Als Fan von Kiefer Sutherland würde ich mich nicht bezeichnen, dennoch geht meine erste „Begegnung“ mit ihm doch sehr weit zurück. Ich erinnere mich an den Film-Foto-Roman von „Flatliners“ in der „BRAVO“ (Film nie gesehen) und an seine Lebensabschnittspartnerin Julia Roberts. Ich träumte sogar von ihm. (Kein Schmäh, aber er war der erste Schauspieler, von dem ich träumte! Und wenn Ihr es genau wissen möchtet: Nein, ich träumte nicht von einem singenden Schauspieler mit Cowboyhut und Gitarre. Sondern wir retteten uns aus einem sinkenden Schiff ins offene Meer.) Auch fand ich relativ bald heraus, dass der Schauspieler Donald Sutherland sein Vater ist. Den habe ich wiederum aus dem DDR-Buch „Filmschauspieler A – Z“ entdeckt, welches immer noch in der elterlichen Wohnung steht. (Für die jüngere Generation: Donald Sutherland ist der böse Präsident Snow in „The Hunger Games“. Für Kenner würde ich „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ nehmen und ICH verbinde Donald Sutherland mit seiner schreiend-komischen Rolle des „Spinner“ in „Stoßtrupp Gold“.)

Um mich von Kiefer Sutherlands schauspielerischem Können zu überzeugen, wählte ich nicht unbedingt die besten Filme aus:

  • „Die drei Musketiere“: Einmal im Kino und Jahre später einmal im Fernsehen gesehen und dabei Wien, Perchtoldsdorf und die Seegrotte Hinterbrühl erkannt.
  • „Young Guns“: Beide Teile jeweils einmal im Fernsehen gesehen und den Tod von „Doc Scurlock“ bedauert. (Jon Bon Jovis „Blaze Of Glory“ habe ich unzählige Male gesehen.)
  • „Spurlos“: Würde ich mir nicht noch einmal ansehen, da ich selbst oft Anzeichen der Klaustrophobie aufweise.
  • „The Cowboy Way“: Bis heute weiß ich nicht, ob ich diesen Film im Kino gesehen habe – er muss miserabel gewesen sein. (Und Bon Jovi hat schon bessere Lieder geliefert.)

Ansonsten tangierte er nur am Rande. Seinen Erfolg als „Jack Bauer“ nahm ich nur peripher wahr, bis ich im heurigen Frühjahr auf oeticket.at stolperte und eine Ankündigung vom Konzert am 10. Juni 2017 im Wiener WUK entdeckte. „Der singt auch?“ war mein erster Gedanke. Bevor ich ihn zu einem weiteren Möchtegern-singenden-Schauspieler zuordnen wollte, horchte ich mir auf YouTube die ersten Nummern an und „Not Enough Whiskey“ überzeugte mich dann vollends. Die raspelnde Stimme, die berührenden Texte und die bodenständige Musik gefielen mir. Das Album „Down In A Hole“ wurde bestellt und ich kaufte mir bald eine Karte für das Konzert.

Kurz nach 19 Uhr kam ich im WUK an und staunte nicht schlecht über die Warteschlange beim Einlass. Anscheinend dürften ein paar Leute vorher den Artikel im STANDARD gelesen haben. Bevor ich in den Saal ging, holte ich mir einen Augustiner Edelstoff und fand meinen „idealen“ Platz. Gegen 19:30 Uhr kam Doug Andrews auf die Bühne und ich fand sein „Gösser“-Bierdeckel auf seiner Gitarre witzig. Generell sind Vorgruppen zum Schmeißen, aber der Typ da oben mit Bart und Baseballkapperl war leiwand und im Nachhinein fand ich heraus, dass der Singer-Songwriter aus Wyoming stammt, aber in Wien lebt. So besteht die Hoffnung, ihn bald wieder live erleben zu können. http://www.doug-andrews.net/

In der Zwischenzeit musste ich meinen Kopf über Drängler schütteln (Buh!), den höher steigenden Lärmpegel ertragen und meine Wut wieder abflauen lassen. (Während Doug oben spielte, waren hinter mir ein paar Vollkoffer, die in einer Lautstärke redeten und ich war kurz davor, die Leute zurechtzuweisen, aber stattdessen beschränkte ich mich darauf, in mir ziemlich gefährlich zu brodeln.)

Kurz vor 20:30 Uhr betraten die Bandmitglieder Michael Gurley (Vocals, Rhythm & Lead Guitar), Jess Calcaterra (Drums), Austin Vallejo (Vocals, Rhythm & Lead Guitar) & Joseph DeLeo (Bass) die Bühne und anschließend erschien Jack Bauer, äh, Kiefer Sutherland himself.

Die ersten Takte aus „Can’t Stay Away“ wummerten und ich verzweifelte über den dominanten Sound, wobei die Stimme von Kiefer total unterging. Mit einem „Schöne Scheiße, wenn das noch so weitergeht…“ drehte ich sogar meine Hörgeräte etwas leiser, weil ich den überbordenden Klang nicht ertragen konnte und mit Müh und Not das Gesungene ansatzweise erkannte. (Dabei gehört das Eingangslied zu meinen liebsten auf „Down In The Hole“.) Mit „I’ll Do Anything“ wurde es klangmäßig besser und nach diesem Lied bedankte sich Kiefer sehr herzlich bei seinem Publikum und erinnerte sich an seinen Wien-Aufenthalt während der Dreharbeiten zu „The Three Musketeers“ (an der Stelle brandete lauter Jubel vom Publikum auf). Nach dem prägenden „Truth In Your Eyes“ ging es dann zu meinem liebsten Lied: „Not Enough Whiskey“. Das Publikum sang und wiegte bedächtig zu diesem Lied mit, der Sound besserte sich allmählich, aber es war im Großen und Ganzen keine Meisterleistung. Zum Optischen: Ich finde den Sutherland recht fesch, aber der etwas eigenwillig kreierte Cowboyhut war schwer gewöhnungsbedürftig. Zum Glück war es so heiß im WUK, so dass Kiefer sich sehr schnell von dieser Kopfbekleidung verabschiedete. Nach „Going Home“ erzählte Kiefer von seinem musikalischen Vorbild Johnny Cash und dass er von seinen Gefängniskonzerten angetan sei und so bekamen wir „Shirley Jean“ zu hören. An der Stelle möchte ich erwähnen, dass ich schon lange weiß, dass Shirley Jean der Name seiner Mutter ist. Auf „Down In A Hole“ gehört das Lied zu meinen Favoriten, ich glaubte noch, dass Kiefer in diesem Lied seine Mutter direkt ansprach und ich war dann ziemlich ernüchtert, als ich das offizielle Video sah:

Doch ein Interview in der „BUNTE“ klärte mich darüber auf, dass Kiefer nur den Namen seiner Mutter für das Lied „geborgt“ hat. Live war das Lied sehr stark. Anschließend kamen „The Bottle Let Me Down“ und „Saskatchewan“, wobei letztere von einer kanadische Provinz handelt, wo Kiefers Großvater mütterlichseits damals Premierminister war. Nach „Ways To Be Wicked“ und „Honey Bee“, ein Lied von Tom Petty, ging es zu „All She Wrote“ und zum rotzig-rockenden „Down In A Hole“.

Schon winkten Kiefer und seine Band zum Abschied, ohne nicht für ein paar Zugaben auf die Bühne zurückzukehren. Die Interpretation von „Calling Out Your Name“ ging zu Herzen – nur Kiefer und Austin spielten auf den akustischen Gitarren. Nach „Sundown“ gab es ein solides „Knockin‘ On Heaven’s Door“, bevor Kiefer Sutherland und seine Band sich endgültig mit „Rebel Wind“ verabschiedeten.

Ein Gig, der nicht einmal 90 Minuten gedauert hat. Es war trotz der Kürze ein gutes Konzert, Kiefer Sutherland kam sehr bodenständig herüber, war vom Zuspruch seines Publikums sehr berührt und hat sich oft bei uns bedankt. („Thank you… very very very much!“) Man hat ihm auch angesehen, dass ihm die Musik Spaß macht und ihm die Interaktion mit seinem Publikum viel bedeutet – das erklärt auch die vielen Einleitungsworte zwischen den Liedern. Negativ finde ich, dass er seine Band kaum vorgestellt hat. Das waren allesamt Vollblutmusiker – ganz stark waren der Gitarrist Michael Gurley und die Schlagzeugerin Jess Calcaterra.

Dennoch war es ein schöner Abend! Sollte er wieder in Wien spielen, bin ich ganz sicher wieder dabei.

Weiterführende Links:

Lesenswerter Artikel aus zeit.de           Nachbericht auf kurier.at

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Souvenirs vom Konzert
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