Aus meiner Musiksammlung: Allan Taylor „Hotels & Dreamers“

allan_taylorMich an dieses Album heranzuwagen, ist als ob ein Blinder, der noch nie in seinem Leben etwas „gesehen“ hat, ein recht bekanntes Gemälde beschreiben soll.

Was das bekannte Gemälde darstellen soll, überlasse ich Ihrem sehenden Auge. Die Vorstellung ist nämlich individuell, da fällt dem einzelnen Leser sein eigenes bekanntes Gemälde ein. Wenn Sie mich fragen, was meines sein soll, dann hier die Antwort: „Das ist der Weg zu Dir“ von Friedensreich Hundertwasser.

(Wer es kennt. Aber ja, es ist mein liebstes Gemälde.)

 „Hotels & Dreamers“ wurde von einer Plattenfirma namens „Stockfisch Records“ veröffentlicht. „Stockfisch Records“ erhebt mit ihrem Motto „Closer to the Music“ den Anspruch, Musik in klanghöchster Qualität zu vertreiben.

Und dann kommt so eine wie ich mit folgendem Text an…

Ich nehme mir mein ReSound Mini-Mikrofon zu Hilfe und tauche in die Welt der „Hotels & Dreamers“ ein. Ich brauche keine goldenen Kopfhörer, keine teure Klanganlage – sie werden nicht gegen das Mikrofon, das kabellos an meine Hörsysteme gekoppelt werden kann, bestehen können. (Für den „goldenen Kopfhörer“ danke ich Spike! Ich hoffe, es ist Dir recht, dass ich die sehr anschauliche Bezeichnung verwenden darf, ohne Dich vorher um Erlaubnis zu fragen.)

Nicht bei meinem Gehör!

Dennoch ist es mir ein großes Anliegen, etwas über Allan Taylor zu schreiben. Schon in den 1960er Jahren begann Taylor, Musik zu machen und seine ersten Alben erschienen in den frühen 1970er Jahren. Doch ist es sein Spätwerk, auf dessen Fokus ich richte. Eigentlich hätte ich die Überschrift teilweise durch „Songs For The Road“ ersetzen sollen, ist es doch die erste CD von Allan Taylor, mit der ich in Berührung kam.

Ermutigt durch das berührende Hör- und Leseerlebnis erweiterte ich meine kleine Musiksammlung mit „Hotels & Dreamers“, „All Is One“ und „Down The Years I Travelled“. Aus diesem kleinen Repertoire sticht „Hotels & Dreamers“ hervor.

Im dazugehörigen Heftchen erhält der Hörleser teilweise ergänzende Informationen, was Allan Taylor dazu bewegte, die auf dem Album befindlichen Lieder zu schreiben. Eröffnet wird das Album mit „The Beat Hotel“, eine Ode an das lyrische Paris in den 1950er und 1960er Jahren, wo Poeten und Tagträumer aus aller Welt sich im Gebäude in der 9 Rue Git-le-Coeur einfanden. Das Lied besticht mit dem bilderreichen Text und der sehr eindringlichen Stimme von Allan Taylor. Die sparsame, aber doch klangvolle Instrumentierung verleitet dazu, jederzeit im „Beat Hotel“ einchecken zu wollen und von dort aus nach Abenteuer zu suchen oder einfach nur der Kreativität freien Lauf zu lassen.

The myth is stronger than the truth, and truth can sometimes lie
To see it all for what is you need an uncorrupted eye
Was the journey worth it, only time will tell
Still looking for Nirvana, at the Beat Hotel

(Allan Taylor, „The Beat Hotel“)

Die Begriffe „Hotels“ und „Dreamers“ begegnen uns auch in den nächsten Liedern immer wieder, am meisten gelungen halte ich diese Kombination in „The Mission Hotel“. Die Anekdote, die Allan Taylor zu diesem Lied verfasst hat, besitzt etwas Liebenswertes an sich. Das „Mission Hotel“ gibt es auch tatsächlich und es ist das Akkordeonspiel, das dem Lied seinen Stempel aufdrückt.

Auch stellt „Hotel“ ein Symbol für Allan Taylor dar, der als vielgereister Barde schon um die Welt gekommen ist und nach wie vor sehr gern Konzerte außerhalb seines Heimatlandes gibt.

„For Those We Knew“ und „For What It’s Worth“ sind nur zwei der Lieder auf diesem Album, die die Vergangenheit reflektieren. Eine Mischung aus Erinnerung, Vergänglichkeit, Wehmut zeigt auf, dass der Begriff „Zeit“ ein wesentlicher Faktor in unserem Leben ist.

„Running On Dreams“ und „Some Dreams“ werden auch dem Schlagwort „Dreamers“ gerecht. Letztere gehört zu meinen Favoriten auf diesem Album, die harmonische Hintergrundstimme von Christine Maringer-Tries verleiht dem Refrain eine besondere Note.

„A song is a dream that sometimes gets lost on the way/ And dreaming’s for lovers who sometimes don’t know what to say“ (Allan Taylor, „Some Dreams“)

Aktuell beschäftigen mich wieder meine Träume. Ich bin von Natur aus ein Mensch, der gut schlafen kann. (Ja, schlaflose Nächte habe ich auch. Aber sehr selten. Ja, ich habe auch die Momente vor dem Einschlafen, in der meine rotierenden Gedanken mich nicht in Ruhe lassen.) Selbst wenn ich vor einer Prüfung oder vor einem ähnlich wichtigen Ereignis stehe, ich schlafe gut. Aber dafür kommen die Träume. In letzter Zeit träume ich öfters schlecht und so werde ich damit bestraft, dass ich mich nicht im Bett herumzuwälzen und Schäfchen zu zählen brauche.

Mit fast einer Stunde Gesamtspielzeit gibt uns Allan Taylor auf „Hotels & Dreamers“ die Gelegenheit für ein Innehalten, der Musik zuzulauschen und die Texte aufmerksam zu lesen. Und tun Sie bitte gar nichts anderes! Lassen Sie sich nicht von irgendetwas ablenken! (Ich glaube, das werden Sie nicht, wenn Sie erst einmal hingehört haben…)

Was die Musikinstrumente betreffen, braucht „Hotels & Dreamers“ kein pompöses Orchester. Nur Gitarren, ein sogenanntes „fretless bass“, Streicher und Akkordeon kommen zum Einsatz. Und doch wirken die scheinbar wenigen Instrumente wirkungsvoll genug, eine Serie aus klar gezeichneten Bildern und scharf gestochenen Fotos zu kreieren.

8670Ich hatte das Glück, Allan Taylor einmal live erlebt zu haben. Am 11. Juni 2017 trug er im Wiener Schwarzberg-Bar auch „The Beat Hotel“ vor, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Wenn auch schon über 70 Jahre alt, spielt Allan Taylor immer wieder gern Konzerte im deutschsprachigen Raum – daher kann ich ein Konzertbesuch nur empfehlen!

Weiterführende Links:
Offizielle Webseite von Allan Taylor
(Aktuelle Konzerttermine sind unter „tours“ zu finden.)
Allan Taylor bei Stockfisch Records

20 Kommentare

  1. das Problem mit den links kenne ich… Allan Taylor ist zwar musikalisch nicht meins, aber deine intensive Auseinandersetzung macht mich jetzt mal neugierig ;-)

    1. Danke für Deinen Kommentar! Manchmal glaube ich, dass zu viele Links in einem Text den Lesefluss stören können – aber andererseits habe ich auch das Gefühl, es zeugt nicht wirklich von Interesse, wenn die Leser meinen Beitrag überfliegen und dann stereotyp ein „Like“ abgeben, ohne sich ernsthaft mit dem Text auseinandersetzen zu wollen.

      Liebe Grüße aus Wien,

      S.

    1. So, Hörgeräte sind nun drinnen und ich habe mir auch „Das Badeschloss“ gegönnt. Der hat eine Stimme – und die Musik ist so herrlich unkonventionell. (Erinnert mich ein wenig an Falco, etwas Stiller Has kommt auch vor, aber der Rest ist Original!)

      Danke für den Hinweis!

      1. Hm, ich sehe, beim großen A ist die CD für schlappe 95 EUR zu haben.
        Außerdem habe ich in Erfahrung gebracht, dass der Herr sogar seinen Lebensmittelpunkt in Wien hat. Vielleicht kennt er den Begriff „Direktmarketing“?

  2. Liebe Sori,

    ich gestehe Allen Taylor war bisher noch ein weißer Fleck auf meiner musikalischen Landkarte … muß mich da mal ein wenig reinhören – die Hörprobe ist vielversprechend, ich mag diese akustischen Stücke … und er kommt im Mai nach Karlsruhe … da steht „Abschiedstour 2019“: Will der Mann in Rente gehen?

    Liebe Grüße aus dem gerade stürmischen Ettlingen!
    Spike
    p.s.: Na klaro darfst Du mich da zitieren … wobei Du ja wohl mit Deinem coolen Teil sowas wie den direkten Draht vom CD-Player zum Innenohr hast – wer soll das toppen? Da sieht selbst Bruce mit In-Ear-Monitoring alt aus … ;o)

    1. Was? Abschiedstour? Der auch? Oder ist das nur eine „Was-die-anderen-können-das-kann-ich-auch“-Masche? Dann muss ich mir den Wien-Termin aber ganz dick und rot im Kalender eintragen…

      1. Gute Frage … das mit „50 Years on the Road – Die Abschiedstournee 2019“ steht nur beim Karlsruher Termin … bei Nürnberg steht „Between the Mix“ als Titel … und da die meisten Links zu den örtlichen Kulturvereinen gehen, ist es sowieso ziemlich uneinheitlich, was da jeweils steht, und zu mühsam, das alles zu sichten … ich hoffe einfach mal, daß die Karlsruher da was mißverstanden haben …
        Nichtsdestotrotz denke ich, daß man bei Künstlern in diesem Alter nie weiß, ob sich noch oft Gelegenheit ergibt, sie live zu erleben …

      2. Na das wäre wirklich schade … hab mal ein paar der von Stockfisch Records auf youtube eingestellten Solo-Live-Videos von ihm angeschaut und angehört … sein Picking ist wirklich ein Genuß und begleitet und untermalt seine Texte meisterlich …

  3. Moin! Will nicht klugscheissen, sondern nur denjenigen, die es nicht wissen, erklären, was der „sogenannte fretlessbass“ ist. Ganz einfach: ein E- Bass ohne Bundstäbchen. Gibts auch als Akustikversion. Dadurch, das die Tonhöhen also nur über die Fingerkuppen und nicht über die metallenen Bundstäbchen erzeugt werden, hat er einen recht eigenen Sound (knurrig, kehlig), will äußerst sauber gespielt werden und hat weniger Sustain als ein „normaler“ E- Bass. Slides auf den Saiten erzeugen eine ganz eigene Charakteristik und heben ihn dann deutlich von seinen bebündeten Verwandten ab. Soweit….
    Ansonsten wieder mal ein sehr gelungener Beitrag! Grüße Matthias

    1. Ich schreibe hier ein herzliches Danke für die Klugscheißerei. Ich war zu faul, um mich schlau zu machen, was hinter dem Begriff „fretless bass“ steckte. Aber dank Deiner sehr lebendigen Beschreibung habe ich auch nun wieder etwas gelernt…

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