Aus meiner Musiksammlung: „Badlands – A Tribute To Bruce Springsteen’s Nebraska“

badlandsSchon mit dem WWW verbunden, erfuhr ich rechtzeitig von der Veröffentlichung eines (weiteren) Bruce-Springsteen-Tribute-Albums am 7. November 2000. Dennoch besaß ich bis dato kein einziges Erinnerungsalbum und was meine noch recht junge Leidenschaft für Bruce Springsteens Musik betraf, war ich eine sogenannte „loner“. So verlor ich das Interesse an einem gecoverten „Nebraska“, das ich zu diesem Zeitpunkt auch nur auf einer überspielten Musikkassette hatte! (Und immer noch habe!)

kassetten
Meine kleine Sammlung an Musikkassetten: (von links nach rechts) „Benjamin Blümchen“ (Meine allererste!), die auf drei BASF-Coca-Cola-Sonderedition-Kassetten überspielte „Live/75-85“, die erwähnte überspielte „Nebraska“ und mein erstes Springsteen-Bootleg.

Erinnert sich noch jemand an Napster? Damals für mich eine wunderbare Fundgrube, Musik zu entdecken und so lud ich mir die verfügbare Nummer aus diesem Album herunter: „Reason To Believe“ von Aimee Mann & Michael Penn. (Übrigens, Michael Penn ist der Bruder von Sean Penn, der bei einem meiner absoluten Lieblingsfilme Regie geführt hat: „Indian Runner“. Und wehe, ein Springsteen-Fan fragt, wovon der Film handelt…!)

Die Version des auch privat verbundenen Duos faszinierte mich, aber zu einem Kauf der CD entschloss ich mich erst im Frühjahr 2003.

Zwar kenne ich nicht jedes Springsteen-Tribute-Album, weil es sie mittlerweile wie Sand am Meer gibt, aber „Badlands – A Tribute To Bruce Springsteen’s Nebraska“ empfehle ich gern.

Wie der Titel schon verrät, wird Tribut an Bruce Springsteens Album „Nebraska“ gezollt. Gleichzeitig stiftet der Oberbegriff „Badlands“ ein wenig Verwirrung, weil dieses Lied in dieser Kompilation nicht enthalten ist, aber der einigermaßen textsichere Springsteen-Fan wird einwerfen, dass das Wort „badlands“ im Lied „Nebraska“ vorkommt. Doch besteht auch ein enger Zusammenhang zwischen „Badlands“ und dem Album „Nebraska“: Die Grundstimmung des Albums ist durchwegs eine düstere, die wirtschaftliche Situation eher depressiv und beim Betrachten des Albumcovers sehe ich mich in einem Auto durch die Einöde herumkurven.

Das Tribute-Album folgt der Liederliste des ursprünglichen Albums aus 1982 und wird von Chrissie Hynde eröffnet. Begleitet von ihrem Gitarristen Adam Seymour, besingt die Sängerin von „The Pretenders“ das Titellied in der gleichen trostlosen Stimmung. Auffallend ist die fast ausgewogene Verteilung zwischen Sängerinnen und Sängern in dieser Sammlung. Man mag zunächst nicht glauben, aber ein paar Nummern aus „Nebraska“ können sehr wohl aus der Sicht einer Frau beschrieben und besungen werden.

Tasten wir uns noch ganz vorsichtig an dieses Meisterwerk heran, etwas behutsamer als Bruce Springsteen damals, der seine Kassette mit den Demoaufnahmen zu „Nebraska“, ohne Hülle, wochenlang in einer Hemdtasche trug. Doch die zweite Nummer reißt mich mit. Wie kann er das wagen? Doch, er kann das. Hank III, der Enkel von Hank Williams und Sohn von Hank Williams Jr., gelingt es, „Atlantic City“ in einer fast leichtfüßigen Hillbilly-Country-Nummer zu verwandeln. Und die Stimme erst recht! (Dagegen stehen mir die Haare zu Berge, wenn ich an die Seeger-Sessions-Version denke.) Kleiner Wermutstropfen: Den letzten Vers vor dem Refrain ließ Hank III aus.

Nun legen Crooked Fingers (Noch nie von denen gehört!) mit „Mansion On The Hill“ nach, die via Mini-Mikrofon zu den Hörgeräten in meine verkrüppelten Gehörschnecken hineinsingen. Die Stimmen und die Melodie schaffen eine beinahe beklemmende, beängstigende, alptraumhafte Atmosphäre. Nix mit einem niedlichen Haus auf einem Hügel, eingebettet in einer malerischen Landschaft!

Los Lobos‘ Version von „Johnny 99“ wirkt geradezu übersteuert, die Instrumente überlagern, überdröhnen den Gesang. Es ist die erste von zwei Nummern auf diesem Album, die ich gern weiterdrücke.

Dar Williams (Auch noch nie von ihr gehört!) gelingt es mit ihrer rauchigen Stimme, „Highway Patrolman“ in einer entsprechenden Stimmung zu versetzen, obwohl das Lied aus der Sicht eines Mannes (hier: Joe Roberts) besungen wird. Die mir ebenfalls unbekannte Deana Carter erweist sich auch als würdig, mit ihrem hypnotisch wirkenden Gesang die Spannung in „State Trooper“ zu halten.

Den Vogel unter den Sängerinnen schießt aber Ani DiFranco mit „Used Cars“ ab. DiFranco ist mit Springsteen und vielen anderen Musikanten auf dem Sampler „´til We Outnumber ´em“ vertreten, das die Geburtsstunde für die „Seeger Sessions“ markierte, obwohl noch einige Jahre bis zu diesem Album vergehen mussten. Aber zurück zu Ani DiFranco: Horchen Sie sich das einmal an! Wie sie mit ihrer zerbrechlichen, fast tränenerstickten Stimme das „I ain’t ever gonna ride in no used car again“ schwört… huuu! Man könnte meinen, DiFranco habe es selbst am eigenen Leibe gespürt.

Son Volt nimmt in „Open All Night“ das Tempo total heraus und unverständlicherweise kürzt er auch das Lied, aber es ist dennoch nett anzuhören, bevor wir dann zum zweiten und letzten schwachen Lied dieses Albums kommen:

Ich fürchtete mich regelrecht davor, wieder im Strudel dieses Liedes gefangen zu sein, wenn ich es hören und lesen würde. Doch Ben Harper, eigentlich ein beachteter Folksänger, hat das Lied gründlich versaut. Und mich gleichzeitig davor bewahrt, wieder im Sog meiner Gefühle, meiner Kindheitserinnerungen, meiner frühesten Traumerlebnisse zu ertrinken.

„My Father’s House“. Eines der besten, tiefgründigsten Lieder von Bruce Springsteen. Seit wenigen Jahren kann ich es nur dann hören, wenn ich mich mental stark fühle.

Das Tribut an „Nebraska“ findet mit „Reason To Believe“, mit meinem Einstiegslied, ein würdevolles Ende.

Doch der Produzent Jim Sampas gibt noch drei Zuckerln drauf: Kein anderer als Johnny Cash liefert eine weitere Ausgabe aus dem Springsteenschen Liederfundus. Das geradezu schnörkellose „I’m On Fire“ fügt sich in die musikalische Grundstimmung dieser Kompilation ein und kommt auch gut an, aber wäre nicht das nächste Lied, das möglicherweise DAS beste Lied auf diesem ganzen Album ist:

Raul Malo, Sänger der Band „The Mavericks“, gelingt eine wunderbar herzzerreißende Interpretation von „Downbound Train“, das sich mit dem Original messen kann. Ach ja, die offizielle Version erschien zwar auf dem Album „Born In The U.S.A.“, aber die früheren Versionen entstanden schon in 1982 im Zuge der Aufnahmen zu „Nebraska“.

Und zu guter Letzt hören wir eine unglaubliche Variation von dem der allgemeinen Hörerschaft eher unbekannten „Wages Of Sin“. Auch sind mir die Interpreten Damien Jurado und Rose Thomas nicht bekannt. Das Original entstand während der Aufnahmen zu „Nebraska“, blieb aber jahrelang verschollen, bis es 1998 auf „Tracks“ auftauchte. Auch spielte Bruce Springsteen das Lied bisher nur ein einziges Mal live. Die Besucher, die am 7. Mai 2013 im finnischen Turku dabei waren, können sich glücklich schätzen.

Weiterführende Links:

http://sori1982.blogspot.com/2015/09/bruce-springsteen-nebraska.html

https://www.subpop.com/releases/various_artists/badlands_a_tribute_to_bruce_springsteens_nebraska

https://en.wikipedia.org/wiki/Badlands:_A_Tribute_to_Bruce_Springsteen%27s_Nebraska

 

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