02.08.2019 – FreeMenSingers in der Ottakringer Brauerei

In der Ottakringer Brauerei finden wieder die Braukulturwochen statt. Und weil ich heuer noch nicht dort war, war nun ein Besuch fällig:

Gemeinsam mit Konzertfreund M. gönnte ich mir den Auftritt der FreeMenSingers, die ich vor acht Jahren das erste und auch vorerst letzte Mal gesehen habe. Den Abend in der Krieau dokumentierte ich in meinem alten Blog. (Für diejenigen, die es immer noch nicht wissen wollen: Blaue Wörter führt zu einem Link.) In den nächsten Jahren gelang es mir nicht, ein weiteres Konzert von den drei Herren zu besuchen – das sollte sich nun am 2. August 2019 ändern.

Hinter den FreeMenSingers stecken die drei Vollblutmusiker Andie Gabauer, Didi Baumgartner und Werner Eichhorn, die nach dem Motto „Folk’n’Roll at its Best“ bekannt-vertraute Lieder aus den 1960er bis 1990er Jahren spielen und wenn man Glück hat, hört man auch Eigenkompositionen. Das Glück hatten wir gestern nicht, da Andie Gabauer krankheitsbedingt ausfiel und stattdessen ein mir namentlich nicht bekannter (weil auch nicht verstanden) Bassspieler einsprang.

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Der Himmel über Ottakring

An einem lauen Sommerabend trafen wir uns gegen 18 Uhr bei der Brauerei und konnten eine Heurigenbank in der zweiten Reihe okkupieren. Wir verfolgten aufmerksam den Soundcheck, der scheinbar akribisch durchgeführt wurde und nicht innerhalb von fünf Minuten erledigt war. (Außerdem möchte ich auch anmerken, dass ich schon ein paar Konzerte im Rahmen der Braukulturwochen besucht habe und am Klang hatte ich bisher nichts auszusetzen gehabt.)

Wir holten uns die ersten Biere, ein Moderator kündigte an, dass heute der „Internationale Tag des Bieres“ gefeiert werde und machte auch Werbung für die Gastbrauerei. Ich neige dazu, das erste Bier des Abends rasch auszutrinken, dafür genieße ich die nächsten umso mehr. So stattete ich dem Standl der Gastbrauerei einen Besuch ab und brachte M. („Wurscht was für ein Bier, bring mir einfach eines.“) ein Krügerl vom „24/7“ und ich gönnte mir ein Seiterl vom „Green Is Lord“. Das herbe Pale Ale schmeckte mir, während M. über sein unfiltriertes Helles nicht sehr glücklich war. Beim Beobachten der anderen anwesenden Leute fiel mir ein Herr ins Auge. „Den habe ich doch irgendwo einmal gesehen!“ schoss mir durch in den Kopf und in den nächsten Stunden sah ich einige Male zu ihm herüber und rätselte, warum mir sein Gesicht so bekannt vorkam.

Kurz nach 19 Uhr ging das Konzert los. Trotz des bescheidenen Klangs erkannte ich „Here Comes The Sun“, beim Mitsingen ertappte ich mich dabei, dass ich die Version von STS in den Ohren hatte. Bei den nächsten Nummern „One“, „Handle With Care“ und „Love The One You’re With“ wurde der Klang auch nicht besser. Obwohl wir relativ weit vorne saßen, kam mir die Musik unterdrückt vor. Oder wie ein schlecht aufgenommenes Live-Konzert. Außerdem kann Didi Baumgartner besser Gitarre spielen als singen und wenn er bei recht vielen Nummern den Gesangspart übernahm, brauchte ich oft lange, bis ich das Lied erkannte. M. gegenüber klagte ich mein Leid, doch im Gegensatz zu mir empfand er den Klangteppich als nicht durchlöchert, gab aber zu, dass er die Ankündigungen von Herrn Baumgartner nicht verstünde. Die Moderationen von Werner Eichhorn verstand ich auch nicht, aber da seine Gesangsstimme etwas trainierter war, fiel es mir leichter, seine Lieder zu erkennen.

Aber ja, wir sind bei freiem Eintritt auf einem Festl, da schraube ich meine Ansprüche etwas nach unten und war dennoch froh darüber, dass ich – wenn auch mit einiger Verzögerung – die Lieder erkannte und zu ihnen auch mitschwingen konnte.

Zu den oben erwähnten Liedern bekamen wir auch „Wonderwall“, „Dancing In The Dark“, „Weather With You“, „Under The Bridge“, „Bad Moon Rising“, „Sweet Home Alabama“, „Born To Be Wild“, „Satisfaction“ und „Have You Ever Seen The Rain?“ zu hören.

Und ich kam zu der Erkenntnis, wie toll das menschliche Gehör sein kann. Auch in meinem Fall. Die beim Konzert gespielten Lieder sind mir schon seit Jahren vertraut, ich höre sie gern und sie bleiben auch irgendwo in meinem Gehirn gespeichert. Sprich, ich rufe die Lieder in meinem Kopf ab und höre Teile davon (zB der Refrain) oder auch von der Anfangs- bis zur Schlussmelodie.

Und mein Erinnerungsvermögen war mir eine sehr große Hilfe bei diesem Konzert. Einige Nummern erkannte ich schon an den ersten Takten, aber sobald Didi Baumgartner den Mund aufmachte, war ich für ein paar Sekunden wieder irritiert, bis ich dann endlich das Lied eindeutig zuordnen konnte.

Unter diesen widrigen Bedingungen und unter dem Einfluss (oder auch dank Genuss) von einem Krügerl Ottakringer Helles, einem Seiterl Green Is Red, einem Krügerl Ottakringer Wiener Original und abschließendem Seiterl vom letztgenannten Gebräu haben mein Gehör und mein Erinnerungsvermögen ganz tolle Arbeit geleistet. Es war ein schöner Abend und es hat mir auch Spaß gemacht, „Born To Be Wild“ das erste Mal live mitzugrölen.

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Zwei Wiener Originale

Und heute Morgen nach dem Aufstehen wusste ich nun, wer der Herr war, der mir so bekannt vorkam: Es war der Apotheker auf der Äußeren MaHü, wo sich meine ehemalige Stammapotheke befand.

2 Kommentare

  1. Liebe Sori,

    danke mal wieder für’s mitnehmen und das mittendrin dabei sein lassen … und diese Setlist wäre auch für mich ein Genuß gewesen, ich hätte wie Du das meiste mitgesungen. Hat sich denn das Rätsel noch gelöst, warum der Klang bei Dir so schlecht war, beim Nachbarn jedoch relativ gut?
    Schön auf jeden Fall, daß trotz allem der Spaß nicht auf der Strecke blieb, sondern das „akustische Kopfkino“ den Sound zum genießen aufbereitet hat …

    … und diese Momente von „Den oder die kenn‘ ich … aber woher nur?“ hatte ich auch schon ab und an … denke das liegt daran, daß man die Person da in einem völlig anderen als dem gewohnten Kontext sieht … und z.B. eben auch „in Zivil“ statt im weißen Apothekerkittel … oder tragen die Apotheker in Austria was andres?

    Ein sonniger Gruß aus Baden!
    Spike

    1. Ich habe eher den Verdacht, dass mein Begleiter schon länger bestimmte Frequenzbereiche nicht mehr so gut hört. Aber psssst…

      Und ja, der fehlende Apothekerkittel war schuld daran, dass ich ihn nicht sofort erkannt habe ;-)

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