ernst Molden erworben hatte. Eh eine gute Investition!)

Nun war es so weit: Ernst Molden erwähnte, dass er eigentlich nur ein langes Lied auf dem Album schreiben wollte. Daraus wurde „Haus des Meeres“ und ich geriet in leichte Verzückung, als ich endlich meine Live-Premiere von diesem Lied hörte. Zum Spielort passend erklang noch „Flagduam“, bevor es mit „Ho Rugg“ in die Pause ging.

Mit Bezug auf den Nationalpark Donau-Auen eröffnete Ernst Molden den zweiten Teil mit „Dausnd Göösn“ und wenn wir uns schon in der Gegend befinden, wurde wieder Bob Dylan gehuldigt, als Ernst Molden „Red River Shore“ schlicht und einfach in „Lobau“ wienerischte.

Mystisch ging es mit „Deifö“ und der „Schwoazzmarie“ weiter, bevor Ernst Molden mein liebstes Lied auspackte. Wieder beschwörte er das „Carpe diem“ auf Erdbergerisch und ich versank mich in „Es Lem“.

Zum Schmunzeln brachte uns Molden, als er von den Wiener Bergen erzählte und der Stolz der WienerInnen auf ihre Höhenzüge, obwohl keine von denen 1000 Meter erreicht. Aber dafür gibt es einer Wiener Hütte auf 8000 Meter Höhe! Das müssen die anderen Bundesländer einmal nachmachen! „De Beag“ und „Awarakadawara“ brachten Schwung in den Saal, bevor mit Sigi Marons „A Nocht laung auf da Autobahn“ eine nachdenkliche Stimmung herrschte.

Mit der „Hammerschmiedgossn“ verabschiedete sich Ernst Molden vom aufmerksamen Publikum, ohne nicht zwei Zugaben zu spielen: „Oh du lieber Augustin“ und „Hengds mi auf“.

Molden solo – ich höre ihn am liebsten in dieser Form. Oder in Begleitung seines kongenialen Knöpferlharmonikaspielers Walther Soyka. Da fühle ich mich seiner Musik am nächsten. Da geht es mir am leichtesten, seine gesungenen Worte zu verstehen und ich kann mich am besten und tiefsten in seiner Musik einfinden.

Abschließend möchte ich in eigener Sache erwähnen, dass ich mir wieder eine Blogpause verordnen werde. Erst ab Dezember werden Sie weitere, neue Beiträge von mir zu lesen bekommen. Falls Sie den neuesten Eintrag nicht versäumen möchten, so sind Sie dazu herzlich eingeladen, meinen Blog zu abonnieren. Ich versichere Ihnen, Ihre Daten werden von mir nicht weitergegeben.