17. und 18. März 2016 – Patent Ochsner im Bierhübeli, Bern

4936Vorgeschichte:

Im November 2015 erlebte ich mein erstes Konzert von Patent Ochsner im Winterthurer Salzhaus. Dennoch war dieser herbstliche Trip in die Schweiz etwas, was ich nur „dranhängte“. Mitte Juli 2015 wurden die Konzerttermine der Tournee 2015/2016 veröffentlicht. Mein ursprünglicher Plan war, Patent Ochsner in Zürich zu erleben, aber die beiden Märztermine lagen ungünstig. Die Daten für Bern schienen viel passender, da Heimspiele auch verlockend sind und man ganz gut von Wien nach „Bälpmoos“ fliegen kann. Also orderte ich so bald wie möglich auf starticket.ch Karten für die letzten zwei Konzerte im Berner Bierhübeli und buchte auch den etwas teuren Flug nach Bern-Belp. Nachher stellte es sich heraus, dass ich für 2015 noch genügend Resturlaub hatte und ich wollte auch gern verreisen. Ich sah mich nach „billigeren“ Alternativen um (Konzerte in Deutschland), war nicht ganz zufrieden und ich konnte auch den Gedanken, im Herbst für ein paar Tage in die Schweiz zu fahren, nicht mehr loslassen. Also entschied ich mich für das Konzert am 13. November 2015 in Winterthur. Mitten im langen „Finitolavoro“-Sommer fixierte ich innert von zweieinhalb Wochen meine drei Patent Ochsner-Konzerte.

Konzerte:

4937Am Donnerstag, 17. März 2016 erreichte ich ziemlich zeitig das Bierhübeli und kam in den Genuss meines ersten Bärner Müntschi naturtrüb. (Auch die Berner können Bier brauen!) Betrat den wunderschönen Saal, stellte fest, dass die Bühne doch recht hoch ist und positionierte mich ungefähr in der vierten Reihe auf der rechten Seite. (Weil in Winterthur auf der linken Seite gestanden.) Die Wartezeit war mit Gefühlen von Abgeklärtheit und Vorfreude vermischt und kurz nach 20 Uhr betraten Christian Brantschen, Andreas Hug, Monic Mathys, Diesel Gmünder, Daniel Woodtli, Menk Grossniklaus und Daniela Bertschinger die Bühne. Die nicht ursprünglichen Mitglieder spielten ein druckvolles Intro – „The Six Million Dollar Man“ aus 2015 haben sie durch ein anderes Instrumentalstück ersetzt. Nun erschien das einzig verbliebene Gründungsmitglied von Patent Ochsner, BÜNE HUBER, auf die Bühne und wurde mit frenetischem Applaus gefeiert. Nach „Varazze“ rockten wir mit einem weiteren Klassiker, „Fischer“, ab. Ich tobte mich in „Sunny Side Up“ aus, Manillios Sprechgesang wurde wieder von Diesel Gmünder mit Bravour gemeistert. Büne sprach einleitende Worte, aus dem begleitenden Instrumentalstück hörte ich heraus, dass es sich nur um „Guet Nacht, Elisabeth“ handeln konnte, was Büne auch ankündigte.

4943494649474950War das so schön! Das geniale Klaviersolo von Christian Brantschen, der zeitweise wie ein Paganini an den Tasten wirkte, berührte mich wieder aufs Neue und ich konnte es nicht verhindern, dass meine Augen feucht wurden. Wir nahmen den Rat „Wär weiss, öb die je wieder geit. Leg di warm a!“ zu Herzen und wurden mit „Ludmilla“ beglückt.

Aus „Finitolavoro“ wurden „Grill“ und „Roubtier“ gespielt – erstere machte so viel Stimmung, Bünes Armtänzeleien animierte uns zum Mitmachen und bei letzterem war das zuckende Blitzlichtgewitter teilweise sehr strapaziös. „Kater“ aus Büne Hubers Soloalbum, „Honigmelonemond“, wurde wieder in die Setliste aufgenommen und ich sah, dass die Klavierecke frei wurde, Christian Brantschen das Akkordeon und Diesel Gmünder die akustische Gitarre nahmen. Meine Erinnerung aus dem Salzhaus verriet mir, dass es sich nur um „Tagesizeut“ handeln konnte. Die Erinnerung hat mich zum Glück nicht im Stich gelassen und ich ließ mich wieder von diesem textlich stärksten Lied auf „Finitolavoro“ berühren und streicheln.

49554961„Da für di“ nahm das Publikum im Bierhübeli weiter ein und behielt es auch bis zum Schluss. „Bluetbadbullschittläärloufmagerquark“ brachte die stehende Menschenmenge zum Kochen und ich sah wieder, mit was für einer unglaublichen Spielfreude die ganze Band interagierte. Bei „Schmierfett“ wurde die siedende Stimmung weiter gehalten und das groovende „Sunnedeck“ animierte uns wieder zum Tanzen. In ein „Scharlachrot“ wurden wir getaucht, das Saxophon-Solo von Menk Grossniklaus erschien mir als ein schwyzerdütsches Mini-„Jungleland“. Es war „Ausklaar“ und „Bälpmoos“  war mein Lied des Abends! Ich frage mich, wer außer mir im Publikum an dem Tag den Flughafen Bern-Belp angesteuert hat. „Schpick mi furt vo hie“/“I bin wi nes Trybguet trybe“ und das Konzert neigte sich dem Ende zu.

49624966Als Zugaben wurden „Gummiboum“ (Live wieder unglaublich!) und „W.Nuss vo Bümpliz“ gespielt. Nachdem Patent Ochsner sich verabschiedet haben, sangen wir den Refrain von „Weee Nuss“ noch weiter, bis die Band mit „Epilog“ das Konzert schloss.

4967Pfau, mir war so was von wurscht, sollten Patent Ochsner am nächsten Abend die gleiche Setliste spielen. Ich freute mich so oder so auf das zweite Konzert und zu diesem Zeitpunkt glaubte ich noch, dass ich mein Ziel verwirklicht und abgeschlossen haben wollte, Patent Ochsner zumindest einmal live erlebt zu haben. Wer weiß, was in nächster Zeit geschehen wird…

Am Freitag, 18. März 2016 kam ich dank einer sehr netten Bekanntschaft aus dem stonepony.eu-Forum über einen Extra-Eingang ins Bierhübeli – eh, die Schweizer Eigenart, Konzertkarten gleich zu kübeln!!! – und konnte mir wieder einen guten Stehplatz sichern. Dieses Mal positionierte ich mich auf der linken Seite und freute mich darauf, das Konzert aus einer anderen Perspektive zu erleben.

Auch erlebte ich einige Lieder – es wurde zwar die gleiche Setliste gespielt – dennoch neu und intensiver. Ich machte beim zweiten Konzert weniger Fotos, weil ich das vorläufig letzte Konzert von Patent Ochsner genießen und in mich aufnehmen, behalten wollte.

50715075„Guet Nacht, Elisabeth“ kann immer wieder auf Neue berühren. „D Sunne geit im Weschten uuf“ aus „Ludmilla“ entwickelte sich zu einem Ohrwurm, den ich bis jetzt nicht aus meiner Gedankenwelt vertreiben kann. Bei „Grill“ schämte ich mich nicht, die witzigen Armtänzeleien von Büne Huber nachzumachen und tanzte ausgiebig mit. Bei der Musik, vor allem bei DIESER Live-Musik, ist Widerstand zwecklos!

5080„Tagesizeut“ war wieder intensivst berührend, im Gegensatz zu den letzten zwei Konzerten war ich auf der Höhe von Büne Huber… und das „I ha di geschter vermisst & i vermissä di hüt & morn wirds genau so sy“ lässt mich auch an bestimmte Menschen auf meiner Erinnerungswolke schwebend denken. Im Choral „Bluetbadbullschitt-Läärloufmagerquark“ sang ich auch laut mit, das Saxophon-Solo von Menk Grossniklaus und Bünes Gesang zogen das Lied in angenehme Länge. Bei „Schmierfett“ tanzte ich ausgelassen mit und „Sunnedeck“ groovte so sehr ins Bierhübeli hinein. „Scharlachrot“ umfing mich und es war aues „Ausklaar“. „Bälpmoos“ spickte mich furt vo hie und wir wandelten wieder zum „Trybguet“. Unvergesslich, wie das Publikum im Chor „I liebe se meh aus mi“ in einer Endlosschleife weitersang. „Gummiboum“ und „W.Nuss vo Bümpliz“ bereiteten mich auf das „Finitolavoro“ vor. Zum Glück kehrten Patent Ochsner mit „Epilog“ noch einmal auf die Bühne zurück: „Fahr los! Chumm, fahr los! & lueg gschider gar nümm zrügg. Ds ganz grosse Glück fingsch angerswo. Chumm, mir lösche ds Liecht!“

5081508250855088Nun kamen die unvermeidbaren Abschiedsworte von Büne Huber, die schon Kultstatus haben: „Häbed Sorg. Passd guet auf. Löt nech nüt la gfaue! Nie! Nie! NIE!“

Bei den letzten zwei von sechs ausverkauften Konzerten im Bierhübeli im März 2016 spielten Patent Ochsner zwar die gleiche Setliste, aber es waren zwei wunderbare Konzerte, die ich nicht missen möchte. Die stimmige Bühnenbeleuchtung (abgesehen vom zuckenden Blitzlichtgewitter bei „Roubtier“ und „Bälpmoos“) schuf eine warme Atmosphäre, von denen sich viele Live-Musiker ein Beispiel nehmen können. Der Klang im Bierhübeli war klass‘, auch war das Zusammenspiel der Instrumente ein Hörgenuss – vor allem die Bläsersektion! Von der Stimmung her waren die Konzerte auch viel besser als in Winterthur, auch spielten Patent Ochsner länger – die beiden Bierhübeli-Konzerte erreichten jeweils eine Dauer von knapp 2 ½ Stunden ohne Pause!

Aus „Finitolavoro – The Rimini Flashdown Part III“ haben sie leider „Nachlass/Eine vo dene“ und „Galgenfeld“ von der Setliste gestrichen. „Herr Flühmann“ hätte ich live gern gehört, aber dennoch MERCI VIELMALS für die nun drei Konzerte mit Patent Ochsner.

Es ist für mich noch lange nicht „Finitolavoro“…

Werbung

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..