04.05.2018 – Carl Majneri & Christoph Michalke im Wirtshaus Assmayer

Montag, 9. April 2018: Auf der Webseite der Sargfabrik kaufte ich mir eine Karte für das Konzert von Boris Bukowski am 4. Mai 2018. Nach der erfolgreichen Transaktion warf ich einen Blick auf die Heimseite vom Wirtshaus Assmayer und entdeckte eine Konzertankündigung von Carl Majneri & Christoph Michalke. Auch am 4. Mai 2018. Ich war alles andere als erfreut und fand mich mit einem „Sollen sie halt ohne mich spielen!“ ab.

Freitag, 4. Mai 2018: Ich erhielt ein E-Mail von der Sargfabrik. Das Konzert von Boris Bukowski wurde „aufgrund von gesundheitlichen Problemen eines Musikers“ abgesagt. Na servus, irgendwie hatte ich keine Lust, den restlichen Freitag daheim zu verbringen. Zunächst machte ich einen Spaziergang in meinem Heimatbezirk und sinnierte über Alternativen nach. Irgendwann fiel es mir ein, dass doch die Herren Majneri & Michalke im Wirtshaus Assmayer konzertieren würden. Mit Konzertfreundin C. kurz hin und her gesimst – ja, ich schreibe auch SMS! Bald befand ich mich am Grünbeckweg zwischen den Friedhöfen, es war ruhig und daher optimal, von meinem Mobiltelefon Bärbel, die nette Wirtin vom Assmayer, anzurufen und einen Platz zu reservieren.

Juhuu! Manchmal haben Konzertabsagen doch etwas Gutes. Vor allem, weil ich im Assmayer liebe Konzertfreunde wiedersehen konnte! Nix gegen die Sargfabrik und das (etwas überteuerte) Kozel, aber das Assmayer hat Atmosphäre & Seele. Darüber hinaus konnte ich endlich wieder die raren Schnaitl trinken.

Mein letzter Besuch im Assmayer fiel vielschichtig aus. Zufall oder doch Absicht, dieses Mal wurde mir ein wunderbarer Platz zugeteilt. Und nun stand einem weiteren schönen Konzertabend nichts mehr im Wege…

1389Mit „What A Wonderful World“ läutete Christoph den Balladenabend ein. Isoliert betrachtet, ein ganz schlichter Text, der aber geschichtspolitisch eine wichtige Aussage enthält. (Warum werde ich den Gedanken an „Good Morning, Vietnam“ nie los, wenn es um dieses Lied geht?) Bevor die beiden Herren das nächste Lied anstimmten, philosophierten sie über ihre lange Zusammenarbeit, die mittlerweile 21 Jahre zählt. Nach „Free Fallin‘“ erzählte Christoph von einem seiner besten Konzerte, das er bisher erlebt hat. Besagtes Konzert fand sogar in der Sargfabrik (!) statt. Und da hat eine norwegische Künstlerin (Ich weiß ihren Namen immer noch nicht.) „That’s The Way That It Goes“ interpretiert. Noch immer beeindruckt von diesem Konzert widmete Christoph ihr zu Ehren dieses Lied. Nach „Let It Be Me“ und „One More Cup Of Coffee“ schränkten die Herren Majneri und Michalke den musikalischen Radius auf ihr Heimatland ein. Das folgende Gespräch entbehrte nicht einer gewissen Ironie und wir mussten über einen [Ich-will-seinen-Namen-nicht-nennen.] lachen, weil man vorher Pulverl nehmen muss, damit man seinen Namen überhaupt aussprechen kann. (Hinweis: Es handelt sich um den steirischen Musikanten, der mit einer Klage gegen das Konzerthaus abgeblitzt ist.) Zum Glück gibt es auch leiwande Musikanten, zum Beispiel [rema‘su:ri] – wir mussten schmunzeln, als Christoph und Carl darüber rätselten, warum es in diesem Wirtshaus still geworden ist. Aber es ging um den „Vater der österreichischen Musik…. Tom Waits“ (O-Ton Christoph). Welches Lied würde Österreich würdig vertreten? Die Wahl fiel auf „Grapefruit Moon“.

1393Bevor wir in die Pause gehen, möchte ich hier an dera Stö erwähnen, dass die Balladenabende mit Carl & Christoph für mich auch einen musikalisch-pädagogischen Wert enthalten. Ich bin leider nicht mit einem universalen Musikfundus ausgestattet (Hätte ich zwar gern, aber es hat ned sein soll‘n.), aber diese Konzerte bereichern und erweitern das musikalische Allgemeinwissen. Ich erinnere mich an November 2016: Wir bekamen auf Papier gedruckte Textauszüge von „Make me a pallet on your floor…“ in unsere Hände gedrückt. (Zum Mitsingen, versteht sich!)

Mehr als ein halbes Jahr später befreite ich Allan Taylors „Down The Years I Travelled“ von der Einschweißfolie und hatte so etwas wie ein Aha!-Erlebnis, als ich „Let It Come, Let It Go“ las und hörte.

So auch das nächste Lied, das uns anschließend in die Pause schickte. Den entscheidenden Tipp lieferte Konzertfreundin B., die erwähnte, dass Doris Day dieses Lied auch gesungen hat. Ich brauchte dann nur noch auf YouTube ihren Namen einzugeben und fand neben ihrer Version unzählige Covers davon. (Äh, das mit YouTube: Nachgesehen habe ich, aber nicht sofort. An diesem Abend streikte die SIM-Karte meines steinzeitlichen Smartphones. Aber am Tag danach habe ich das Kastl auseinandergenommen, die SIM-Karte aus dem Fach raus- und wieder reingeschoben. Die Anschaffung eines neuen Mobiltelefons wird somit auf unbestimmte Zeit verschoben.)

„Que Sera Sera“. Das war das Lied! Und Sori hat wieder etwas gelernt.

1397Wie mir sonst eigentlich aus den vergangenen Balladenabenden bekannt, wurde dieses Mal nach der Pause die Sprache der Lieder nicht gewechselt. John Hiatts „‘Til I Get My Lovin‘ Back“ dürfte einen Fixplatz in der Liederliste ergattert haben und bevor tatsächlich ein Sprachwechsel erfolgte, gab es noch eine liebe Anekdote. Christoph erzählte (wieder!) von der Sargfabrik, wo er auch dort arbeitet. Seine Herausforderung besteht unter anderem, Vorschulkinder von einem Raum in den anderen zu geleiten und im anderen Raum hängt eine Discokugel an der Decke. Jetzt denken wir uns, Discokugel ist sowas von 1980. Aber diese Kinder erblicken dieses Konstrukt aus dem vergangenen Jahrtausend und schaffen es tatsächlich, „Diiiscokugeeeel“ zu quietschen. „Wie können die Kinder, Baujahr Zweitausend…vierzehn, wissen, dass es eine Discokugel ist?“  oder fast ähnlich lautete die Frage von Christoph. Und ich muss etwas gestehen: Christoph hat tatsächlich eine etwas längere Pause zwischen „Zweitausend“ und „vierzehn“ eingeschoben. Nur, nach „Zweitausend“ dachte ich mir ein „Sind ja eh noch Kinder!“. Aber nach seinem ergänzenden „vierzehn“ wurde mir schlagartig klar, dass wir uns schon in 2018 befinden.

Nun erklang ein wunderschönes und vor allem zeitloses Lied aus österreichischer Feder: „alanech fia dii“. Im Anschluss folgte „Lean On Me“. Zu „meiner“ Zeit gab es die x-te Coverversion aus 1999. Erinnert sich noch wer an 2-4 Family?

Während des Schreibens entdecke ich, dass das Thema „Älterwerden“ beginnt, sich wie ein roter Faden durch den Text zu ziehen. Wir kommen einfach nicht daran vorbei. Nur, das mit dem „Früher schlafen gehen“ funktioniert bei mir im Moment (wieder) nicht so richtig.

Carl wusste es schon am 23. Oktober 2015. Nun wurden aus Worte Taten und unter dem Motto „dem Alter entsprechende Musik“ wurde zu „Rockin‘ In The Free World“ gejammt und mitgesungen.

Zur Einstimmung auf die nächsten Lieder wurden zwei weitere Bier und zwei Fernets bestellt und auch gebracht. Onkel Tom ließ mit „In The Neighborhood“ und „I Hope That I Don’t Fall In Love With You“ grüßen. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich für ein Konzert von Tom Waits finanziell bluten würde? Nur schade, dass es ihm so gut geht und er es scheinbar nicht mehr nötig hat, weitere Konzerte zu spielen.

Ganz anders der nächste Musikant, hat er sich vor wenigen Wochen wieder nach Wien verirrt – nur, es reizt mich einfach nicht, ihn live zu sehen, obwohl ich ein paar CDs besitze und mir einige Nummern gut gefallen. Bob Dylan.

Nach dem besinnlichen „Make You Feel My Love“ ging es fast schunkelnd mit „Goodnight Irene“ weiter. Anschließend fragte Christoph ein „Wer hat an der Uhr gedreht?“. Sie ging auf 22 Uhr und ein weiterer, schöner Balladenabend neigte sich dem Ende zu. Aber es wurde noch schnell vom lustigen Erfolgserlebnis beim Leopoldsdorfer Blasmusikfestival berichtet und ein programmatisches „I Shall Be Released“ gespielt.

Mittlerweile wurde der zum zweiten Mal servierte Schnitzel mit Erdäpfelsalat seinem richtigen Esser und Verwerter zugeführt. Es ging sich alles aus. Mit „Crazy Men“ und der „Fluchthelferin“. Mit Arme-nach-oben-strecken-und-Hände-schütteln. Der Schnitzel wurde rechtzeitig aufgegessen und einem „Am leiwansten daham“ stand nichts mehr im Wege.

Die Herren Majneri & Michalke waren an diesem Abend sehr stimmig drauf. Carls Gitarrenspiel zuzulauschen, ist immer wieder ein Erlebnis – vor allem, wenn er selbst in die Saiten versinkt. Christoph hat den Abend, wie gewohnt, sehr launig moderiert und es gelingt ihm stets aufs Neue, die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft auf sich zu lenken und sie mit seinen G’schichtl‘n zu unterhalten. Das Publikum war wunderbar. Sie hat zugehorcht und die Musik genossen. Mein musikalisches Allgemeinwissen wurde erweitert und was bin ich froh über die Absage aus der Sargfabrik!

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5 Kommentare

  1. Hi Sori,

    bei norwegische Sängerin kam mir spontan Rebekka Bakken in den Sinn – könnte das sein?

    Grüßle aus dem Ländle,
    Spike

  2. Moin!
    Wohl gesetzte Worte für einen scheinbar lauschigen Abend.
    Aber ans Älter werden und früher Schlafen gehen solltest Du jetzt noch nicht denken, liebes Sorilein. Das überlass mal Deinem Körper, der wird sich bei Zeiten schon melden.
    Und Dein Impressum ist jetzt wämelämedingdong!!!!
    Greetz
    Matthias
    PS:es heisst “DAS“ Schnitzel (Wiener Art) ;~)

    1. Danke für Deinen konstruktiven Kommentar! Ich weiß, dass ich zu fehlerhaften Artikeln neige. Seit ich in Österreich lebe, ist es noch schlimmer geworden ;-)

      Ach ja: Auch wenn ich noch junge 35 bin… es ist und es fühlt sich definitiv anders an als mit 25. (An manchen Tagen bzw. Abenden ist es aber wieder umgekehrt.)

  3. Moin!
    Hätte ja auch sein können, dass der gemeine Wiener “der“ Schnitzel sagt. In Niederhöchstadt, einem Stadtteil von Eschborn, heissts im örtlichen Slang ja auch: De Ball is in DIE Bach gefalle.
    Grüßlis
    Matthias

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